August 2007 - Jahrgang 1 - 8. Ausgabe

 

 

Erleuchtete Führung

Ein Thema des Herzens, des Verstandes und der Seele

Prof. Peter Pruzan und Journalistin Kirsten Mikkelsen

„Dienst ist Liebe in Aktion und Liebe ist Selbstlosigkeit.“ Baba

Eine internationale Führungsautorität zögerte keinen Augenblick mit der Antwort, als wir sie über Sinn und Zweck von kommerzieller Organisation interviewten: „Der Zweck ist, die menschlichen Bedürfnisse der Menschen zu erfüllen. Punkt!“ Er fügte hinzu: „Führungskräfte mit spiritueller Grundhaltung respektieren andere. Sie werden von dem ethischen Grundsatz geleitet: Dienst am Nächsten kommt vor dem Dienst an sich selbst. Individuen und Organisationen wachsen daran, wenn sie sich für andere einsetzen, und die Beziehungen verbessern sich, wenn der Fokus auf dem Dienst an anderen liegt.“

Das ist genau das, was Baba nicht nur als die Rolle der Führungskräfte, sondern für jeden von uns gesagt hat mit den unvergesslichen Worten: „Love all – Serve all“ (Liebe alle – diene allen).

Derartige Perspektiven in der Führungsaufgabe sind noch nicht die Norm; aber wenn ihr eure Augen offen haltet, könnt ihre eine zunehmende Anzahl inspirierter und mitfühlender Führungskräfte entdecken, die eine bewusst spirituelle Lebensansicht vertreten und ihre Geschäfte auf dieser Basis leiten. Wir wissen, dass dies eine Tatsache ist, denn wir haben seit den letzten fünf Jahren zusammen mit zwei Forscher Kollegen und in Verbindung mit einem internationalen Forschungsprojekt Menschen in führenden Positionen um den Globus herum interviewt – von Nord- bis Südamerika, Afrika, Asien, Australien und Europa. Alle sind „Top Manager“, wie leitende Beamte, Vorsitzende, Vorstands-Vize-Präsidenten, etc. In diesem Artikel machen wir Sie mit Führungskräften bekannt, die alle durch die Lehren von Bhagavan Baba inspiriert sind.

Die Interviewten kommen aus einer großen Vielfalt religiöser Hintergründe: Hinduismus, Buddhismus, Christentum, Judaismus und Islam; doch ihre spirituelle Sicht mag oder mag nicht mit einer organisierten Religion verbunden sein. Einige von ihnen sind Devotees von Baba, die meisten von ihnen nicht. Indem sie über die Grenzen der Nation, der Kultur und der Tradition hinaus gewachsen sind, haben alle eins gemeinsam: eine tiefe Erkenntnis von dem, was wirklich wichtig im Leben ist und eine Bereitschaft, diese Erkenntnis und Sensibilität in ihre Führungsposition zu integrieren. Sie suchen nach der Bedeutung, der Absicht und der Erfüllung in der äußeren Geschäftswelt, wie in ihrer inneren Welt des Bewusstseins. Ihre äußeren Handlungen und ihre inneren Reflektionen unterstützen sich gegenseitig – so dass Spiritualität und Rationalität Hand in Hand gehen, anstatt miteinander zu konkurrieren.

Die Verwaltungseinrichtung der Sri Sathya Sai Universität in Prashanti Nilayam

Wir haben herausgefunden, dass Spiritualität lebendig und gut in der Geschäftswelt ist, wenn auch auf eine subtile und oft stillschweigende Art; noch ist sie nicht Bestandteil es üblichen täglichen Sprachgebrauchs dieser Welt, selten wird sie explizit in korporativer Selbstdarstellung, Firmenethos, Praktiken, in PR und Berichterstattung ausgesprochen; sie wird nur einer kleinen Minderheit in der Welt als MBA-Lehrstoff vermittelt, bedeutend darunter ist die Sri Sathya Sai Universität in Prashanti Nilayam.

Viele Geschäftsführer werden „workaholics“, die sich danach sehnen, ganze und integrierte menschliche Wesen zu sein. Sie streben Integrität im Leben an mit dem Ziel, ihre Gedanken, ihre Werte, ihre Worte und ihre Taten in Harmonie zu bringen. Ihr Problem ist, dass sie nicht wissen, wie man das in der Welt des Business, die sich zunehmend durch Komplexität, Turbulenzen und Gier charakterisiert, anwenden kann

Aus einer spirituellen Grundhaltung heraus ein Unternehmen zu leiten, heißt diese Aufgabe mit Herz, Verstand und Seele auszuführen. Unsere Nachforschungen haben ergeben, dass Führungskräfte in allen Sparten, nicht nur im Business, sondern auch in der Regierung, in öffentlicher, wie privater Administration, in Krankenhäuser, Nicht-Regierungs-Organisationen etc. Erfolg, Anerkennung, Frieden im Geist und Glück erreichen können und gleichzeitig den Bedürfnissen derer, die ihnen unterstellt sind, gerecht werden; vorausgesetzt sie leiten mit Weisheit und von einer spirituellen Basis her. Die Frage ist jedoch, wie sie das handhaben?

Ihr werdet einen Eindruck gewinnen, wenn ihr jetzt zehn nüchternen, spirituell gegründeten Führungskräften und Leuten in leitenden Positionen begegnet, die ihre Erfahrungen mit euch teilen. Alle inspiriert von Bhagavan Babas Lehren, demonstrieren sie eindeutig, wie diese Lehren sowohl in den Sitzungssälen der turbulenten Business-Welt, als auch in der Stille eines Meditationsraumes Anwendung finden.

Ihr trefft auf G. Narayana, Vorstands-Vorsitzender von Excel Industries, Indien; Francisco Roberto Canada, Direktor und Partner von Errepar S.A., Argentinien; Amber Chand, Mitgründer und Vize Präsident von Vision in Eziba, USA; John Behner, ehemaliger Manager von Nabisco, zuständig für das Land El Salvador; Parantha Narendran, Strategie-Direktor von Eurotel Telecom in Tschechien; Rajan Govindan, ehemaliger Senior Manager Direktor des Bankers Trust, USA; V.V. Ranganathan, Senior Partner von Ernst & Young in Indien; Alvaro Vruz, Eigentümer und Vorsitzender von I.C.M. Ingenieros Ltda., Kolumbien; James Sinclair, Vorstand von Tan Range Exploration, Ltd., USA/Tanzania; und Ananth Raman, Vorstand von Graphtex, Inc., USA.

Zuerst jedoch trefft ihr auf den Raketenforscher und Wissenschaftler, den ehrwürdigen Präsidenten Indiens, Dr. A.P.J. Abdul Kalam, den wir in dem majestätischen indischen „Weißen Haus“, Rashtrapati Bhavan in New Delhi interviewten. Präsident Kalam ist ein leuchtendes Vorbild spirituell ausgerichteter Führungskraft jenseits des Business. Er zeigt, dass man eine spirituell gegründete Führungskraft sein kann, ganz gleich, welche Art von Organisation man leitet.

Besiegt eure Probleme und seid erfolgreich

Die Passion des Präsidenten Kalam – das Denken mit glorreichen Träumen entzünden

Die Geschichte des 11. Präsidenten Indiens ist wirklich inspirierend, vor allem in der heutigen Zeit, die von religiöser Zwietracht, sowie Spannungen zwischen wissenschaftlicher und humanitärer Weltsicht charakterisiert ist. Dr. Kalam ist Muslim in einer überwiegend hinduistischen Gesellschaft. Er ist Raketenwissenschaftler mit einer tiefen spirituellen Botschaft. Im Verlauf seiner Karriere hatte er hohe verantwortliche Führungspositionen auf technischer wie auf wissenschaftlicher Ebene inne. Jedoch während diese Systeme unter seiner Führung standen, konnten seine erworbenen Erfahrungen nicht an seinem spirituellen Fundament rütteln, ganz im Gegenteil. Er erzählte uns: „Der Pfad der Wissenschaft kann sich immer durch unser Herz winden. Für mich ist Wissenschaft immer der Weg zu spiritueller Bereicherung und Selbstverwirklichung gewesen.“

Was uns den Impuls gab, ihn für ein Interview zu gewinnen, war dieses ungewöhnliche Zitat in Dr. Abdul Kalams Buch „Wings of fire“ (Feuerflügel):

„Jede individuelle Kreatur auf diesem wunderschönen Planeten ist von Gott geschaffen, um eine besondere Rolle zu erfüllen. Was immer ich im Leben erreicht habe, ist durch Seine Hilfe geschehen und ein Ausdruck Seines Willens. Seine Gnade ließ Er mir durch einige herausragende Lehrer und Kollegen zuteil werden; wenn ich diesen feinen Menschen Dankbarkeit entgegen bringe, preise ich Seine Glorie. All diese Raketen sind Sein Werk, durchgeführt mittels einer kleinen Person mit Namen Kalam, um einigen Millionen Menschen in Indien das Gefühl zu geben, sich nie klein oder hilflos zu fühlen. Wir alle sind mit einem göttlichen Feuer in uns geboren. Unsere Anstrengung besteht darin, diesem Feuer Flügel zu verleihen und die Welt mit dem Glühen seiner Güte zu füllen.“

Indien hat außer einer breiten Mehrheit von Hindus auch die zweitgrößte muslimische Bevölkerung weltweit; eine Minderheit an Christen; Buddhisten, Jains, Sikhs, Parsen und Juden. Präsident Kalam ist der inspirierende Regierungsführer dieser erstaunlichen, heterogenen, multi-religiösen, multi-kulturellen, mehrsprachigen demokratischen Nation – die weltgrößte Demokratie.

„Wahrhaftige Göttlichkeit ist eine Kombination von Spiritualität und sozialer Verpflichtung.“

(Convocation Adress 2001)

Als wir Dr.Kalam über die Verbindung zwischen Religion und Spiritualität innerhalb einer derart komplexen Gesellschaft befragten, vermittelte er uns klar und präzise:

„Wenn Religion sich in eine spirituelle Kraft transformiert, werden die Menschen erleuchtete Bürger mit einem Wertesystem. Deshalb ist es äußerst wichtig, dass wir für das Glück, den Frieden und den Erfolg der Menschheit unsere religiöse Kraft in spirituelle Kraft transformieren.“

Präsident Kalams Passion ist, Kontakt mit jungen Menschen in ganz Indien aufzunehmen und mit ihnen zu reden; sie mit seiner Vision über die Zukunft Indiens und über die Rolle der Werte und der Spiritualität zu inspirieren. In der Tat hielt er am 22. November 2006 vor den Studenten, den Lehrkräften und den Gasthörern der Sri Sathya Sai Universität eine Ansprache mit den Worten:

„Ich fühle mich wirklich geehrt, die Ansprache der 25. Versammlung in der Gegenwart Sri Sathya Sai Babas in diesem göttlichen Umfeld halten zu dürfen. Meine Verehrung an Baba und meine Begrüßung an Vize Kanzler Dr.A.V. Gokak, an die Professoren, an die Mitglieder des Lehrkörpers und des Personals, die Verantwortung trugen - nicht nur für die Bildung der angehenden Akademiker und deren Charakter, sondern auch für ein von dem kulturellen Erbe unserer Zivilisation übernommenes Wertesystem. An dieser Stelle möchte ich eine Botschaft von Baba wiedergeben: ‚Die Leute heutzutage denken, dass Spiritualität keine Beziehung zum modernen Leben hat und umgekehrt. Das ist ein großer Irrtum. Wahre Göttlichkeit ist eine Kombination von Spiritualität und sozialen Verpflichtungen. Nationale Einheit und soziale Harmonie gründen in der Spiritualität. Es ist das Göttliche, das Spiritualität und soziale Existenz vereinigt.“

Dieser aktive und optimistische Führer, von mehr als einer Milliarde Menschen, erzählte uns:

„In meinem Leben habe ich gelernt, dass, wenn du gar nichts tust, du auch keinen Problemen begegnest. Doch wenn du etwas tust, sind sofort Kräfte da, die dich davon abbringen wollen. Probleme sollten nicht über dich herrschen. Du musst der Meister über die Probleme werden. Gott gibt uns die Möglichkeit, durch Probleme zu wachsen. Du musst dich auf das konzentrieren, was getan werden kann, nicht was du denkst, was nicht getan werden kann. Wenn ich könnte, würde ich das Wort ‚unmöglich’ aus dem Wörterbuch streichen. Besiege deine Probleme und sei erfolgreich.“

Am Morgen des 23. November 2006. Der Präsident verbrachte jede kostbare Sekunde mit Baba.

