Juni 2007 - Jahrgang 1 - 6. Ausgabe

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DAS GRÖSSTE WUNDER DER WELT

Prof. G Venkataraman


Dieser Artikel wurde im November 2006 geschrieben.

In diesem Jahr hatte die Sri Sathya Sai Universität ihren 25sten Jahrestag. Die Universität ist heute im Land ziemlich bekannt, und sie zieht viele Besucher an. Einige kommen, um sich nur umzuschauen; einige nehmen an Seminaren und Konferenzen teil; einige, um zu unterrichten; einige andere, um zu prüfen; um zu diskutieren, oder um auszuwerten; viele kommen, um der jährlichen Versammlung beizuwohnen; und viele mehr, um das Sportfest mitzuerleben. Aber jeder von ihnen hat stets die herrlichen Gebäude und das wundervolle Universitätsgelände im Blick, bemerkt die bewundernswerte Disziplin, den Geist des Selbstvertrauens und der Selbstständigkeit unter den Studenten, etc. Dies alles fällt jedem Betrachter mühelos auf. Aber ich möchte in diesem Artikel lieber das beschreiben und über das schreiben, was die Besucher nicht so leicht erkennen. Im Vedanta heißt es: „Das, was wirklich erscheint, ist unwirklich, und das, was nicht wirklich erscheint, ist die Wirklichkeit.“ Was Swamis Institut betrifft, ist es das gleiche; die wirkliche Geschichte von dieser wahrhaftig herausragenden Universität ist das, was die Leute normaler-weise nicht sehen.

 
 
Sri Sathya Sai University

Einzigartige Philosophie – Einzigartige Persönlichkeit

Um die Dinge in eine Perspektive zu bringen, möchte ich damit beginnen, auf zwei Punkte aufmerksam zu machen. Der erste betrifft die dem hier innewohnenden Erziehungs-/Bildungs-System unterliegende Philosophie und der zweite die einzigartige Beziehung zwischen Swami und Seinen Studenten. Was das erste Thema angeht, ist Swami ganz klar in Seinen Worten, dass Bildung nicht auf das Vollstopfen des Gehirns begrenzt sein darf; sondern sie muss in einer Ausgewogenheit vermittelt werden, die die Aufnahmefähigkeit des Körpers, des Geistes und der Seele berücksichtigt. Swami sagt oft, dass Bildung für das Leben, für den Sinn des Lebens ist, und nicht um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Wenn das Leben wirklich in dem Sinn gelebt wird, der ihm gebührt, dann muss natürlich ein guter und edler Charakter die Grundlage sein; ganzheitliche Bildung ist das, was die Entwicklung und Formung eines guten Charakters ausmacht. Dieses System der Ganzheitlichen Erziehung-/Bildung wurde geschaffen und erarbeitet von Bhagavan Baba. Ausgeführt wurde es dann von dem ersten Vize-Kanzler Prof. V. K. Gokak und es hat sich seit jener Zeit höchst erfolgreich bewährt.

 

 

Über den zweiten Punkt spricht Bhagavan in Seiner segensreichen Ansprache am 22. November 1986 anlässlich der Fünften Versammlung:

„Erziehung-/Bildung muss dem Menschen den Weg auftun, der ihm ermöglicht, die schlafende Quelle Seiner innewohnenden Göttlichkeiten anzuzapfen, ohne sich im reichen Angebot der vorhandenen Objekte zu verfangen. Es muss großen Wert auf die spirituelle Transformation gelegt werden, die noch grundlegender als die moralische Anhebung ist. Was einen gebildeten Menschen echt auszeichnet, ist sein gleiches Verhalten allen gegenüber. Er sieht in der Gesellschaft die göttliche Manifestation. Wahre Bildung lenkt den Menschen nicht von der Natur des alles durchflutenden Atma ab. Genauer ausgedrückt, sie führt den Menschen dazu, die Natur mit der vereinheitlichten Atmischen Lebenseinstellung zu begreifen“.