 

Inspiriert von den wenigen Minuten, die er in Seiner Gegenwart weilte, brachte der Präsident ein wunderschönes Gedicht hervor…

Als wir ihn dann nach dem Kern des geschäftlicher Kompetenz fragten, antwortete Präsident Kalam poetisch:

„Die wichtigste Sache ist Rechtes Handel (dharma). Wo im Herzen Rechtes Handeln ist, da ist Schönheit im Charakter. Wo Schönheit im Charakter ist, da ist Harmonie im Heim. Wo Harmonie im Heim ist, da ist Ordnung in der Nation. Wo Ordnung in der Nation ist, da ist Frieden in der Welt. Erkennt ihr diese schöne Verbindung untereinander? Heutzutage stellt sich uns allen die Frage, wie bekommen wir Rechtschaffenheit in die Herzen der Menschen?“

Ein Geschäftsführer, der seit Jahren seinen Fokus auf Rechtschaffenheit im Herzen hält, ist G. Narayana, der liebevoll und respektvoll auch ‚Guruji’ von denen genannt wird, die er mit seinen Worten der Weisheit und seinem herzlichen und großzügigen Verhalten inspiriert. Wie ihr jedoch jetzt erfahren werdet, bedurfte es einer Krise, um ihn für die Schönheit seines Charakters zu erwecken.

Das Wunder der Bhagavad Gita

Zur Zeit des Interviews war G. Narayana Vorstandsvorsitzender von Excel Industrie, Pvt. Ltd. in Indien. Excel ist ein hoch respektierter Hersteller von Agrarchemikalien, Industriechemikalien und Pestiziden. In den letzten Jahren erhielt diese Gesellschaft besondere Anerkennung, was auf die Entwicklung umweltfreundlicher Biopestizide und einer soliden Müll-Verwertung, sowie auf ihre spirituell gegründete Leitung zurückzuführen ist.

Mein Konzept im Geschäft ist: Harmonie in Ethik, in Energie, Exzellenz, Ökonomie und Ökologie mit Effektivität und Effizienz; wenn dies angewendet wird, führt es zur Erleuchtung.“

(G. Narayana als Vorsitzender von Excel Industries)

G. Narayana erzählte, wie er als junger Mann, nachdem er erfolgreich eine Anzahl von Firmen geführt hatte, eine Computer Service Gesellschaft, mit Namen Prism, gründete, die sich auf Informationssysteme spezialisierte. „In der Prism schafften wir einen Festplatten-Computer an. Ich investierte all meine Ersparnisse in Prism, und meine Freunde investierten 50% des Kapitals. Innerhalb von sechs Monaten nach dem Kauf des Computers, kamen die Personalcomputer (PCs) auf den Markt. PCs waren preiswerter in der Anschaffung und hatten viel mehr Funktionen. Unser veraltetes System konnte mit den PCs nicht mithalten, und die Leute, die wir angelernt hatten, wurden von den vielen Möglichkeiten außerhalb aufgrund des IT Booms angezogen. Das Resultat war, dass die Leute Prism verließen. Prism musste noch ein beachtliches Darlehen zurückzahlen, und genau an dieser Stelle begann mein Ego zu schmelzen. Ich erkannte, dass es nicht meine Stärke gewesen war, die die Arbeit in Voltas und New India (Gesellschaften, die er ehemals leitete) erfolgreich machten, sondern es war die Stärke dieser Organisationen.“

In Furcht, Zweifel und Konfusion kehrte er zu seinem Geburtsdorf zurück. „Die Situation bei Prism wurde so kritisch, dass Suizid einer meiner Alternativen wurde“, sagte er. „Aber es war nicht korrekt, diese Alternative in Betracht zu ziehen, denn unsere Kinder waren noch sehr jung. Eines Tages gingen wir zum Godavari River (Fluss), und dort in der Nähe stand ein alter Tempel. Während meine Frau und ich, mein Cousin und seine Frau uns im Wasser des Godavari Rivers erfrischten, fragte ich meinen Cousin, ob wir zu dem Tempel gehen und ein Andenken der alten Ruinen mitnehmen könnten. „Warte! Irgendetwas berührt mich unter Wasser!“ sagte er und reichte hinunter. Er brachte zwei Shivalingams (elliptische Steine, die den Kosmos darstellen und die in der Form von Lord Shiva in der Hindu Religion angebetet werden) hervor, die auf einem gemeinsamen Sockel befestigt waren. Er überreichte sie mir. Die zwei Lingams stellten Kaleshwar (Tod) und Mukteshwar (Befreiung) dar. Die Botschaft war klar. Befreiung von meiner todesähnlichen Situation war in Sicht! Meine Gedanken in diesem Moment: Das war ein phantastischer Tag.“

„Am Nachmittag besuchte ich mit meiner Frau Sujana ihre Eltern zuhause, wo mein Schwager in einem Buch las. Ich fragte ‚Was ist das für ein Buch?’ Er zeigte es mir, es war die Gita Makarandam, ein Kommentar über die Bhagavad Gita. Bis dahin hatte ich nicht einmal die ersten drei Abschnitte (Verse) der Gita gelesen und Sanskrit konnte ich auch nicht. Ich dachte immer ‚Was nützt die Gita, wenn einer 14 Stunden am Tag arbeitet? In 18 Kapiteln lehrt die Gita Karma Yoga (die spirituelle Praxis selbstloser Arbeit, und das ist das, was ich schon tue!’ Ich war schon dabei, das Buch meinem Schwager zurückzugeben, als ich mich an das gute Omen der Shivalingams am Morgen erinnerte. Ich dachte, dieses Buch, die Gita, sei ein weiterer Segen, und ich sollte diese Gelegenheit nicht verpassen. Ich öffnete das Buch aufs Geratewohl und es erschien der folgende Vers. Narayana gibt auswendig wieder:

Wer immer mit voller Hingabe arbeitet und alles mir darbringt, wer ohne Kompromisse arbeitet, den will ich aus dem Fluss des Todes retten und ihn ans Ufer bringen.“

„Das war die beste Garantie, die ich jemals gehört habe“, rief er aus.

Narayana nahm das Buch mit nach Hause und studierte die Gita 18 Tage lang. „Jetzt hatte ich die Gita begriffen. Da der Guru nicht persönlich zu mir kam, sondern nur das Buch mit seinen Kommentaren über die Gita, nahm ich es mit nach Baroda, wo ich lebte. Der Autor war ein sehr respektierter Swami, so dachte ich an ihn als meinen Lehrer und praktizierte 18 Tage lang das Studium der Gita als spirituelle Übung. Was ich dann tat, nenne ich jetzt ‚Gita Yoga’. Jeden Tag las ich ein Kapitel, aß nur einmal am Tag, vermied völlig Alkohol und nicht-vegetarisches Essen (was ich sowieso nicht zu mir nahm) und Tabak. Ich blieb in der Stille, während ich die Gita studierte und ich unterstrich, was immer wunderbar schien, obwohl alles in der Gita wunderbar scheint! Auch übte ich Enthaltsamkeit während der ganzen 18 Tage.“

„Es war eine phantastische Erfahrung. Am Ende der 18 Tage stand ich auf, und die Welt stand mit mir auf. Ich kehrte zur Bank zurück und versicherte, dass ich jede Rupie des Darlehens zurückzahlen würde. Meinen Partnern sagte ich, dass sie ihre Investition zurückbekämen. In jenen 18 Tagen floss ein neues Verständnis in meine Gedanken und mein Bewusstsein ein. Meine Furcht war verschwunden. Meine Verfassung hatte sich geändert. Dann praktizierte ich Vipassana Yoga (eine besondere Art verlängerter Meditation), was mir half, meine Qualitäten weiter zu entwickeln“.

Als ich mit diesem neuen Geist in die Verantwortung ging, ereigneten sich Dinge, die meine Situation umkehrten. Mit dem neuen Vertrauen und Bewusstsein tauchten Lösungen auf, und Probleme lösten sich auf. Dann kamen Gesellschaften auf mich zu und ich wurde Management- und Krisen-Berater.

„1985 begriff ich den Gita Yoga, und alles andere floss daraus hervor. Vor 1985 waren meine Frau und ich Feinde. Meine Kinder gaben mir keine Geburtstagskarte; sie gaben meiner Frau, aber nicht mir. Nach 1985 veränderte sich alles mit meiner Familie, es war die Veränderung in mir, nicht in ihnen. Jetzt haben wir eine wundervolle Beziehung.“

G. Narayana mit seinem Vorbild in Puttaparthi.

Heute durchflutet Spiritualität G. Narayanas gesamtes Wesen. Er sagt: „Spiritualität ist, das Göttliche in anderen und sich selbst zu erfahren. Spiritualität ist inspirierte Verantwortung anderen Menschen, anderen Lebwesen und der Welt gegenüber…und in jedem Aspekt das Göttliche sehen und sich darauf beziehen. Verantwortlich sein, heißt Göttlich sein. Die Veredelung des Selbst plus Dienst an der Welt ist gleich Spiritualität.“

„Sich allem bewusst sein, innen und außen, die Herzen anderer durch Liebe erreichen und ein Vorbild werden… Göttlichkeit ist, die Herzen erreichen. Jesus ist diese Art von Vorbild, ebenso Buddha und jetzt Sai Baba. Sie verletzten nie, sie haben soviel für die Gesellschaft, die Menschheit getan. Sie haben unsere Herzen erreicht. Das ist das, wonach ich in meinem eigenen Leben und in meiner Rolle als Führungskraft strebe.“

Das Leben hat Naryana gelehrt, dass der Mensch das sein kann, was er zu sein wählt. Nach ihm bedeutet diese Freiheit zu wählen, dass sich die Tür zu einem immensen Potential, das in einem jeden von uns ist, öffnet. „Die erste Maßeinheit des Erfolgs ist die Zufriedenheit aller Teilhaber. Die Kunden müssen zufrieden sein, die Lieferanten müssen zufrieden sein, Angestellte müssen zufrieden sein, alle müssen zufrieden sein. Die Gita sagt: „Wenn du gute Arbeit verrichtest, wirst du Belohnung erhalten, so sorge dich nicht darum.“ Wenn du die Belohnung im Auge hast, wird die Arbeit nicht mit der entsprechenden Einstellung getan werden. Du musst hervorragende Arbeit leisten und dich nicht um deine individuelle Belohnung sorgen.“ In diesem Zusammenhang sagt Narayana, dass seine spirituelle Absicht die ist, vermehrten Wert an die Welt zurückzugeben; ein Wesen der Liebe zu sein; Beitrag zu leisten, sich anzustrengen, über sich hinauszuwachsen und andere darin zu unterstützen, sich selbst zu übertreffen.“

„Wann immer jemand zu mir kommt, bei jeder Transaktion werte ich aus: „Ist er, wenn er mein Büro verlässt klein oder groß geworden?“ Ich prüfe das: Wenn er klein geworden ist,

werde ich ihn nicht gehen lassen; ich biete ihm an, Platz zu nehmen. Nur wenn er groß geworden ist, kann er gehen. Und wenn ich mit ihm acht Stunden lang kämpfe, aber ich lasse nicht locker, bis er zufrieden ist. Nur einen zufriedenen Mensch lasse ich gehen. Und jeder kann sehen, ob der Mensch zufrieden ist oder nicht.“

Während G. Narayana ein lebhafter, weltoffener, immer aktiver spirituell gegründeter Führer ist, ist die folgende Person gerade das Gegenteil; er ist ruhig, introvertiert und kontemplativ; er selbst sieht sich als ‚ein Mann der Stille’. Doch trotz der Tatsache, dass er nie eine Führungskraft werden wollte, ist er heute ein moderner karmayogi (Yogi der Tat), unter dessen Leitung vier Gesellschaften in Argentinien stehen.

Der wahre Wert des Business

Francisco Roberto Canada ist Direktor und Partner bei Errepar S.A. in Buenos Aires, dem größten argentinischen Verleger von Büchern und Material für Buchführung. Zusätzlich war er in früheren Jahren auch Direktor und Partner in drei anderen Verlags- und Manufaktur-Gesellschaften. Seine beiden Partner bei Errepar S.A. sind von allen dreien Mitbesitzer.

„Mein ganzes Leben habe ich die materielle Welt abgelehnt und bin doch ein großer Geschäftsmann geworden. Ich werde in meiner Arbeit geführt, so dass es mir möglich ist, in der materiellen Welt zu leben und Arbeit und Geschäft mit spirituellem Wachsen zu verbinden.“

(Francisco Roberto Canada, Direktor und Partner bei Errepar S.A., Argentinien)

Seine ganze Karriere scheint ein Ausdruck seiner Liebe und seiner Suche nach echter
Zufriedenheit zu sein, was er mit Spiritualität gleichsetzt. Wie er uns erzählte: „Meine spirituellen Prinzipien und Werte können in einem Wort zusammengefasst werden: LIEBE.“ Beständig hat er versucht, die spirituelle und materielle Dimension des Lebens zu vereinen. Als Ausdruck dieser Liebe und obwohl er Zeiten ernster Krankheit durchstehen musste, hat er in seiner Führungsposition es als seine Verantwortung betrachtet, andere darin zu unterstützen, ihre eigene wahre Erfüllung zu finden. Er erzählte uns: „Das Businesskonzept, mit dem wir arbeiten, unser Ziel, ist, Menschen ihr inneres Potential bewusst zu machen, sie zu unterstützen, dieses Potential hervorzubringen und immer nach Exzellenz zu streben. Exzellenz ist der Ausdruck Gottes in der Welt. Das sollte generell auch das Ziel der kommerziellen Welt (business) sein.“

Francisco Roberto Canada wurde seit seiner Kindheit stark von dem vorherrschenden Katholizismus in Südamerika beeinflusst. Er praktiziert seinen katholischen Glauben noch und findet jetzt auch spirituelle Erbauung, sowohl in seinem privaten wie beruflichen Leben, in den Lehren über religiöse Toleranz und der zugrunde liegenden Einheit aller Religionen, wie Sai Baba sie lehrt, den er in Indien besucht hat. Er zitierte Swami: „Es gibt nur eine Religion, die Religion der Liebe. Wenn du ein Christ bist, geh nach Hause und sei ein besserer Christ; wenn du ein Hindu bist, geh nach Hause und sei ein besserer Hindu; wenn du ein Moslem bist, geh nach Hause und sei ein besserer Moslem; wenn du ein Buddhist bist, geh nach Hause und sei ein besserer Buddhist.“

„Es war für mich nicht immer einfach, ein Geschäftsmann zu sein, da ich ein Mensch der Stille bin. Mein ganzes Leben habe ich die materielle Welt abgelehnt und bin doch ein großer Unternehmer geworden. Es ist nicht leicht für mich, das Oberhaupt von vier Gesellschaften zu sein und die Funktion eines Mitgliedes im Aufsichtsrat auszuüben. Es ist schwer, es ist ein Problem; und es ist nicht meine Natur. Doch ich werde in meiner Arbeit geführt, so dass es mir möglich ist, in der materiellen Welt zu leben und die Arbeit und den Beruf mit spirituellem Wachstum zu kombinieren. Bei manchen Gelegenheiten wollte ich mich selbst klein machen. Ich pflegte zu denken, dass Expansion (Ausdehnung) eine Sünde sei, sowohl was die geschäftliche Aktivität, als auch was den Status betrifft. Aber dann erinnerte ich mich an Sathya Sai Babas Worte, dass Expansion keine Sünde ist, sondern: „Expansion ist Gott“.

Drei Themen tauchten immer wieder während unseres Interviews mit Francisco Roberto Canada auf: „Arbeit hart“, „tu deine Pflicht mit Liebe und Sorgfalt“ und „liebe Gott.“ Er sagt zum Beispiel: „Ich bete, dass alle Menschen ihre Pflicht mit Liebe und Sorgfalt tun können. Daher strenge ich mich in meiner Position an, dass alle unsere Gesellschaften gute Geschäfte machen, gute Arbeit verrichten und gute Produkte herstellen, mit Gott als Vorbild und ohne Seine Gesetze zu brechen.“

„Am Anfang war die Arbeit eine Last für meine Spiritualität. Aber in den letzten zehn Jahren erkannte ich, dass Zufriedenheit im Leben heißt, alle Arbeit für Gott zu tun, an Gottes Schöpfung teilzuhaben, und die Früchte meiner Handlungen, meine Produkte, Gott zu überlassen. Indem ich dieser Einsicht folge, hoffe ich, dass meine Produkte auf irgendeinem Weg Menschen zu Ihm führen.“

Francisco Roberto Canada spricht über den Einfluss, den Sathya Sai Baba auf seine Partner und ihr Geschäft gehabt hat. „Alle drei Eigentümer; die auch die drei Vorstandsmitglieder sind, haben denselben spirituellen Lehrer. Ich nahm in der Tat Sathya Sai Baba als meinen Lehrer an, als einer der Partner, der der Haupteigentümer ist, mich mit Seinen Lehren bekannt machte. Zu jener Zeit besuchte dieser Partner Ihn in Indien und übergab Ihm symbolisch mit einem Brief von uns dreien die Gesellschaft. Danach erkannten wir, in welcher Richtung es weitergehen sollte

Lernen mit spirituellen Werten am Arbeitsplatz zu leuchten

„Wie alle schwierigen Dinge wird auch ein Unternehmen zu führen mit der Zeit einfacher. Vor sieben Jahren entwickelten wir einige Handlungs-Prinzipien in unserer Firma. Wir begannen wöchentlich Versammlungen abzuhalten, in denen wir über das Thema „Führungskraft im Einklang mit den Lehren Sai Babas“ diskutierten. Wir hatten darüber in einem Management-Buch „Sai Baba’s Mahavakya on Business“ gelesen (geschrieben von einem pensionierten General der indischen Armee, Dr. M.L. Chibber). In diesen Versammlungen besprachen wir uns, wie wir mit spirituellen Prinzipien unser Unternehmen fördern können.

„Als die Gesellschaft drei stürmische Jahre durch harte Zeiten gehen musste, hörten die wöchentlichen Versammlungen plötzlich auf. Dann brachen die schwierigen Zeiten an, als die Gesellschaft in vier Unternehmen aufgeteilt wurde; jedes davon mit einem eigens neu eingestellten Hauptgeschäftsführer und jedes mit den drei Partnern im Aufsichtsrat. Vor kurzem haben wir die wöchentlichen Versammlungen, jedoch verändert, wieder aufgenommen. Nun werden die Versammlungen in jeder Gesellschaft und auf unterschiedlichen Ebenen von Trainern abgehalten – mit den Manager, dem mittleren Management und den Angestellten. Diese Trainer sind ausgebildet in „Menschliche Werte am Arbeitsplatz“. Die ersten Ergebnisse dieser Versammlungen sind wunderbar.

„Sprechen wir darüber, wie die Lehren und Prinzipien spiritueller Führung am Arbeitsplatz und in unserem täglichen Leben angewendet werden können. In diesen wöchentlichen Versammlungen, setzen wir den Fokus auf Prinzipien, die auf den menschlichen Werten wie Wahrheit, Rechtes Handeln, Liebe, Frieden und Gewaltlosigkeit beruhen – nicht auf der Religion. Wir nehmen Beispiele von allen Religionen, doch jeder Mensch hat seinen eigenen spirituellen Weg. Die Angestellten akzeptieren das auf wundervolle Weise.“

„Aber nicht jeder findet das Arbeiten mit uns so schön. Es kommt vor, dass ein Angestellter mit der Gesellschaft nicht gut klar kommt. Sie finden, dass mit dem familiären Geist und der spirituellen Orientierung, die unsere Art der Geschäftspolitik bestimmt, eine andere Schwingung herrscht, als sie es gewohnt sind, und sie verlassen die Firma.“

„Wir arbeiten daran, die Prinzipien der menschlichen Werte, die so wichtig für unseren spirituellen Weg sind, in den Büchern, die wir für die Grund- und Mittel-Schule verlegen, einzubringen. Unser Auswertungs-Komitee arbeitet daran, sie nehmen Kontakt zu unseren Autoren auf und versuchen, dass die menschlichen Werte in unseren Büchern integriert werden – und nicht nur in den Büchern über soziale Angelegenheiten, sondern auch in Büchern über Mathematik, Biologie oder Geschichte. In allen unseren Veröffentlichungen möchten wir Produkte herstellen, die aufgrund ihrer hohen Qualität anerkannt sind. Unser Ziel ist höchste Qualität in allem, was wir tun.“

„Es kam vor, dass wir die Verlegung eines Buches, wenn es nicht mit unseren Prinzipien übereinstimmte, ablehnen mussten, selbst wenn das Buch offensichtlich gut verkauft worden wäre und somit der Gesellschaft finanziellen Erfolg garantiert hätte. Der Fokus der Manager ist sehr auf den materiellen Gewinn ausgerichtet. In vielen Fällen wurden Publikationen vorgeschlagen, die nicht dem Dharma entsprachen – das bedeutet, dass eben diese Veröffentlichungen, Menschen nicht zu Rechtem Handeln inspiriert hätten. Derartige Bücher haben wir abgelehnt.“

„Am Anfang sorgte diese Haltung manchmal für Konfusion, doch langsam verstanden die Mitarbeiter, dass die Arbeit der Manager darin bestand, sie und diejenigen, die der Arbeit zugetan waren, spirituellem Wachstum näher zu bringen. Wenn wir ein Buch für die Veröffentlichung auswählen, liegt unser Fokus im umfassendsten spirituellen Sinn des Wortes auf der Qualität. Eine unserer Aktivitäten ist das Verlegen spiritueller, kultureller und erzieherischer Bücher. Diese Art von Büchern ist ein Ausdruck der Lebensphilosophie, die wir drei Partner miteinander teilen. Wir sehen darin Möglichkeiten, zur Besserung der Welt beitragen zu können.“

Amber Chand, der ihr jetzt begegnet, teilt das Ideal von Francisco Canada, dass Arbeit praktizierte Spiritualität ist, die die Welt zu einem besseren Ort machen kann. Jedoch ihre Geschichte über die Hochs und Tiefs bei Eziba erinnert uns daran, dass zwar spirituell gegründete Führung keine Garantie zum materiellem Erfolg ist, jedoch kann sie eine Quelle des Geistesfriedens und des Mutes sein, selbst mitten unter verheerenden Umständen, die andere Führungskräfte gewiss ruiniert hätten.

Erfolg und Misserfolg ausgleichen

„Das Unternehmen, das ich aufgebaut habe, ist in erster Hinsicht ein Ausdruck meiner Auffassung des Dienens, was mir erlaubt, die kommerzielle Welt als eine wichtige und sinnvolle Plattform für meine spirituelle Praxis zu nutzen.“
(Amber Chand, Mitgründerin und VP von Vision,
Eziba, USA)

Amber Chand war die Mitgründerin und Vize-Präsidentin von Vision, Eziba, USA, als wir sie das erste Mal als spirituell orientierte Unternehmens-Leiterin interviewten. Zu jener Zeit war Eziba eine florierende, auf dem Internet basierende Vertriebs-Firma, die Kunsthandwerk von hoher Qualität verkaufte, das von armen Künstlern aus der ganzen Welt hergestellt wurde. Diese Anthropologin und internationale Geschäftsfrau sagt über ihre spirituellen Ziele: „Wenn ich über meine spirituellen Ziele im Leben nachdenke, suche ich Wege, die mir erlauben, beides miteinander zu verbinden: das Innere und das Äußere. In ruhigen Momenten bemühe ich mich, den Platz meines inneren Refugiums zu stärken…er ist mein innerer Altarraum, wohin ich mich zurückziehe, um mich mit meinem spirituellen Lehrer, Sathya Sai Baba, zu verbinden. Das andere ist der äußere Teil, der Platz des Handelns und der Aktivität. Als spirituelle Frau sehe ich in der Welt meinen Sinn darin, einen Weg zu finden, Liebe in Aktion umzusetzen.“

„Das Unternehmen, das ich aufgebaut habe, ist in erster Hinsicht ein Ausdruck meiner Auffassung des Dienens, wobei ich mir erlaube die kommerzielle Welt als eine wichtige und

zweckmäßige Bühne für meine spirituelle Praxis in Anspruch zu nehmen. Ich bin mir bewusst, dass unsere Zusammenarbeit mit den Kunsthandwerkern rund um den Globus – viele von ihnen sind talentierte Kunsthandwerkerinnen – dazu beiträgt, diese zu unterstützen, ihnen Unterhalt zu sichern und sie in ihrem Leben zu stärken. Während ich diese Gesellschaft gründete, konnte ich immer wahrnehmen, dass ich Swamis Führung folgte und einen Weg fand, meine spirituelle Perspektive mit einer weltlichen Kommerz-Arena zu kombinieren. Das war eine Übung in Demut, in der ich mich einfach als die Flöte sah, durch die Er spielt – als Sein Werkzeug.“

Amber Chand erzählte, wie sich ihre spirituell gegründete Führung anhand sehr praktischer und nüchterner Beispiele entfaltete, z.B. „Tee mit Amber“.

„Als Mitgründerin von Eziba habe ich gewichtigen Einfluss. Wenn ich durch dieses Unternehmen gehe, schauen mich die Angestellten wie eine Art Mutter, einen nährenden Geist an. So versuche ich stets Möglichkeiten wahrzunehmen, dieser nährende, beruhigende und liebende Geist für sie zu sein.

„Vor einem Jahr gründete ich eine neue Initiative mit Namen „Tee mit Amber“, wozu ich durch folgende Erkenntnis inspiriert wurde. Eines Tages wurde ich traurig, als ich bemerkte, dass die Zahl der Mitarbeiter derart gestiegen war, dass ich nicht mehr jeden mit Namen kannte. Eine nährende Rolle zu verkörpern, ohne den Namen jedes Einzelnen zu kennen, konnte ich mir nicht mehr recht vorstellen. So sann ich über einem Weg nach, wie ich mit jedem in Kontakt treten könnte.

„Die kam mir die Idee, einfach damit anzufangen, mit jedem der Mitarbeiter persönlich eine Tasse Tee zu trinken. Mein Büro gestaltete ich vollkommen um. Ich gestaltete einen neuen Sitzbereich, verschönert durch einige Lampen und Pflanzen, nahm mein hübsches mexikanisches Teeservice heraus und lud die Leute zum Tee ein. Einige Menschen waren sehr nervös, weil sie mit der Mit-Gründerin zusammen saßen. Ich bereitete für sie den Tee zu und konnte beobachteten, dass - nachdem sie einmal vom Tee genippt hatten – sie sich tatsächlich physisch entspannten. Sobald mein Gegenüber und ich entspannt waren, konnten wir uns der „Kunst der Konversation“ öffnen.