Diese Aussage ist sehr wichtig, vor allem die letzten beiden Sätze, denn sie geben uns einen Anhaltspunkt über die bemerkenswerte und enge Beziehung, die Swami mit Seinen Studenten verbindet. Lasst uns jetzt zu der Geschichte des Instituts übergehen.

Die Damen zuerst

Die Samen wurden lange bevor Swami 1968 in Anantapur ein College für Frauen gründete, gesät. Eine bedeutende Rolle spielt, dass Sein erstes College für Frauen anstatt für Männer errichtet wurde, was schon für sich selbst Spricht. Eins muss gesagt werden: Wenn Swami etwas tun will, wünscht etwas zu tun, beschließt etwas zu tun, verliert Er keine Zeit, es in die Tat umzusetzen. So konnte gleich mit dem Unterricht für die Mädchen begonnen werden, wenn auch in vorübergehenden Unterkünften, da die Gebäude für das College noch nicht fertig gestellt waren. Die Gebäude wurden dann später bezugsfertig und wurden im Jahr 1968 gebührend vom Indischen Präsidenten, Mr. V. V. Giri, eingeweiht. Bhagavan Baba sagte anlässlich dieser Einweihungsfeier:

„Indien ist dabei, in ein „Bhogabhoomi“ (dem Luxus zum Opfer fallendes Land) zu verfallen, ein Land von Wolkenkratzern, Dosennahrung, Klimaanlagen und Fernsehen. Die Inder werden zu einer Masse von Nachahmern, Aufständigen und Undisziplinierten. Sie lassen sich auf andere Gebiete der Erde verpflanzen und lassen sich darin ermutigen, ohne Wurzeln aufzuwachsen. Das ist eine Beleidigung

Ihrer Vergangenheit und eine Missachtung ihrer Geschichte. Es ist ein Sakrileg der Zeitgeschichte und des einzigen Sinn und Zwecks des menschlichen Körpers gegenüber. Aus diesem Grund habe ich beschlossen, das College am Gurupurnima Tag einzuweihen; dies zur Erinnerung an die erhabenen Traditionen, in denen die höchsten Lebensideale von persönlichen Vorbildern und die Führung des Guru vorgelebt werden, die die Schüler eifrig in sich aufnehmen sollen. Der Same ist gesät, er wird sprießen und sich verbreiten, er wird reich sein an Früchten, Schatten und Sicherheit spenden und allen Wachstum verleihen.“

Ja, der Samen wurde tatsächlich gepflanzt, und was für ein majestätischer und herrlicher Baum hat sich aus diesem kleinen Samenkorn entwickelt!

Erziehung und Bildung liegt Swami sehr am Herzen, und so blieb es nicht nur bei der Errichtung des Anantapur College. Er setzte sich auch gründlichst für das gute Funktionieren ein und besuchte regelmäßig Ananatapur, und blieb dort jedes Mal mehrere Tage. Er sprach dann mit den Studenten und Lehrern, hörte den Bhajans in ausgedehnter Länge zu, inspizierte das Universitätsgelände und hielt Ansprachen. Er erschien sogar plötzlich im Klassenzimmer, setzte sich hinten hin und hörte sich ruhig die gerade vorgetragene Vorlesung an! Dr. Rajeswari Patel, ehemalige Studentin der Anantapur Universität und jetzt dort Lehrerin ruft sich diese Momente ins Gedächtnis. „Das Schöne war, Er trat in das Klassenzimmer ein, während der Unterricht lief. Er setzte sich hinten hin und hörte den Lesungen zu. Und wenn die Studenten sich umdrehten, um zu Ihm zu schauen, was sie oft taten, sagte Er, ’Nein, nein, dreht euch wieder um und hört eurem Lehrer zu!’ Er ist so locker gewesen!“

(Aus den Archiven von Radio Sai)

Nun, warum stattete Swami gelegentlich in den Klassezimmern einen Besuch ab? Wollte Er den Lehrer testen? Nicht ganz, oft griff Er am Ende der Stunde das durchgenommene Thema auf und deutete auf weitere Perspektiven hin, die weit über dem Wissen des Lehrers lagen.