Das ist genau das, worauf die Angestellten warten. Diese „Tee-Einrichtung“ ist zu einem sehr wichtigen Bestandteil meiner Arbeitswelt geworden, und es ist ein Weg, Eziba weiterhin als eine Firma mit sozialem Gewissen herauszuheben.“

Eine weitere Initiative startete Amber Chand sehr früh, und das war, mit unzufriedenen Kunden persönlich zu sprechen; eine Eingebung inspiriert durch ihren spirituellen Hintergrund. Sie war in einem Hindu-Haushalt in Uganda, Afrika, aufgewachsen. Während sie im Internat war, besuchte sie die Kirche Englands und war ernsthaft am Buddhismus interessiert. „Meine Mutter, sowie mein Vater lehrten mich in meiner Kindheit, Gäste in unserem Haus als Gott zu behandeln. Du tust alles, was du vermagst, um ihre Zeit mit dir glücklich, zufrieden und angenehm zu gestalten. Während unserer ersten Kundenschulung sagte ich unseren Leuten, dass ich in unserem Unternehmen, Eziba, wahrnehmen möchte, dass der Kunde Gott ist.

„Wir haben eine sagenhafte Kundenservicegruppe! Dennoch spreche ich persönlich auch noch mit allen unzufriedenen Kunden. Ich nehme das Telefon und rufe sie an. Ich beginne mit einer Entschuldigung meinerseits: „Ich bedauere sehr, dass wir Sie nicht zufrieden gestellt haben.“ Die Kunden sind erstaunt; sie können nicht glauben, dass einer der Gesellschaftsgründer sich die Zeit nimmt, sie anzurufen und sich bei ihnen zu entschuldigen. Solch ein Anruf endet immer mit einem zufriedenen Kunden; mit Freude und gemeinsamem Lachen: Ich biete Ihnen an, mich anzurufen, wenn irgendein Problem auftritt und hinterlasse ihnen meine direkte Durchwahlnummer. Das ist eine weitere Möglichkeit, achtsam mit den Kunden umzugehen. Und es funktioniert.“

Amber Chand mit einer palästinensischen Handstickerin

 

Partnerschaft mit Frauen in Afrika
aufbauen

Aber während bei Amber Chand alles o.k. war, haperte es beim Unternehmen; das jetzt einen Vorstand hat, der mehr am Gewinn orientiert ist, als an der Idee, qualitativ wertvolle Handarbeit von armen Kunsthandwerkern aus der ganzen Welt zu verkaufen, als Weg „Liebe in Aktion zu setzen“. Das Unternehmen geriet durch den Verlust seines Markenzeichens in große finanzielle Schwierigkeiten.

Als Amber Chand das nächste Mal, im Frühling 2006, interviewt wurde, ungefähr ein Jahr danach, ging Eziba, in die sie Herz und Seele investiert hatte, in Konkurs. Wir waren berührt zu hören, wie ihre Spiritualität sie befähigte, Geistesfrieden und Mut angesichts des Niederganges von Eziba zu bewahren. Sie erzählte uns: „Ohne den Anker meiner spirituellen Praxis hätte ich diesen persönlichen Tsunami nicht überstehen können. Denn auf einer Ebene wusste ich, dass dieser Meteor-artige Aufschwung und Fall von Eziba Teil einer größeren archetypischen Geschichte waren; dass ich daraus viel zu lernen hätte und dass ich irgendwie meinen Weg finden würde, geführt von tiefem Vertrauen in das Leben und in die Wahrheit, wer bin ich und woran ich glaube.“

Amber Chand gründete danach ein neues Unternehmen die „Amber Chand Kollektion“. Sie reflektierte über ihre Erfahrungen mit Eziba und über ihre neue Unternehmung: „Für die wichtigen Lektionen, die ich bei Eziba lernte, bin ich dankbar. Sie waren aufschlussreich für mich dahingehend, dass man tatsächlich ein erfolgreiches, spirituell inspiriertes Unternehmen aufbauen kann – doch nur wenn dies das einzige Bestreben und die einzige klare Absicht ist. Ich hege keinen Zweifel, dass die „Amber Chand Kollektion“ mit Geduld, Vertrauen, klarer Ausrichtung und Bescheidenheit erfolgreich wachsen wird.“

Wie Amber Chand so praktiziert auch John Behner, dem ihr als nächstes begegnen werdet, seine Führungsposition. Als ein im Ausland und in einer fremden Kultur Lebender, stellte auch er sich großen Krisen: einem verheerenden Erdbeben und einem Bürgerkrieg. Sein fester Glaube an Gott befähigte ihn dazu, diese Erfahrungen in persönliches, organisatorisches und spirituelles Wachstum zu transformieren. 

Nur Liebe und Dienen

„Die Absicht des Handels (business) ist, die Menschen „glücklich“ zu machen – den Kunden zu dienen, und sich zu vergewissern, dass die Kunden zufrieden sind; das ist das Motiv im kommerziellen Handel und der Grund des Da-seins.“ (John Behner, ehemaliger Landes-Manager von Nabisco, El Salvador)

John Behner war zwanzig Jahre lang Manager des riesigen, amerikanischen und multinationalen Lebensmittel-Konzern Nabisco für das Land El Salvador. Nabisco begann als führender Hersteller von Keksen und Snacks und dehnte im Laufe der Jahre seine Produktion auf viele andere Lebensmittel aus. John Behner ist in den USA geboren und aufgewachsen, hat jedoch den größten Teil seines Lebens in dem zentral-amerikanischen Land El Salvador gelebt, wo auch seine Frau geboren wurde.

Spiritualität stand im Mittelpunkt seiner Führungsposition. „Spiritualität“ sagte er uns, „versucht Gott in jedem zu sehen und jedem mit einer sehr liebevollen, bescheidenen und hilfreichen Grundhaltung zu begegnen.“ Das Wichtigste für John Behner ist: „meine Einheit mit Gott zu verwirklichen: Ich sehe Spiritualität unter dem Aspekt, eine persönliche Beziehung mit Gott zu haben. Was ist mein Ziel? Es ist, Eins zu werden mit Gott; in meinem persönlichen Leben sowie am Arbeitsplatz“.

Kurz bevor er mit seiner Arbeit bei Nabisco begann, reiste John Behner nach Indien, wo er Sathya Sai Baba begegnete, der dann sein spiritueller Lehrer wurde. Seine seit seiner Jugend strenge Arbeits-Ethik entwickelte sich zu einem Teil seiner spirituellen Suche. „Gott zu verwirklichen durch das Dienen an anderen – und zu versuchen, Gott in jedem zu sehen“; wurde zum wegweisenden Licht auf seiner Suche nach Selbstverwirklichung

„Spiritualität bedeutet für mich das Anwenden Menschlicher Werte: Wahrheit, Rechtes Handeln, Frieden, Liebe und Gewaltlosigkeit - in deiner eigenen Art zu handeln. Aber es bedeutet noch mehr als das; es bedeutet, sich bemühen, Gott in jedem zu sehen, jedem mit einer liebevollen Grundhaltung zu begegnen, alles als perfekt anzusehen und nicht mit dem Finger auf irgendjemand oder irgendetwas zu zeigen. Jeder einzelne dieser menschlichen Werte, den man versucht zu leben und umzusetzen, wird sichtbar als Qualität des eigenen Handelns. Spirituell zu sein, heißt bescheiden zu sein und zu helfen. Wir besaßen ein Strandhaus, das wir als einen Teil unseres „Gottes“ betrachteten, bevor wir unseren spirituellen Lehrer Sathya Sai Baba kennen lernten. Die Strände in El Salvador sind wunderschön. Jedes Wochenende waren wir mit den Kindern am Strand und im Schwimmbecken. Nachdem wir Sai Baba kennen lernten, verkauften wir sehr schnell das Strandhaus. Wir stellten fest, dass die Wochenenden die einzige Zeit zum Dienen boten. Also haben wir uns des Hauses entledigt und uns bemüht, unsere Zeit in dienende Aktivitäten zu investieren.

„Die Absicht des kommerziellen Handels ist, andere Menschen glücklich zu machen, den Kunden zu dienen und sich zu vergewissern, dass die Kunden zufrieden sind; dies ist der Grund im kommerziellen Handel zu arbeiten und der Grund des Da-Seins. Aber nicht nur eure Kunden, auch eure Angestellten sollten zufrieden sein. Enthusiasmus und Zufriedenheit sollten die Angestellten ausfüllen, diese Energie sollte ein Teil sein, um mit Bemühungen ihr Bestmögliches zu geben. Ich versuchte, den Angestellten die Idee des Dienens und den Grund, warum sie an dieser Stelle sind, näher zu bringen: unseren Kunden zu dienen und die bestmögliche Arbeit zu tun. Zum Beispiel, wenn sie in der Herstellung beschäftigt waren, wurden ihnen vermittelt, auf die Qualität des Produktes zu achten und sich vorzustellen, dass Produkt selbst verzehren zu müssen.

„Die Idee des Dienens und Gott in jedem zu sehen ist für mich „meine Tasse Tee“. Das ökonomische Ergebnis war das Resultat dieser Philosophie des Dienens; die Angestellten machten Fortschritte, das Unternehmen war erfolgreich und jeder war mit seiner Beschäftigung zufrieden.“

„Nachdem ich Sathya Sai Baba getroffen hatte, schaute ich mir die Produkte, mit denen wir handelten, genauer an. Nabisco unterhielt ein großes Unternehmen in Ecuador, wo all die untergeordneten Gesellschaften, wie auch wir, rohe Gelatine für die Herstellung einkauften.

Die Gelatine wurde aus Tierhaut hergestellt. Nun befasste ich mich mit einer vegetarischen Gelatine von einer Gesellschaft namens Kelko und forschte: Wenn wir diese anstatt der Tiergelatine gebrauchten, würde sich nach zwei bis drei Tagen im Kühlschrank kein Schimmel mehr bilden. Das war für mich Grund genug, den Einkauf von Tiergelatine über das Werk unserer Gesellschaft einzustellen und Gelatine bei Kelko einzukaufen.“ Ein weiteres aufschlussreiches Ereignis erzählt uns John Behner:

„Im Jahr 1986 erschütterte ein schweres Erdbeben San Salvador, und wir mussten lernen, mit dieser großen Krise umzugehen. Als erstes wurde uns bewusst, dass alle Supermärkte, unsere größten Kunden, davon betroffen waren. Ihre gesamte Handelsware lag über den ganzen Boden zerstreut. Eine gewaltige Arbeit stand an: zu reinigen, was zu retten war und hinauszuwerfen, was zerbrochen und unbrauchbar geworden war und wenn möglich eine Art Bestandsliste von allem aufzuführen. Wir sahen auch, dass unsere Produktionsserie nutzlos war, wenn die Supermärkte diese nicht in ihre Regale einordnen konnten, also wofür Ware produzieren? Wir stellten unsere Produktion ein und sandten die Verkaufsleiter in all die größeren Supermärkte. Wir boten ein Team von Produktionsleuten an, bei den Aufräumungs- und Säuberungsarbeiten zu helfen. Das stellte sich als Erfolg heraus; wir waren die einzige Gesellschaft, die sich dafür einsetzte. Die Supermärkte begrüßten sehr, diese Art von Hilfsdienst zu bekommen, der sie nicht einmal etwas kostete. Mit konzentrierter Anstrengung hatten wir das zusammen innerhalb einer Woche geschafft. Sie kamen schneller auf die Füße, und wir konnten wieder früher mit dem Verkauf starten.

Bei einer Bestandsaufnahme unseres Personals stellte sich heraus, dass neun Angestellte ihr Heim verloren hatten. Seitdem wir unsere Produktion stillgelegt hatten, gab es für unsere Wartungsabteilung auch nichts zu tun. Daher baten wir diese Männer, die Häuser dieser neun Betroffenen wieder aufzubauen. Provisorische Konstruktionen wurden in den neun Häusern errichtet, worüber die Betroffenen sehr dankbar waren. El Salvador wird regelmäßig von Erdbeben heimgesucht; 1994 erlebten wir das nächste Erdbeben; doch diesmal waren wir alle vorbereitet, denn wir hatten unsere Erfahrungen mit dem gewaltigen Erdbeben schon 1986 gemacht.

„Es gab einen bestimmten Zeitpunkt, als wir beschlossen, eine Art kombinierte Werbung für das Unternehmen und Trainings in Menschlichen Werten zu veranstalten. In den örtlichen Höheren Schulen boten wir den Studenten die Möglichkeit an, das Werk zu besichtigen und Gasthörer unserer Vorträge zu sein. In unserem Auditorium sprach jeder der Manager über einen der fünf menschlichen Werte: Wahrheit, Rechtes Handeln, Frieden, Liebe und Gewaltlosigkeit und wie diese seinen Arbeitsplatz beeinflussten.