Wann immer in Prashanti Nilayam ein wichtiges Ereignis stattfand, ließ Swami die Studenten aus Anantapur kommen und gab ihnen die Chance, an den lokalen Aktivitäten teilzunehmen. Zum Beispiel, während des Baues der Sarva Dharma Stupa kamen sie oft und setzten ihre Arbeitskraft ein; heute erhebt sich diese majestätisch nahe beim Mandir. Auch wirkten sie beim Bau des Purnachandra Auditoriums mit. Eine erzählenswerte Zusammenfassung aus diesen Tagen gibt uns Dr. Rajeswari Patel:

„Als die Sarva Dharma Stupa gebaut wurde, kam jede Woche ein Bus nach Anantapur, um uns nach Puttaparthi zu bringen, wo wir beim Bau mithelfen durften. Wenn wir heute dieses Bauwerk sehen, fühlen wir uns tief damit verbunden. Zu jener Zeit, wenn Swami dazukam, umrundete Er die Säule und überwachte die Arbeiten. Einmal gab Er uns, auf einem kleinen Stuhl sitzend, ein Interview vor Ort. Wir saßen alle um Ihn herum auf dem Sand unterhalb der sich im Bau befindlichen Stupa. Einmal brachte Er Orangen, sogar während wir Bhajans sangen. Das gesungene Lied hieß ‚Aao Sai!’ Swami lächelte und antwortete: ‚Aatha Hoon! Aatha Hoon!’ Dann stellte Er sich vor uns und warf jedem von uns eine Orange zu. Es war alles so wundervoll!“

(von Radio Sai Archiven)

 

Brindavan Segen

Der nächste Schritt in Swamis Erziehungs-/Bildungs-Mission war die Gründung eines Colleges in Brindavan für Jungen. Dies geschah 1969, und so erinnert sich der verstorbene Mr. Kasturi:

 

„Am Eröffnungstag sah das College blitzsauber aus...Am 9. Juli 1969 hatte der Landesminister des Staates Mysore, Mr. Veerendra Patil die Ehre das College einzuweihen. In seiner Ansprache hieß Dr. VK Gokak, Vizekanzler der Universität Bangalore, an die das College angegliedert ist, den neuen Zugang als ‚ein Juwel in der Krone der Bangalore Universität’ willkommen. Dr. Gokak fügte hinzu, „dieses College wird ein Vorbild für alle Colleges in Erziehung und Bildung sein, und das nicht nur in der akademischem Gebiet, sondern auch im ethischen und spirituellen Bereich. Dieses College wurde aus Bhagavans Gedanken der Liebe, der Gnade und der Weisheit ertworfen, schöpferisch gestaltet und künstlerisch vollendet. Ziegel um Ziegel, Brett um Brett; alles hat Er bis aufs Detail überprüft. Das ist eine Lehre für alle, die einen aufrichtigen und liebenden Dienst tun wollen.“ (Sathyam Shivam Sundaram – Part III, SSSBPT, Prashanti Nilayam, 1974, pp. 54-55)

 

In jenen Tagen verbrachte Swami Seine Zeit größtenteils in Brindavan und war folglich auch mehr in die Entwicklung Seiner Studenten dort als bei den Anantapur Studenten involviert. Mr. Kasturi beschreibt das wie folgt.

„Es gibt keine Aktivität des Colleges, an dem Baba kein Interesse hätte; denn Er weiß, dass es die Atmosphäre ist, in der Erziehung erteilt und genossen wird, was wirklich zählt. Da College und Unterkunft beide auf dem Gelände liegen, kommt Baba während der Gebet-Zeiten rein, übernimmt die Leitung der Moral-Erziehungs-Stunde, und ergänzt den Vortragenden. Er schreibt und leitet Stücke für die Schauspiel Gruppe des Colleges.

Oft gibt er einem guten Studenten einen Klaps auf den Rücken, weist einen Dozenten (Redner), der einige Minuten nach dem Ertönen der Glocke zum Hörsaal schlendert, zurecht, erfragt von einem Faulpelz die Durchschnittsnote, die er beim monatlichen Test erreichen wird, materialisiert einen Füllfederhalter oder eine Uhr für manch fleißigen, sich gut verhaltenden Jungen, wenn sich die Beurteilung des Klassenlehrers mit der Meinung von Swami deckt; gibt dem Bibliothekar bezüglich der Aufteilung Ratschläge, wirft einen kurzen Blick in den Sektionssaal zu den angehenden Zoologen und geht im Allgemeinen umher wie die Schutz-Gottheit des Instituts.“ (Sathyam Shivam Sundaram – Part III, SSSBPT, Prashanti Nilayam, 1974, p.58).

Kasturi war zweifellos ein klarer Zeuge für alles, bei dem sich Swami in jenen Tagen einsetzte; doch von den Studenten erhalten wir ein noch detaillierteres Bild, und was für ein erstaunliches Bild das ist! Es war in jenen Tagen, bevor das gegenwärtige Trayee existierte. Zu jener Zeit gab es ein Gebäude, bekannt als der „Alte Bungalow“, das Swami als Residenz diente. Swamis Räume lagen oben. Eine der untenliegenden Räumlichkeiten, die in früheren Tagen wahrscheinlich als Garage genutzt wurde, diente als Wohnheim der Studenten! Das erlaubte den Jungen in jener Zeit eine unvorstellbare Nähe zu Swami zu erfahren, was die Studenten von heute kaum glauben können.

 

Oft kam Swami des Morgens herunter und weckte persönlich die Jungen zum Suprabhatham. Zu dem Ashram gehörten einige Kühe, die von den Jungen gemelkt wurden! Swami fragte des Öfteren nach dem Ertrag der Milch, der Gesundheit der Kühe und sofort. Die Jungen mussten dem Koch helfen, und zu ihren Pflichten gehörte auch das Zubereiten von Chapathis! Swami trat einfach ein und beobachtete die Jungen beim Rollen der Chapathis, machte sich lustig über die komischen Formen, die sie fabrizierten oder ein anderes Mal gab Er ihnen Tipps, wie man eine gute Form bekommt! Wenn alte Studenten sich jene Tage ins Gedächtnis rufen, ist ihr dominierendes Gefühl, dass sie alle wie eine große Familie miteinander lebten.

Die Arbeit wurde nicht immer spezifisch zugeteilt, jedoch wussten die Jungen instinktiv, was, wann zu tun war. Das Spektrum an Arbeit, in das die Jungen in jenen Tagen eingebunden waren, versetzt in Staunen. – das beinhaltete alles; angefangen vom Sicherheitsdienst, Wände tünchen, Bäume pflanzen und der Versorgung der Vögel sowie des Rehwilds, die in einem Zwinger, angrenzend an den Bungalow, lebten.

Swami gab den Jungen ohne Zweifel viel Freiheit, das heißt aber nicht, dass Er bezüglich Disziplin Kompromisse zuließ. Hier erzählt Dr. S. Siva Sankar Sai, jetzt ein Senior Mitglied der Fakultät für Physik und Herbergsvater des Prashanti Nilayam Studentenwohnheims, eine Begebenheit aus der Zeit, als er selbst Student war,

’Eines Tages wurde Swami sehr ärgerlich über die „Disziplin“ der Studenten. Er verkündete, dass Er abreisen würde und fuhr nach Prashanti Nilayam. Wir waren alle traurig und wussten nicht, was wir tun sollten. Der damalige Herbergsvater verdammte uns und sagte: „Wenn ihr euch so benehmt, werdet ihr die Möglichkeit, sich Gottes Nähe zu erfreuen, verlieren. Jetzt bereut, was ihr getan habt!“ Alle Jungen beteten intensiv, und die Bhajan-Stunde wurde wieder begeistert und gefühlvoll, – und sie würden wieder gesittet. Eine Woche später schrieb Swami einen äußerst schönen und liebevollen Brief, in dem Er folgendes mitteilte: „Jungens! Obwohl ich weggegangen und nun hier bin, kann ich nicht anders, als an euch denken. Ihr seid Mir alle so lieb! Obgleich ich beleidigt von dort weggegangen bin, solltet ihr nicht niedergeschlagen sein. Ich habe dies im Interesse eurer Disziplin getan. Ich wünsche, dass ihr alle (good) gute Jungen, (God’s) Gottes Jungen werdet! Das allein wird euch retten.“ Dieser Brief hat uns alle sehr berührt.