„Der Leiter des Finanzwesens sprach über Wahrheit, wie wichtig Wahrheit in der Buchführung, der Buchhaltung, bei der Steuerentrichtung etc. sei. Der Verkaufsleiter sprach über Rechtes Handeln und wie man Kunden korrekt behandelt. Der Werksleiter sprach über Liebe, denn er muss für Harmonie sorgen, dass jeder ausgeglichen ist, was sich auf eine gute Produktion auswirkt. Der Manager, der die Qualität überprüft, sprach über Frieden; denn wenn du deine Arbeit mit der rechten Einstellung tust, wirst du ruhig und gelassen sein, denn du weißt, dass die Qualität aller Produkte gut ist. Der Wartungsleiter sprach über Gewaltlosigkeit; denn wenn du die Umwelt nicht verschmutzt und vergiftest, bist du gewaltlos.

„Erstaunlich war, dass die Studenten in Scharen von Hunderten eintrafen; sie füllten das Auditorium. Die Manager waren diejenigen, die am meisten von der Veranstaltung profitierten, denn sie mussten vorher lernen, wie sie diese Werte zum Ausdruck bringen können. Jetzt erkannten sie, wie die Werte an den Arbeitsplätzen wirkten. Die Studenten verstanden die Werte auch in Beziehung zur Arbeits-Ethik. Das Resultat war, dass einige der jungen Leute, sich für eine Arbeit bei uns bewerben wollten; denn es gefiel ihnen, was sie gesehen hatten.“ Es waren nicht nur junge Leute, denen das gefiel, was sie gesehen hatten; während der vielen Jahre unter John Behners spiritueller Führung wurde Nabisco in El Savador zu einer sehr erfolgreichen und innovativen Gesellschaft mit engagierten Arbeitern und Kunden.

Die spirituell gegründeten Führungskräfte, die ihr bis jetzt kennen gelernt habt, hatten alle eine lange Karriere und waren zum Zeitpunkt des Interviews wenigsten um die 50 Jahre alt. Die nächste Person ist in den Dreißigern. Er teilt mit uns, wie Spiritualität ihn herausforderte und ihn wachsen ließ, während er in der Führungsspitze von ICT (Informations- und Kommunikations-Technologie) arbeitet.

Über die Furcht hinausgehen

„Aus spiritueller Sicht sollte die Annäherung an alle Individuen ohne Furcht geschehen – ich sollte fähig sein, alle Menschen, ungeachtet ihrer Fähigkeiten oder Einstellungen, zu lieben und zu schätzen.“

(Parantha Narendran, Strategie Direktor bei Eurotel Telecom in Prag, Tschechische Republik)

Parentha Narendran war Strategie Direktor bei Eurotel Telecom in Prag und 34 Jahre alt, als wir ihn trafen. Eurotel ist die meist-verdienende und größte Mobil Telefon Gesellschaft in der Tschechischen Republik. Trotz seines jungen Alters hatte Parentha Narendran schon beachtliche internationale Erfahrungen gesammelt; er wurde in Sri Lanka geboren und erzogen, studierte dann in Holland und dem UK; seine spirituelle Inspiration erhielt er in Indien und außerdem arbeitete er in verschiedenen Teilen Europas.

Vor seiner Top Führungsposition in der Tschechischen Republik und aufgrund seiner hohen ethischen Prinzipien hatte er eine Hi-tech Beratungsgesellschaft verlassen und dann die Boon-Consulting in London mitgegründet. Dort hatte er $ 40 Millionen aufgenommen, um ein Unternehmen zu starten, das auf seiner eigenen patentierten Technologie, die Performance im Internet zu verbessern, basierte. Das geschah zu einem Zeitpunkt, als die „IT Blase“ platzte und der Markt anfangs dieses Jahrhunderts zusammenbrach. Seine Pläne, die letzten $ 20 Millionen zusammenzubringen, die für den Neubeginn erforderlich waren, wurden dadurch abrupt beendet. Nachdem er eine zeitlang einen Beraterposten im UK innehatte, nahm er dann seine neue Top Management Position bei Eurotel zu Anfang 2002 an.

„Auf meiner ersten Reise nach Indien besuchte ich einen Ashram und traf auf den spirituellen Lehrer Sathya Sai Baba. Während der ganzen Zeit, die ich im Ashram verbrachte, war es, als ob ich die ganzen Zusammenhänge des Lebens sehen konnte, und ich war mir all dessen während meiner täglichen Routine bewusst. Es war mühelos. Ich nahm die Gedanken und Ideen der Leute wahr. Ich war mir all dessen bewusst, was im Hintergrund ablief. Ich hatte weder Stress noch Angst. Ich nahm nur Bewusstsein und Zufriedenheit wahr. Durch diese Erfahrung hatte ich mich sehr verändert, als ich dann nach London zurückkehrte.

„Die Welt braucht spirituell gegründete Führungskräfte. Ich spreche nicht öffentlich über meine Spiritualität zu Menschen, doch ich denke, sie respektieren mich als jemand der ethisch handelt, jemand, dem sie vertrauen können und jemand, der hart und selbstlos arbeitet. Ich muss nicht darüber reden. Ich lebe es nur, und die Leute erkennen das an; in Unternehmen gibt es immer politische Lager, doch ich werde als neutral eingestuft. Oft wenn ich etwas kommentiere, sage ich nicht, das ist zu tun, das ist richtig, nein, ich drücke es so aus: „Es liegt im besten Interesse von Eurotel, wenn wir so oder so agieren.“ Ich denke, das hilft mir, und die Leute respektieren es so.“

Parantha Narendran teilte mit uns, wie seine Position als Führungskraft ihm hilft, spirituell zu wachsen: „Als Kind mit zehn, elf Jahren pflegte ich zu meditieren und praktizierte dies bis zu meinem sechzehnten Lebensjahr. Danach studierte ich viele Bücher über das Thema Spiritualität. Jüngst war ich der Ansicht, dass ich dies wirklich nicht alles praktizieren muss; ich brauche nur offen zu mir selbst zu sein. Ich habe viel über meine Spiritualität und mich selbst in der kommerziellen Welt, in der ich harte Entscheidungen treffen musste, gelernt. In diesen Herausforderungen, die mir täglich begegnen, lerne und wachse ich viel mehr, als wenn ich über Spiritualität lese oder meditiere.

„Wenn ich bedenke, wie Spiritualität bei der Arbeit sich auf mich auswirkt, ist es diese Spiritualität, die mich wachsen lässt. Für mich ist Spiritualität, wie man sein Leben lebt. Wenn du dein Leben als spirituell betrachtest, beginnst du gewisse Wahlentscheidungen zu treffen. Zum Beispiel: Ich wählte, mich vegetarisch zu ernähren, denn ich respektierte das Leben. Ich bin mir bewusst, wenn Gewalt in meinen Gedanken, Worten und Taten erscheint, dann bemühe ich mich, darüber die Kontrolle zu haben. Es gibt gewisse positive Werte, und ich versuche, bei allem was ich tue, mir dieser Werte bewusst zu sein.

„Ich habe viel über meine Spiritualität und mich selbst in der kommerziellen Welt, in der ich harte Entscheidungen treffen musste, gelernt. Mein Gefühl sagt mir, ich wurde in die Rolle einer Führungskraft hinein gedrängt; manchmal hatte ich mir gewünscht, dies in meinem Leben vermeiden zu können. In diesen Herausforderungen, die mir täglich begegnen, lerne und wachse ich viel mehr; als wenn ich über Spiritualität lese oder meditiere.“

Parantha Narendran hat nicht nur über Verantwortung und Erfolg in seinem Leben reflektiert. Er erzählte uns: „Ich würde sagen, der Erfolg in meinem Leben war, meine Ängste zu besiegen“, und er fügt hinzu, das, was er sucht sei „Bewusstsein und Zufriedenheit.“

„Wenn mein Ego nicht aktiv ist, kann ich Dinge sehr viel effektiver erledigen. Im Wesentlichen ist es wie ein Spiel, und ich bin es, der den größten Profit von der ganzen Übung erzielt. Wenn mein Ego aktiv ist, tendiere ich zu denken: ‚ich kann dieses nicht und ich kann jenes nicht’ – ein wenig so, als ob ich Geld (einen Kredit) aufnehmen wollte, aber kein Selbstvertrauen dafür habe. In dem Fall werde ich in eine Position gedrängt, in der ich das tun muss, von dem ich dachte ich kann es nicht. Ich muss etwas für das Wohlergehen aller tun. Ich hatte keine Zeit zurückzugehen und zu sagen; ’Ich kann das nicht tun, weil mein Ego sich vor Misserfolg fürchtet. Ich musste es einfach nur tun. Und ich habe es getan und erkannt, dass ich zu viel mehr fähig war, als ich mir selbst zugetraut hatte.

„Ich möchte, dass andere auch diese Erfahrung machen. Ich bemühe mich, diese Lektionen über Ego und Furcht nüchtern und mit Aufrichtigkeit an sie weiterzugeben. Ich suche herauszufinden, was sie an dem gesetzten Ziel motiviert und was sie hemmt, das Ziele zu erreichen – diese Fragen wiederum motivieren sie, über ihr Leben nachzudenken.

„Da meine Position in der Firma die einer Führungskraft und nicht die eines Beraters ist, ist mein Prinzip, die Menschen, mit denen ich zusammen arbeite, darin zu fördern, an ihr bestes Potential zu kommen. Das ist ein Bereich, wo - glaube ich - Spiritualität und die Ziele einer Organisation gut übereinstimmen. Wenn eine Führungskraft daran glaubt, Individuen in sich selbst zu stärken, hat er die besten Interessen für das Unternehmen im Auge und kann diese Stärkung wie ein Vehikel für sein Ziel nutzen. Dass das Individuum sein Potential zusammen mit dem spirituellen Aspekt begreift, und das Unternehmen in derselben Zeit progressiv arbeitet, das sind meine beiden Ziele.“

Heute ist Parantha Narendran nicht mehr bei Eurotel; er handelt mit privaten Aktien Investments auf dem Europäischen Markt, sowie auch als Investor und Aktionär bei verschiedenen neuen mobilen Vermittlern auf dem zentral-europäischen Markt. Obwohl er in ganz Europa auf dem Telecom Sektor arbeitet, behält er seine Basis weiterhin in Prag.

Die nächste spirituelle Führungskraft kommt aus der Finanzwelt, wo das typische Mantra „das Business des Business ist Business“ lautet. Er zeigt, dass selbst in diesem Bereich Führungskräfte, Stärke und eine tiefere Bedeutung im Leben und in der Arbeit finden können, vorausgesetzt sie haben einen spirituellen Hintergrund. Rajan Govindan erklärte, wie vorhersehende Führungskräfte “ihren analytischen Verstand mit ihrem Herzen, in dem der Geist wohnt, integrieren können. Das spirituelle Herz befähigt uns, Entscheidungen zu treffen, die wir nicht bereuen müssen“.

Tu dein Bestes und überlasse alles Weitere…Ihm

„Ich habe erkannt, dass der einzige Grund, warum ich in diesem Job bin, ist, weil Gott mich dort wünscht, und jetzt bin ich nicht mehr besorgt oder ausgepowert. Ich arbeite hart und tue mein Bestes; aber ich sorge mich jetzt nicht mehr um die Resultate.“

(Rajan Govindan, ehemaliger Senior Managing Direktor des Bankers Trust, USA)

Rajan Govindan, ein ehemaliger Senior Managing Direktor des Bankers Trust in USA war sechsundfünfzig Jahre alt, als wir ihn zu diesem Forschungsprojekt interviewten. Nach einem Studium an einer Universität in Indien, seinem Geburtsland, studierte er weiter in New York. Rajan blieb in den USA, arbeitet und lebt seitdem dort, obwohl er starke Verbindungen zu Indien hat. Er hat eine sehr klare spirituelle Ansichte und bezieht sich ständig auf das Konzept, ein guter Mensch zu sein:

„Für mich hat die Bedeutung Spiritualität am Arbeitsplatz zwei Aspekte: Einer ist, du musst ‚korrekt und gerecht’ sein: Ich zögere, das Wort “righteous“ (gerecht) zu benutzen, da es viele Assoziationen hat; doch du musst sehr korrekt in deinem Verhalten am Arbeitsplatz sein. Ich denke, das gehört mit zum Wichtigsten und jeder kann es anwenden. Der zweite Aspekt ist mehr persönlich; Gott hat mir diese Arbeit zu tun gegeben, und die Resultate muss ich Ihm überlassen. Ich habe fünfunddreißig Jahre gebraucht, um das zu verstehen. Die Arbeit ist eine Aktivität, die mir von Gott zu tun gegeben wurde, und ich muss sie gut tun.

„Spiritualität bedeutet für mich auch, dass die Leute sich wie menschliche Wesen benehmen; das meine ich eigentlich, wenn ich „korrekt und gerecht“, oder „rechtes Benehmen“ sage. Für mich heißt das, du musst ehrlich, fair und objektiv sein. Mein persönliches Ziel ist, menschlicher zu werden, nicht wie ein Tier zu sein, wie mein spiritueller Lehrer, Sathya Sai Baba sagt. Ein menschliches Wesen zu sein, bedeutet für mich, recht zu handeln, mit moralischem Charakter, bei allem was ich tue. Die ganzen 36 Jahre, die ich in den USA lebe, brauchte ich, um den Fokus unaufhörlich auf die Frage: ‚Wie werde ich ein besserer Mensch?’ zu richten.

„Alle meine spirituellen Übungen bestehen darin, wie ich den Tag verbringe. Wenn es dazu kommt, zu bestimmen, wie gut du einen Job gemacht hast, musst du dich selbst fragen: ‚Habe ich mein Bestmögliches gegeben?’ Der einzige Mensch, der weiß, ob ich die Arbeit gut oder nicht gut gemacht habe, bin ich selbst. Ich habe nicht die Fähigkeit oder den Wunsch, alle diese Dinge zu tun, die andere, mehr spirituell involvierte Leute, tun. Mein Weg ist, den Fokus darauf zu richten, jeden Tag, jeden Moment aus Liebe zu handeln und nicht zu reagieren. Wenn ich am Morgen und am Abend bete, bitte ich nicht um Dinge für mich oder meine Familie. Hingegen bitte ich um die Fähigkeit, an alle in Liebe zu denken. Ich reflektiere die Male, die ich nicht in Liebe gesprochen habe, oder als ich ärgerlich wurde, sodass ich davon lerne. Wenn ich an einem Tag etwas Schweres vor mir habe, bete ich, nicht die Kontrolle zu verlieren. Am Abend halte ich Rückschau darüber, was passiert ist und schaue, ob ich die Kontrolle behalten habe; am wichtigsten aber ist, Gott für den wundervollen Tag und ein großartiges Leben zu danken.“

Als wir Rajan Govindan über den Sinn von Business befragten, antwortete er: „Die Absicht ist, Geld auf gerechte Weise zu verdienen. Heutzutage gibt es so viel Korruption, und das zeigt deutlich den Mangel an Charakter und an Werten. Spiritualität ist heutzutage nötig in der kommerziellen Welt. Ich glaube, die Absicht der Führungskräfte ist es sicherzustellen, dass die Angestellten gute Arbeit für das Unternehmen leisten; es ist ihr Job, diese Werte den Angestellten zu vermitteln und so auf deren Charakter Einfluss zu nehmen, damit sie sich den Kunden gegenüber und unter einander richtig verhalten und damit der Arbeitsplatz zu einem heilsamen Ort wird. Wenn das Unternehmens-Milieu gesund ist, wird es auch sehr produktiv sein.

„Manchmal meine ich, dass es einen inhärenten Konflikt gibt, zwischen Spiritualität und ein Investor zu sein – die meisten Investoren erwarten einen maximalen Gewinn auf ihre Anlagen und zwar so schnell wie möglich; während Spiritualität auf das größere Wohl aller zielt. Doch ohne Investoren – gibt es für niemanden Chancen!

„Entscheidungen können aufgrund von schwarzen oder weißen analytischen Fakten getroffen werden, meistens arbeitet unser Verstand am besten, wenn es sich um wirtschaftliche Auswirkung dreht. Aber die besten visionären Führungskräfte sind jene, die ihren analytischen Verstand mit ihrem Herzen, in dem der Geist wohnt, integrieren können – der Geist, der immer nach dem größeren Wohlergehen der Gesellschaft und nicht nach persönlichem Gewinn trachtet; er ist unser moralischer Kompass und lässt uns niemals zu weit abirren. Es ist das spirituelle Herz, dass uns befähigt, Entscheidungen zu treffen, die wir nie bereuen müssen; es ist das mitfühlende Herz, das unsere Prioritäten richtig setzt.“

Rajan Govindan ist heute Chief Operating Officer bei einem anderen großen Finanzinstitut, Bear Stearns Asset Management in New York. Er sagt: „Im Laufe meines Lebens habe ich erkannt, dass nicht das Management mein Leben entscheidet, sondern vielmehr Gott. Leider kannst du erst im Alter erfahren, dass jeder das bekommt, was er verdient hat. Diejenigen mit Prinzipien und Integrität sind üblicherweise die Glücklichsten und Zufriedensten, wenn auch nicht immer die Reichsten.

„Nachdem ich die Chef-Position bei Bear Stearns übernommen habe, war mit klar, der einzige Grund warum ich an diese Stelle gekommen bin, ist, weil Gott mich da haben wollte. Jetzt bin ich nicht mehr besorgt noch ausgepowert. Ich arbeite hart und tue mein Bestes. Aber das erste Mal in meinem Leben sorge ich mich nicht um die Ergebnisse“.

Wie Rajan Govindan hat V.V. Ranganathan, die folgende spirituell orientierte Führungskraft, eine langjährige Erfahrung auf einem Gebiet, das schwerpunktmäßig auf Finanzen fokussiert ist. Er erzählt, wie er als Prüfer von großen multinationalen Konzernen fast täglich mit Situationen konfrontiert ist, die er vor seinem inneren ethischen System prüfen muss – ein System, das vom Bewusstsein gesteuert wird … einem System, das in sich selbst existiert. Es taucht im Geist auf; es ist nicht Produkt des Geistes oder sozialer Einflüsse.

Ethik und selbstloses Dienen

„Als erstes musst du erkennen: ‚Dort ist Gott; Gott ist auf der Erde, Gott ist in dir und Gott ist in jedem’. Wenn du in diesem Kontext arbeiten kannst, ändert das vollkommen deine Art, Menschen zu sehen.“

(V.V. Ranganathan, Senior Partner bei Ernst & Young in Indien)

Zum Zeitpunkt des Interviews war V. Ranganathan 53 Jahr alt und Senior Partner in der Indischen Niederlassung von Ernst & Young. Zu jenem Zeitpunkt hatte er mit wenigen Kunden zu tun. Die meisten von ihnen waren internationale und multi-nationale Gesellschaften. Er war auch Mitglied des Vorstandteams, die das Management bei Ernst & Young in Neu Delhi unterstützten, sowie Partner einer Firma für nationales Risikomanagement, deren Aufgaben Buchhaltung und Rechnungsprüfung, Steuererklärung, Business Risiko Services etc. beinhalteten.

„Ja“, sagte er, „das ist ein ganzer Batzen, aber ich habe im Laufe der Zeit gelernt, nicht in Panik zu geraten. Ich habe einen festen Glauben, dass Gott der Allmächtige sich um die Dinge kümmert und dass die Dinge geschehen, mit mir oder ohne mich. Meine spirituelle Absicht besteht darin, ein Mensch zu sein, der selbstloses Handeln praktiziert. Gott hat mich so konzipiert, dass ich meinen Wünschen nachgehen kann, aber ich muss es so tun, dass ich die Prinzipien des Karma (Ursache und Wirkung) vor Augen habe und dass meine Entscheidungen nicht von Selbstlosigkeit oder Egoismus motiviert werden. Damit meine ich, dass meine Bemühungen und mein Einsatz, etwas zu tun, nicht davon bestimmt oder getrieben werden, was ich dafür zurückbekomme. Aus meiner eigenen Erfahrungen weiß ich, dass das funktioniert.

„Vor langer, langer Zeit hat mir jemand erzählt: ‚Als erstes musst du erkennen: Gott ist da, Gott ist auf der Erde, Gott ist in dir, und Gott ist in jedem.’ Wenn du fähig bist, in diesem Kontext zu arbeiten, wird sich deine Art Menschen zu sehen völlig verändern und dann beginnst du dieses unsichtbare Band mit anderen zu teilen.

„Wenn du fähig bist, jedes Unternehmen ohne selbstsüchtige Motive und mit selbstlosem Dienst zu führen, dann glaube ich, dass der Erfolg dir in den Schoss fällt. Wenn das Motiv, einer Geschäftaktion auf selbstlosem Dienst beruht, bedeutet das nicht, dass du eine karitative Institution führst. Es heißt nicht, dass du Dinge kostenlos weggibst und die Leute aus und ein gehen. Es bedeutet auch nicht, dass du keinen Profit machen darfst. Sondern, der Erfolg muss auf der organisatorischen Ebene am Wohlergehen aller Menschen gemessen werden.“

„Ja, wir müssen Profit machen; aber am wichtigsten ist, dass wir uns fragen: ‚Wie haben wir diesen Profit gemacht?’“

„Als Betriebsprüfer großer multi-nationaler Gesellschaften wurde ich fast täglich mit Situationen konfrontiert, die ich innerhalb meines internen Ethik Systems bewältigen und beobachten musste, ob sie meinem Lackmus-Test standhalten: die Lakshman Rekha (die Richtlinie, die Lakshmana in dem Ramayana-Epos vorgab, mit der er die Sicherheits-Grenze von Mutter Sita angab). Das ist die selbstgezogene Grenzlinie, die jedes Individuum hat und die es nicht überqueren will.“

„Ich denke, die gegenwärtige Grenzlinie, die von der Ethik diktiert wird, wird weitgehend vom menschlichen Wissen bestimmt; das heißt, jemand sagt dir, dieses oder jenes sei nicht richtig. Üblicherweise kommt dieses Verhalten aus der Kindheit. Wenn ich mich auf die Lakshman Rekha beziehe, spreche ich über die unsichtbare Linie, die sich im System eines jeden befindet und vom Bewusstsein gesteuert wird. Das ist ein Bewusstsein, das in sich selbst, unabhängig von allem, existiert. Es kommt in den Geist hinein; es ist weder ein Produkt des Geistes noch sozialen Einflusses. Es ist etwas, das für sich selbst stehen kann. Es hat ein eigenes unabhängiges Sein und ist fähig, dich zu beeinflussen. Es ist mehr ein direktes Wissen als ein Glaubensystem.

„Einige Leute haben Angst ihre Karriere mit Ideen, die nicht auf wissenschaftlicher Basis beruhen, zu verseuchen. Es ist daher wichtig, Spiritualität in der kommerziellen Welt sehr vorsichtig zu artikulieren. Ich bin sehr vorsichtig und achte besonders darauf, das Vertrauen, das ich mit einem Individuum aufgebaut habe, nicht zu brechen, wenn ich mit ihm auf spiritueller Ebene in Beziehung trete. Eine Reflektion deiner selbst kommt dir vom anderen entgegen und das schafft eine Verbindung miteinander auf höchster Vertrauens- und Wahrheitsebene. Missbrauche niemals dieses Vertrauen und Zutrauen, die du in der anderen Person gewonnen hast, auf die Art mit der du deine Fähigkeiten und dein Geschick einsetzt um deine Ziele oder die anderer zu erreichen.

„Meine spirituelle Absicht ist, ein „karma yogi“ zu werden; ein Mensch, der selbstlose Handlungen vollbringt. Ja, Gott hat mich so konzipiert, dass ich meinen Wünschen nachgehen kann, aber ich muss es so tun, dass mir die Prinzipien des Karma vor Augen sind und dass meine Entscheidungen nicht von Selbstsüchtigkeit oder Egoismus getroffen werden. Ein Yogi zu sein bedeutet in meinem Verständnis, mich ganz in die Arbeit, die mir anvertraut wurde, einzubringen, sie mit Hingabe zu vollbringen, ohne von Erwartungen und Berechnungen etwas zurückzubekommen angetrieben zu sein. Ich glaube, dass jeder, der diesen Weg eines „karma yogi“ geht, mehr bekommen wird, als er verdient.

„Ich habe immer die Hilfe meiner spirituellen Gurus gesucht…Dies ist ein ständiges Bemühen, und je härter ich mich bemühe, desto mehr Saft bekomme ich. Spirituelle Gurus versorgen dich mit dem Fokus und ankern deinen Glauben. Es ist, wie einen Berg ohne Gipfel und ohne Ziel hinaufzuklettern. Es ist eine lange Reise, du musst dich abmühen und dich jeden Moment des Weges erfreuen“.

V.V. Ranganathan stieg erst kürzlich beim Senior Partner von Ernst & Young, Indien, aus, um mehr Zeit für Angelegenheiten zu haben, die ihm am Herzen liegen. Wie zum Beispiel eine nicht auf Profit orientierte Organisation zu gründen, die hilft, Kapazitäten und Kredite an nicht-kommerzielle Stellen zu geben, die Projekte für Bildung, Gesundheit und Beschäftigung in ländlichen Gegenden fördern, sowie eine Gesellschaft zu leiten, die angehende Unternehmer unterstützt, ihre Ideen für Produkte oder Lösungen zu verwirklichen.

Alvaro Cruz, unser nächster Mann, kommt von Kolumbien, Süd Amerika, ein Land, das viele Jahre Schauplatz bitterer interner Konflikte und großen Leidens der Bevölkerung war. Wie der verehrte Präsident Indiens, A.P. J. Abdul Kalam, erzählte uns Alvaro Cruz von der großen Auswirkung der Suche nach Rechtem Handeln vom Herzen her und wie dies zu Frieden in der Welt führen kann – und wie diese Weisheit, die von Swami gelehrt wird, den Weg für ihn geebnet hat, um seinem Land zu dienen.

Spiritualität als ein permanenter Lebens-Weg

Alvaro Cruz muss zwei Welten miteinander verbinden, Business und Politik. Er ist der Eigentümer und der Chef einer großen Baugesellschaft, I.C.M. Ingenieros Ltda., Kolumbien, Süd Amerika, und er war der Gouverneur von Cundinamarca, dem größten Staat Kolumbiens. Seine Zeit und Energie setzte er abwechselnd in diesen beiden Aktivitäten ein.