(Aus den Archiven von Radio Sai)

Kurz gesagt, während jener ruhmreichen (gloriosen) Tage in Brindavan lebten die Jungen buchstäblich mit Gott und lernten aus unzähligen Situationen, meist unbewusst. Ich werde diese lehrenden Situationen noch kommentieren, aber erst möchte ich noch ein Beispiel mit euch teilen; wie eng das Band zwischen Swami und den Studenten ist, und wie Er auf ihre Wünsche antwortet. Dieses Ereignis geschah einige Zeit nachdem das permanente Gebäude für das Brindavan College gebaut worden war – das ist der schöne Bau, der jenseits des Sportstadiums liegt und den wir heute alle bewundern können. Obgleich das College nun in einem neuen Gebäude untergebracht war, wohnten die Studenten weiter in ihrem improvisierten Wohnheim. Swami war nicht sehr glücklich darüber. Also bat Er den damaligen Col. Joga Rao, ein pensionierter Staats-Ingenieur, der in jenen Tagen alle Gebäude entwarf und bauen ließ, einen Entwurf für ein gutes Wohnheim der Brindavan Studenten zu erstellen. Joga Rao tat, wie ihm gesagt wurde und plante für das neue Wohnheim den Platz angrenzend an das neue College. Er ließ diesen frei räumen, zeichnete einen Entwurf für das Wohnheim, erhielt Swamis Genehmigung und setzte selbst einen Termin für die Grundsteinlegung fest, die selbstverständlich von Swami vollzogen werden sollte. Tags zuvor kam Swami in dem provisorischen Wohnheim vorbei und erzählte über das neu entstehende Wohnheim und lobte die wunderbaren Einrichtungen, die es haben würde, etc. Dann geschah etwas sehr Erstaunliches.

Mr. Veda Narayanan, damals Studenten und heute Lehrer in Swamis Jungen-Gymnasium erinnert sich dieser Geschichte:

 

' ‚Am Tag zuvor kam Swami in die Garage, die als Wohnheim diente, setze sich, schaute sich um und sagte, „Jungens, bald werdet ihr ein neues Wohnheim bekommen. Hier seid ihr alle eng aufeinander und habt absolut keinen Komfort. Swami ist darüber nicht glücklich. In dem neuen Wohnheim werdet ihr es sehr viel besser haben und viele Erleichterungen, die hier einfach fehlen. Morgen werde ich den Grundstein legen.“

Neben Swami stand ein kleiner Junge und hielt einen Brief in seiner Hand. Swami wendete sich dem Jungen zu und nahm den Brief. Nachdem Er den Brief gelesen hatte, sagte Er zu dem Jungen: „Soll ich diesen Brief den hier versammelten Jungens vorlesen?“ Der Junge antwortete: „Swami, wie du wünschst.“ Swami rief den Herbergsvater heran und bat ihn, den Brief vorzulesen. Der Junge hatte folgendes geschrieben,

„Swami, wir wollen kein neues Wohnheim. Das jetzige kann leicht noch weitere zweihundert Jungen aufnehmen. Wir können uns immer anpassen. Wenn wir in das neue Wohnheim gehen, werden wir weit entfernt von Swamis Mandir sein. Wir wollen einfach nicht von Swami weggehen. Wenn Swami so sehr darauf aus ist, das neue Wohnheim angrenzend an das College bauen zu lassen, dann muss Swami einen neuen Mandir genau neben dem neuen Wohnheim errichten lassen.

Dann sind wir bereit, in das neue Wohnheim umzuziehen; andererseits wollen wir hier nahe bei Swami bleiben.“ Swami war so berührt, dass Er sofort Col. Joga Rao holen ließ und ihm sagte: „Joga Rao, die Jungen sagen, sie wollen nicht weg von hier. Kann das Wohnheim gleich neben dem Mandir gebaut werden“? Joga Rao antwortete, “Swami, das ist nicht möglich, hier ist kein Platz dafür. An dem einzig verfügbaren Fleck steht ein Tank.“ Und dann geschah etwas Überwältigendes. Gerade da erklärte Swami Joga Rao, wie um den Tank herum ein Gebäude gebaut werden könnte! Und das ist die Geschichte, wie das Brindavan Studentenwohnheim dort errichtet wurde, wo es heute steht, nämlich gleich neben Swamis Mandir. Und das alles, weil ein Junge sich so feinfühlend geäußert und Swamis Herz berührt hatte.

(aus den Archiven von Radio Sai)

Und schließlich in Prashanti Nilayam auch noch eine Universität

Im Jahr 1979 ließ Swami das dritte College einrichten, diesmal in Prashanti Nilayam. Entgegengesetzt der anderen Gymnasien war dieses wesentlich eine Institution mit Hochschulabschluss. Und wieder startete der Unterricht erst in provisorischen Unterkünften, bis das eigentliche Gebäude gebaut war.

Swami verbrachte nun mehr Zeit in Prashanti Nilayam aber Seine Interaktionen mit den Jungen blieben genauso eng und rege wie bisher. Sich um die Studenten kümmern, bedeutet nicht immer, direkt mit ihnen zu sprechen. Er tat dies auf vielerlei Art, erinnert sich Mr. Venkatachalam, der viele Jahre die Mensa und andere Einrichtungen in dem Senior Studentenwohnheim in Prashanti Nilayam überwachte:

„In jenen Tagen wurden die Bhajans sehr spät gesungen, etwa gegen 11.00 Uhr vormittags. So hatte Swami Zeit um zehn Uhr zum Studentenwohnheim zu gehen. Ich war allein dort um diese Zeit, da alle Studenten zum Unterricht waren ausgenommen die Kranken. Swami kam in Seinem Wagen, und ich öffnete Ihm die Tür – das geschah alles ganz ungezwungen. Das erste, was Swami fragte: „Was gibt es zu berichten“? Sind alle zum Unterricht, oder gibt es einige Kranke“? Swami hat mich dann gebeten, Ihn zu den Kranken zu führen. Dort zog er sich einen Stuhl heran, setzte sich und begann mit den Jungen zu reden.

Es war nur eine kurze Unterhaltung, aber für die Jungen sehr schmerzlindernd, da Seine Worte immer voller Liebe waren. Swami materialisierte Vibhuti für die kranken Jungen und meinte an mich gewandt, „Gib gut acht auf die Jungen. Wenn ich zurück bin, werde ich einen Arzt beauftragen, nach den Jungen zu sehen“. Swami machte dann noch eine Inspektionsrunde in dem Speisesaal, in der Küche und selbst in den Waschräumen! Wenn der Platz nicht sauber war, wies Er mich zurecht mit den Worten: „Ihr Männer haltet alles sauber, wenn es eine Veranstaltung gibt und Swami dann kommt, aber während der restlichen Zeit? Nein, es muss zu jeder Zeit sauber gehalten werden“. Swami hat mich nie ausgeschimpft oder wurde böse mit mir. Ja, Er kritisierte mich für meine Fehltritte aber immer auf eine prickelnde Art mit viel Humor. Er war immer vertraulich und dennoch in Seiner Göttlichkeit!’