„Spiritualität ist eine permanente Aufmerksamkeit auf das Innere Selbst. Das Verhalten zu perfektionieren, sowohl innen als auch nach außen anderen gegenüber, auf der Grundlage der menschlichen Werte.“

(Alvaro Cruz, Eigentümer und CEO der Baugesellschaft I.C.M. Ingenieros Ltda., Kolumbien)

Er erzählte uns, dass in beiden Führungspositionen, sowie in seinem Privatleben, seine Spiritualität ihn ständig führt. „Spiritualität ist eine ständige Aufmerksamkeit auf das Innere Selbst. Das Verhalten zu perfektionieren, sowohl innen als auch nach außen anderen gegenüber, auf der Grundlage der menschlichen Werte wie Liebe, Wahrheit, Frieden, Rechtes Handeln und Gewaltlosigkeit. Spirituell zu sein, bedeutet auch fähig zu sein, auf seine eigene Intuition zu hören. Spiritualität ist etwas, was man unbeirrt weiterführen muss, jeden Tag, jede Stunde. Meine Frau und ich haben zusammen daran gearbeitet, das jeden Tag umzusetzen und darüber zu reflektieren.

„Spiritualität ist ein Lebensweg, wo du daran arbeitest, zwei Hauptprinzipien oder Ziele zu erreichen; diese Ziele sind: Liebe und Glücklichsein. Wenn du in der Arbeit eine spirituelle Einstellung hast, ist dein Horizont weiter, du wirst geduldiger sein und du wirst größeren Respekt und ein besseres Verständnis für die Menschen, mit denen du arbeitest, haben. Spiritualität ist gut anwendbar in meiner Funktion als Führungskraft in einem Bauunternehmen; denn ich habe gesehen, wie viel Liebe, Zufriedenheit und reibungsloses Arbeiten die Spiritualität den Beteiligten bringt.

„Manchmal habe ich große Verträge oder geschäftliche Chancen aufgegeben, einfach um glücklich und in Frieden zu leben. Es gab eine Reihe von Gelegenheiten, bei denen die Regierung verschiedene Angebote einholte. Ich sah mir die damit verbunden Umstände genau an und fand heraus, dass damit eine Menge potentieller Schwierigkeiten verbunden waren. Es könnte schwierig werden, die richtigen Lieferungen zu erhalten oder die Arbeit auf rechte Weise in einem gewissen Bezirk des Stadt oder der Staates zu erledigen, oder es könnten Probleme von Seiten der Angestellten auftreten, und deshalb habe ich mich nicht dafür entschieden. Selbst wenn eine Menge Geld im Spiel war, vermied ich Angebote unter derartigen Umständen herauszugeben. Es hätte mir nur viele Unannehmlichkeiten gebracht und mich nicht glücklich gemacht.

Alvaro Cruz teilt mit uns, wie Sathya Sai Baba auf sein Leben und seine Arbeit gewirkt hat. „Ich werde euch eine Begebenheit schildern, die sich ereignete, als ich soweit war, in den Wettbewerb für das Gouverneursamt einzutreten, als ich gegen sehr traditionelle und sehr harte politische Kräfte kämpfen musste: Zuvor besuchte ich Whitefield in Südindien. Eines Tages hörte ich die Menschen dort einen “devotional song“ (Lied zu Ehre Gottes) singen, das von Rechtem Handeln, Wahrheit, Harmonie, Familie, Ordnung und Frieden handelte. In dem Moment, als mich die Bedeutung des Ganzen erreichte, beschloss ich, sie für den Slogan meiner Wahlkampagne einzusetzen. In all meinen Programmen und späteren Präsentationen benutzte ich dann die Werte und sprach darüber. Nie zuvor, in keiner politischen Kampagne war ein Politiker mit einem spirituellen Slogan aufgetreten, der die Moral unterstrich. Die Benutzung dieses Slogans brachte mir den Sieg. Immer begann ich meine Kampagnen mit diesen Worten und riss meine Wähler mit:

Es ist Rechtes Handeln, Frieden und Liebe in Kombination mit kommerziellem Geschick, die Alvaro Cruz zu einer dynamischen Führungskraft gemacht haben.

Ist Rechtes Handeln (Gerechtigkeit) im Herzen,

wird sich Schönheit im Charakter zeigen.

Zeigt sich Schönheit im Charakter,

wird Harmonie in der Familie herrschen.

Herrscht Harmonie in der Familie,

wird Ordnung in der Nation sein.

Ist Ordnung in der Nation,

wird Frieden in der Welt sein.

„Diese Botschaft überbrachte ich 69 von den 116 Gemeinden des Staates. In vielen dieser Gemeinden war eine der Hauptideen in meiner Kampagne eine von Kindern gestaltete Wandmalerei, auf der oben genannte Werte dargestellt wurden.

Alvaro Cruz äußert weiter, dass er versucht, Individuen auszuwählen, die in ihrer Arbeit ethische, gewissenhafte, aufrichtige und loyale Grundprinzipien vertreten. „Das sage ich ihnen, wenn ich sie einstelle. Die Welt ist die Totalsumme von jedem einzelnen. Genau in der Arbeit, wenn ihr ein gutes Team zusammenstellt, ist damit ein sehr guter Start gegeben. Wenn ihr Individuen habt, die nicht als Team arbeiten, wirst du nichts erreichen. Wir können bedeutende Verbesserungen in Kolumbien, in meinem Staat und in meinem Unternehmen erzielen, wenn wir täglich gute Handlungen - eingebettet in spirituelle Prinzipien - vollbringen.

Dies trifft auf eure Familien, eure Kollegen in der Arbeit, alle und jeden, mit denen ihr im Laufe des Tages zutun habt, zu.

„Frauen spielen eine überragende Schlüsselrolle in der Gesellschaft. In meinem Gouverneursamt arbeitete ein hoher Prozentsatz Frauen auf allen Ebenen. In den gehobenen Positionen waren Frauen, sie leiteten die Abteilungen Erziehung, Planung, Finanzen, Presse und Kommunikation. In meinem privaten Unternehmen ist der Hauptverwaltungsleiter eine Frau.

„Ich möchte angehenden spirituellen Führungskräften raten, andere nicht zu kränken, nicht über sie zu urteilen und zu versuchen zu verstehen, dass, wenn einer eine Entscheidung trifft, er in gutem Glauben handelt, auch wenn er sich geirrt haben mag. Außerdem rate ich dazu ethisch und gerecht zu handeln und fähig zu sein, zu vergeben und zu vergessen. Vor allem rate ich zu Bindungslosigkeit gegenüber materiellen Ergebnissen und eigenen Erfolgen und zu liebevollem Umgang; Liebe zu sich selbst und Liebe zu anderen.“

Man könnte es für ziemlich unwahrscheinlich halten, dass ein Mensch, der den größten Teil seines Lebens damit verbracht hat, mit Gold zu handeln, tief spirituell sein kann. Doch James Sinclair, der nächste Führer in unserer Reihe, ist ein derartiger Mensch. Er erzählte, wie er Rechtes Handeln verteidigend zum Krieger in einer Ethik-Schlacht wurde, und wie wichtig es ist, Gleichmut durch Loslassen zu finden: „Der erfolgreichste Mensch ist der mit den wenigsten Wünschen. Das erfolgreiche Individuum ist ein zufriedenes Individuum. Erfolg kann ebenso im Planen eines Gartens, wie im Leiten einer großen Korporation erlebt werden.

„Geld anzuhäufen ist nicht die treibende Kraft meiner Existenz in der kommerziellen Welt. Unser Fokus liegt auf dem Dienen. Ich stelle mich totalem finanziellem Desaster ohne Furcht vor Verlust. Wie kann ich Verlust erleiden, wenn überall Fülle ist. Der einzige Ort, wo Rezession existiert, ist im verschlossenen Geist der Ignoranz.“

(James Sinclair, Vorstand von Tan Range Exploration, Ltd., USA/Tanzania)

Die Macht der Ausdauer mit Prinzipien

James Sinclair ist der Vorstands-Vorsitzende von Tan Range Exploration, Ltd., USA/Tanzania. Er ist international bekannt als der, der 1980 den Höchstpreis auf dem Goldmarkt erzielte. Ein Händler zu werden, hat sich ganz natürlich in meinem Leben ergeben, erzählte er uns. „Mein Vater war ein Mann außerordentlicher Disziplin und außerordentlich menschlicher Kapazität und einer der größten Händler an der Wall Street. Das Resultat war, dass ich schon mit sechs oder sieben Jahren wusste, was ich werden wollte.

„Selbst als Kind wollte ich immer schon Gott kennen lernen und ich betete: ‚Ich weiß nicht, wer du bist und wo du bist, ich weiß nur, dass du da bist. Nun musst Du mich finden, denn ich weiß nicht, wie ich dich finden soll.’ Meine Mutter war eine strenge Katholikin, aber ich war nicht so oft in der Kirche. Jedoch wusste ich, dass es da draußen etwas gab, was alles geschehen ließ“, vertraute er uns an.

„Meine spirituelle Praxis ist gereift, seit ich meinem spirituellen Lehrer, Sathya Sai Baba, begegnet bin. Für mich ist Spiritualität ein unaufhörliches Geschehen innerhalb der menschlichen Erfahrung. Sie ist Inhalt unserer Gedanken und Aktivitäten, die sich in unserem täglichen Leben abspielen. Kreativität kann durch jedes Individuum, überall und zu jeder Zeit materialisiert werden. Doch das Hilfsmittel dazu ist, wie Sathya Sai Baba lehrt - und es ist sehr einfach - „sei achtsam“ und sei glücklich: Wann immer Swami lehrt, erklärt Er die Bedeutung von einem Wort, auch wenn es vielleicht so nicht im Wörterbuch steht. „Sei achtsam“ (watch) heißt, auf deine Worte, deine Handlungen, deine Gedanken, deinen Charakter und dein Herz zu achten. „Glücklich“ definiert Er als „Eins-Sein mit dem Göttlichen.“ Sei tapfer, lüge nicht, tue deine Arbeit, beruhige deinen Geist und am Ende des Tages, falte deine Karten zusammen. Wache am nächsten Morgen auf, erkenne was auf dem Plan steht und spiele deine Rolle so gut du vermagst und mach dir keine Sorgen darüber. Erkenne deine Arbeit, tu deine Arbeit und bleib dem Elend fern. Wenn Gott irgendetwas mag, dann ist es: Mut haben; Mut haben heißt: Das zu tun, was in deinen Schoß fällt und es richtig zu tun, ungeachtet dessen, was es ist.

„Einmal, als ich mich mehr in das Thema vertiefte, fand ich eine Gemeinsamkeit mit den erfolgreicheren Leuten: Selbstbetrachtung. Was ist Selbstbetrachtung? Es ist: in die Stille gehen, Zeit für Reflektion nehmen. Diese stille Zeit ist eine Zeit des Sich-Zurückziehens, eine Art Zeremonie. In dieser Zeit reflektiere ich über die Lehren spiritueller Meister. Ich betrachte es als einen sehr wesentlichen Teil im Leben eines jeden, in diese Stille zu gehen. In meiner Organisation beginnen wir jeden Tag mit Meditation, und zwar genau in diesem Büro. Davor hatte ich ein Großraumbüro mit Hunderten von Angestellten, und selbst da begannen wir ebenso auf diese Art. Ich sage zu ihnen: „Nehmt eure Zeit, um ruhig zu werden; beginnt alle Aktivitäten in Stille. Vor oder nach dem Mittagessen, wie, wann immer du es einnimmst, sei still. Und bevor ihr am Ende des Tages das Büro verlasst, bewahrt eine Zeitlang Stille.“

„Als ich in den späten Achtzigern bis frühen Neunzigern der Vorstandsvorsitzende einer öffentlichen Gesellschaft war, wurde der Börsenpreis von 19 US Cent auf 56 US $ angehoben und daraufhin von einem größeren Konzern gekauft. Wie haben wir das fertig gebracht? Wir haben unser korporatives Profil durch unser persönliches Verhalten angehoben. Ich ging nach Tanzania, Afrika, lebte mit den Leuten, und wir handelten als verantwortliche Bürger; das heißt: Wir kümmerten uns vor Ort um die Probleme eines sich entwickelnden Landes, soweit wir im Rahmen unseres ökonomischen Vorhaben davon berührt waren. Wir sahen die Bedürfnisse der Menschen und ihren Gesundheitszustand und wir bauten ein Krankenhaus. Unsere Gesellschaft wirkte dort in den Jahren 1989 bis 1995.

„Aber nach dieser Erfolgsphase fing das Management an, sich in extrem unethischer Art zu verhalten. Sie begannen zwei ganz arge Vergehen: Geld für sich selbst von den Aktionären zu stehlen und Menschen zu verletzen. Als erstes fragte ich mein Management: „Kann ich euch davon überzeugen, nicht so zu handeln?“ „Nein.“ „Kann ich euch ersuchen, nicht so zu handeln?“ „Nein.“ „Kann ich euch bezahlen, damit ihr nicht so handelt?“ „Nein.“ Daraufhin entließ ich das Management. Das Problem war jedoch, dass das Management auch im Vorstand war; sie drehten den Spieß um und feuerten mich. Also rief ich eine außerordentliche Versammlung der Aktionäre ein, um zu entscheiden, wie wir mit der Situation umgehen sollten, und so etwas nennt man einen „Bevollmächtigten“ einsetzen.