(Aus den Archiven von Radio Sai)

 


 

Die Lehrer erhielten von Swami in aller Ruhe bereichernde Lektionen. Dr. Sainath von der Abteilung Physik erinnert sich an die Zeit, als Swami oft auf dem Sportplatz erschien, um die laufenden Spiele zu beobachten. Und dies geschah einmal, als Swami ein Volleyballspiel anschaute:

„Während das Volleyballspiel im Gange war, sagte Swami an einen der Lehrer gewendet, „Siehst du dieses Spiel? Es liegt eine große Lektion darin. Siehst du den Spieler, der gerade den Ball hat? Wenn er einmal den Ball hat und bedient, werden seine Teamkameraden nichts unterlassen, eingeschlossen auf den Knien zu kriechen, sich an den Unterarmen und Ellbogen blaue Flecken zu schlagen, um sicher zu gehen, dass der Ball nicht den Boden berührt. Deine Arbeit ist etwas Ähnliches. Ich gebe den Ball, und du musst sicherstellen, dass der Ball nicht den Boden berührt. Ich versetze den Anfangs-Impuls und es ist an den Lehrern und den Senior Studenten zu gewährleisten, dass der Enthusiasmus, die Disziplin und die Lektion, die ich erteilte, niemals vernachlässigt werden. Sie müssen sie immer gleich bewahren.“

(Aus den Archiven von Radio Sai)

So kann ich mit unzähligen Begebenheiten, an die ich mich erinnere, fortfahren, wie Swami Göttliche Vertrautheit Seinen Studenten und Lehrern schenkte, indem Er ihre Charaktere auf erstaunliche Weise schliff und formte; aber ich werde nichts dergleichen tun, andernfalls würde es den Rahmen dieses gegenwärtigen Artikels sprengen. Stattdessen werde ich alles Vorherige im Kontext mit dem zweiten, bereits anfangs erwähnten, Punkt zusammenfassen.

Lernen durch das Göttliche Vorbild

Durch die Nähe und die Vertrautheit mit den Studenten und Lehrern gewährte Swami ihnen die Möglichkeit, Ihn in Aktion zu beobachten. Und was möchte Er, dass sie sehen? Er möchte, dass sie sehen, wie Er mit der Welt umgeht. Was den Umgang mit der Welt betrifft, handhabt Swami dies sehr praktisch. Ja, Er möchte, dass Studenten Gott verehren, dass sie zu Ihm beten, über Ihn meditieren und so fort. Jedoch, Swami möchte nicht, dass sie Mönche oder Einsiedler werden. Er möchte, dass Seine Studenten der Welt und der Natur auf eine praktische und doch göttliche Weise begegnen.

Nehmt die Disziplin, sie soll sich dem Zuckerbrot und Peitsche Prinzip annähern. Nehmt Spiele und Sport; sie sind für einen gesunden Körper wirklich erforderlich. Jedoch, seid vorsichtig und vermeidet Aggressionen; und gebt Acht, dass ihr keine Verletzung davon tragt. Was die Ernährung betrifft, esst gut aber in Maßen. Esst auch Eis, wenn ihr möchtet! (In der Tat Swami selbst lässt bei vielen Gelegenheiten Eis verteilen). Aber habt bei allem ein Maß. Ihr wollt zum Picknick gehen? Geht und erfreut euch an der Natur – daran ist nichts verkehrt. (So, wenn Swami nach Kodaikanal fährt, lädt Er selbst die Jungen zu einem Picknick, Spielen und Snacks ein!) Kurz oder lang: „Lebt in dieser Welt und versucht nicht, vor ihr davon zu laufen. Führt ein bewusstes Leben, aber seht Gott ständig und überall“. Swami erzählt uns, dass ist genau das, was Kaiser Janaka tat; und heute lehrt Er uns still die ganze Zeit die gleiche Lektion.

 

Das ist ja alles ganz schön, aber funktioniert das wirklich? Färbt es auf die Studenten ab und wie verhalten sie sich, wenn sie hinaus in die Welt gehen? Ich könnte Kapitel und Verse darüber schreiben und muss mich selbst zurückhalten, nur ein Beispiel zu nennen, ein kraftvolles Beispiel möchte ich hinzufügen, dass von Sanjay Sahni, heute Leiter des Brindavan Universitätsgeländes, an die Öffentlichkeit gebracht wurde. Dies ist, was Sanjay während einer Diskussionsrunde zur Zeit des Sommerkurses 2002 sagte. Das Ganze handelt von einem Sai Studenten, der in einen Aufstand verwickelt wurde, der in der Stadt tobte, und wie er Swamis Lehren in einer Krisenstunde in die Praxis umsetzte:

Guter Charakter zeigt sich in der Krise

Dieser junge Mensch hielt sich gerade in Ahmedabad auf, als der Aufstand ausbrach. Zu seinem äußersten Entsetzen, musste er feststellen, dass Menschen, die er seit Jahren kannte, seine Freunde, seine Nachbarn, die er gewohnt war, mit Onkel anzureden, Menschen die wohlhabend waren, Menschen die sehr gebildet waren, alle diese Menschen ihre Häuser verließen und sich dem Mob anschlossen.

Der Mob befand sich in Raserei und in einem Amoklauf. Der junge Mann fragte sich: „Was soll ich tun? Was ist meine Pflicht? Was ist mein Dharma in dieser besonderen Situation?“ Nachdem er eine Weile nachgedacht hatte, beschloss er, sich nicht dem Mob anzuschließen; wenn er es täte, würde er selbst verrückt werden. Er sagte zu sich selbst, „Das wenigste, was ich tun kann, ist, mich nicht dem Mob anzuschließen; wenn ich schon nicht helfen kann, dann lass mich wenigstens niemandem schaden.“ Das ist das erste Dienstprinzip.

Sein nächster Gedanke war: „Ich kann den Mob nicht anhalten; ich kann dieses wütende Feuer nicht besänftigen. Aber da draußen sind Menschen, die ich kenne. Wenn ich zu ihnen spreche, kann ich vielleicht wenigsten einige von ihnen überzeugen, sich nicht an der Brandstiftung zu beteiligen.“ Er redete mit einigen und konnte sie erfolgreich davon abhalten, nicht dem Mob zu folgen. Verhindern, dass Leute etwas Schlechtes tun, ist auch Dienst.

Zum Schluss fragte er sich selbst: „Dort sind so viele Menschen von dem Aufstand angesteckt. Kann ich ihnen irgendwie helfen, möglicherweise wenn ich mit ihnen rede und sie tröste?“ Und er tat genau das. Das war eine positive Handlung, und es kostete keinen Pfennig.

 

 

Wie und womit kann man noch besser bezeugen, welch tiefen Einfluss Bhagavan Baba auf Seine Studenten hat. Ich hatte das Privileg, mir viele Universitäten in der ganzen Welt anschauen zu dürfen, aber ich kann aufrichtig zugeben, dass mir kein Institut wie das von Swami begegnet ist. Je mehr ich mich damit vertraut mache, desto mehr bin ich fasziniert. Offiziell ist Swami der Kanzler des Instituts . In der Praxis, ist Er alles anderes als offizieller Kanzler. Studenten verehren Ihn als Vater, Mutter, Lehrer, Freund, Philosoph, Führer, etc. Zweifellos spielt Er alle diese Rollen. Aber – in Wahrheit - wie Ihn Dr. Gokak einmal so passend beschrieb: „Swami führt sie alle, still, als der wahrhaftige Kanzler des Universums.“

Ja, Swami hat mit Ruhe gelehrt, dass der Atman nichts Nebulöses ist. Und man kann sich mit dem überall gegenwärtigen Atman, der in allen Unterschiedlichkeiten der Schöpfung wohnt, ohne jegliches Hokuspokus, an den guten Dingen des Lebens erfreuen und soweit wie möglich helfen, freundlich und mitfühlend sein. Das Einzigartige an dem Institut ist, dass es im Wesentlichen nur Einen Lehrer gibt, und das ist Swami; obwohl es viele Einrichtungen, Abteilungen und Lehrer gibt.

Ehrlich gesagt, das Institut ist ein modernes Gurukulam, in dem Swami die Rolle des Guru spielt. Die Studenten leben mit dem Guru und lernen fortwährend von Ihm. Nur, dieser Guru ist kein gewöhnlicher Guru, sondern der Guru der Gurus, und das ist Gott. Das ist das, was das Institut, wenigstens für mich, zum größten Wunder der Welt macht.

Jai Sai Ram!

Engl.Original Titel vom Juni 2007


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