„Das Business des Geschäfts und das Business des Lebens sind das Gleiche. Der Sinn des Lebens ist zu arbeiten und zu handeln, und der Sinn zu handeln ist, Vollkommenheit in allem, was du tust, anzustreben. Falls du vorhast ein Unternehmen zu führen, dann führe es gut.“

„Durch all dies wurde ich zum Kämpfer und focht den Kampf gegen sie aus. Ich forderte sie auf, ihr Vorhaben einzustellen, davon Abstand zu nehmen und ihre Praktiken zu ändern. Dann forderte ich sie auf, ihren Hauptanteil, das in einem Stück Land bestand, flüssig zu machen. Auf diesem Stück Land hatten sie vor, eine Gold-Mine zu bauen. Als sie sich weigerten, ließ ich einen öffentlichen Bevollmächtigten einsetzen, was mich persönlich fünf Millionen US $ kostete. Auch wenn es eine mittlere Gesellschaft war, erreichte der Rechtsstreit doch das Niveau, als ob zwei der mächtigsten Konzerne Amerikas miteinander kämpften.

„Das Management bewarf mich umgehend mit Schmutz; dennoch ließ ich die ganze Zeit nicht von dieser „hohen“ Ebene ab. Die Art, wie ich dies öffentlich handhabte, war, dass ich sagte, dass sie nicht in der Lage seien, eine Mine zu bauen und dass die Anlage infolgedessen verkauft werden sollte. Ich wusste, wenn man US $ 300 Millionen in die Hände dieser Typen gegeben hätte, dass dies ein Desaster geworden wäre. Deshalb musste ich einen „Bevollmächtigten“ einsetzen, um den Verkauf der Gesellschaft zu forcieren.

„Wisst ihr, was die Hölle ist? Hölle bedeutet, wenn 21 Rechtsanwälte für euch arbeiten. Jeden Cent, den ich besaß, investierte ich in diesen Rechtsstreit. Von niemandem habe ich etwas dafür bekommen. Aber ich habe es getan, weil ich Gott durch meinen spirituellen Lehrer folgte, und das hat mich aufgrund meiner ethischen Einstellung zum Kämpfer gemacht.

„Jeden Tag trank ich 16 doppelte Espressi, nur um bei all dieser Anspannung und Erschöpfung wach zu bleiben, und am Ende erblindete ich auf einem Auge. Sie versuchten, meinen Ruf zu ruinieren. Sie klagten meine Frau an, sie hetzen meinen Kindern Detektive auf die Spur; sie sagten, ich sei ein Mitglied der Mafia. Sie beraubten mich dreimal meines Geldes und setzen bei allen drei Gelegenheiten legale Schachzüge ein; und doch schlug ich sie am Ende.

„Zuerst verlor ich die Handelsvollmacht, denn sie hatten einen der Aktionäre geschmiert, um seine Stimme zu bekommen; doch selbst dann hatte ich noch 47,3% des Stimmergebnisses. Aber das hat mich auch nicht gestoppt. Sie waren in so viele Rechtsverfahren verwickelt, dass sie die Finanzierung der Mine nicht zustande bekamen. Was am Ende gewonnen hat, war die Natur. Die Natur war auf meiner Seite. Dieser Land-Besitz war so wertvoll, dass eine Gesellschaft erschien und ihn kaufte.

„Selbst während dieser extremen Anspannung, nahm ich mir die Zeit, in die Stille zu gehen. Für nichts in der Welt wollte ich diese Zeit missen. Wenn ich des Nachts nicht schlafen konnte, zog ich mich in meinen Meditationsraum zurück. Selbst, wenn ihr nicht meditieren könnt, könnt ihr beten. Ein Gebet ist für mich nicht: ‚Gott hilf mir.’ Gebet ist für mich. ‚Gib mir den Mut, gib mir die Kraft.’

James Sinclair erzählte uns, dass ihn das Leben gelehrt hat: „Das Business des Geschäfts (business) und das Business des Lebens sind Eins. Der Grund zu leben und zu arbeiten ist Handeln, und der Grund zu handeln ist nach Vollkommenheit in allem, was du tust, zu streben. Wenn ihr die Absicht habt, ein Unternehmen zu führen, dann führt es gut.

Der erfolgreichste Mensch ist der mit den wenigsten Wünschen. Das erfolgreiche Individuum ist das zufriedene Individuum. Erfolg kann sich bei der Planung eines Gartens, sowie beim Führen eines größeren Unternehmens einstellen.“

Ebenso wie James Sinclair, hat die folgende, gewissenhafte Führungskraft, Dr. Ananth Raman seinen Fokus im Interview stark auf das Konzept der Werte und der Ethik gerichtet:

„Werte, wie Gerechtigkeit, Wahrheit, Respekt, Gleichmut, die Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen, Ehrlichkeit und Integrität sind die Kernwerte, die für mich sehr kraftvoll wurden, als ich ins Business einstieg. Diese befinden sich mehr auf der ethischen als auf der spirituellen Seite. Die Richtung ist die gleiche und irgendwann laufen diese beiden zusammen. Heute denke ich, dass meine ethischen Werte nichts anderes als eine Reflektion meiner spirituellen Werte sind.“

Kommerzielle Ethik – Spirituelle Werte in Aktion

„Die beste Weise den Erfolg zu betrachten, ist auf die Qualität eurer Bemühungen zu schauen. Bin ich meinem inneren Gewissen gefolgt? Hab ich meinen besten Einsatz gegeben? Was war mein hintergründiges Motiv? Das ist das, was am wichtigsten ist.“

(Ananth Raman, Vorstand von Graphtex, Inc., USA)

Ananth Raman war der Vorstand von Graphtex, Inc., USA, als er für dieses Projekt interviewt wurde. Er ist indischer Abstammung und selbst ein wahres Produkt seines multi-kulturellen Hintergrundes. Er bewegt sich mit gleicher Leichtigkeit in der globalisierten Welt des großen Kommerzes, wie in den Dörfern seines Geburtslandes Indien. Beide Umfelder haben einen großen Einfluss auf seine spirituelle Entwicklung ausgeübt. Dr. Raman erzählt: „Meine Mutter lehrte mich, dass die Anwendung ethischer Werte der Weg ist, Ordnung in der Gesellschaft zu halten. Natürlich habe ich sie in den letzten dreißig Jahren in meinen Berufserfahrungen umgesetzt. Die ethischen Richtlinien, die meine Korporation aufgesetzt hatte, führten mich in die richtige Richtung. Als ich über diese Richtlinien nachdachte, wurden diese Werte ethischer Praktiken ein Teil von mir. Ich entdeckte tiefere Werte in jedem einzelnen von ihnen. Ich erkannte, es ist nicht nur eine gute Business Praxis, sich ethisch zu verhalten. Wir alle haben die Pflicht, eine Rolle zu spielen, die uns von Gott gegeben wurde.

„Für mich ist Spiritualität mehr eine Art Selbsterforschung. Ich denke, unterschiedliche Menschen müssen unterschiedliche Wege einschlagen. Einige Leute praktizieren viel Dienst, um ihr spirituelles Wachstum zu pflegen. Ich ziehe den Pfad des Wissens vor, mehr zu lernen, mehr zu lesen war immer mein Weg gewesen. Devotee von Sathya Sai Baba zu sein, ist weitgehend der Grund dafür. Bei allen Aktivitäten, bei allen Handlungen, was immer geschieht – ob ich erfolgreich bin, oder nicht – ich kann mich ruhig zurücklehnen und Gottes führende Hand bei allem erkennen. Selbst wenn ich wahrnehme, dass Er mich in Verzweiflung oder Probleme drängt, kann ich Seine Führung in allem sehen. Ich denke, dass all meine Selbsterforschung durch diesen spirituellen Lehrer, Sai Baba motiviert wurde. Das kann ich sehr leicht erkennen.

„Meine spirituelle Entwicklung hat mir geholfen, Prinzipien zu institutionalisieren wie: eine Absicht verfolgen, Werte hinzuzufügen und mit gutem Beispiel voranzugehen. Als Führungskraft muss ich mit gutem Beispiel vorangehen, dem andere folgen können. Es hat keinen Zweck zu versuchen, eine ehrliche Organisation haben zu wollen, solange ich nicht selbst wahrhaftig bin.“

„Es gab eine Zeit, als wir ISO 9000, ein Qualitäts-Überwachungs-System, für unsere Gesellschaft einführten. Wir besaßen auch ein Arbeitsmarktartikel-Firma, wo speziell angefertigte Artikel für unsere Kunden hergestellt wurden. Da diese Produkte für spezifische Anwendungen gedacht waren, war es extrem schwierig, Dinge zu standardisieren, und es ist ein sehr komplizierter Prozess. Dadurch entstand ein schwieriges Umfeld, um diesen Typ von Qualitätsmaßnahmen einzuführen, da sie eine Menge rigider Prozeduren beinhalteten.“

„Der Experte sagte: „Das ist alles sehr einfach. Alles, was ihr tun müsst, ist, jede der Prozeduren, die ihr bereits durchführt, niederzuschreiben. Ihr müsst nichts verbessern; ihr müsst nicht anderes sagen, als das, was und wie ihr es praktiziert. Das hat nichts mit richtig oder falsch zu tun; ihr sagt ganz einfach, was ihr tut, und tut, was ihr sagt“. Selbst nachdem er all dies erklärt hatte, war mein Personal immer noch besorgt.

„Früher folgte ich diesen ethischen Werten, weil ich es so gelehrt wurde. Als ich spiritueller zu denken begann, verstand ich den Grund, warum es gut ist, sich so zu verhalten. Heute denke ich, dass die ethischen Werte nichts anderes sind als eine Reflektion meiner spirituellen Werte.“

„Eines Abends, während ich mit meiner spirituellen Gruppe an einem Studienkreis teilnahm, dachte ich darüber nach. Ich sah, worum es ganz einfach ging: Einheit von Gedanke, Wort und Tat. Ich rief meine Angestellten zusammen und sagte zu ihnen: „Das ist nur ein Konzept: nehmt wahr, was ihr fühlt, was ihr schreibt und wie ihr handelt und das alles muss übereinstimmen. Nichts anderes bedeutet das ISO 9000.“

„Überall in der Gesellschaft haben wir dann folgende Erklärung abgegeben: „Das Ziel der Gesellschaft mit ISO 9000 ist, Einheit in Gedanke, Wort und Handlung. Wenn wir, um das Basis Konzept zu beschreiben, das Wort „spirituell“ benutzt hätten, wäre wohl mit manch negativer Reaktion zu rechnen gewesen. Für mich war es Wahrheit und Ehrlichkeit. Als ich erklärte, was Einheit in Gedanke, Wort und Tat bedeutet, verstanden sie das Konzept ganz leicht.“

„Sie begannen, alle möglichen Fragen zu stellen, überall in den Abteilungen; über diese Kettenreaktion war ich erstaunt und sagte ihnen: „Lasst uns ein monatliches Meeting veranstalten, in dem wir die Probleme besprechen können, wann es schwierig für euch wird, wahrheitsgetreu zu handeln.“ Ich bemühte mich, dass sie den Unterschied erkannten, wenn man einem Kunden sagt: „Nein, morgen geht es nicht, wir haben Schwierigkeiten“, was die Wahrheit ist, und: „Es wird übermorgen gehen“, welches eine Lüge ist. Auf diese Art können sie noch etwas Zeit herausschinden, ohne etwas zu versprechen, was schließlich doch nicht eintreffen wird. Wir halten immer noch diese Meetings ab, in denen diese schwierigen Situationen durchgesprochen werden und versuchen, sie in der Einheit von Gedanke, Wort und Handlung lösen zu können.

„Aus kommerzieller Sicht möchte ich über Spiritualität als Form ethischer Werte sprechen. Als ich mich in einem der Westafrikanischen Länder aufhielt, war dieses Land voller Korruption, und man konnte gar nichts machen, ohne vorher jemanden zu bestechen. Wir verloren Verträge und Geschäft. Aber die Politik in meiner Korporation hieß: Keine Bestechung! Ich fragte mich, wie das überhaupt ohne Bestechung gehen könnte. Letzten Endes wählte ich, mich an die ethischen Werte zu halten, denen sich die Gesellschaft verpflichtet fühlte. Anfänglich folgte ich diesen ethischen Werten, weil ich es so gelernt hatte. Als ich spiritueller zu denken begann, verstand ich den Grund, warum es gut ist, sich so zu verhalten.

„Werte wie Gerechtigkeit, Wahrheit und Respekt vor anderen, Gleichmut, Fähigkeit Entscheidungen zu treffen, Ehrlichkeit und Integrität sind die Kern-Werte, die für mich sehr kraftvoll wurden, als ich in die kommerzielle Welt einstieg. Diese befinden sich mehr auf der ethischen als auf der spirituellen Seite. Irgendwann jedoch fügten sich diese beiden Werte-Systeme zusammen. Nun denke ich, dass die ethischen Werte nichts anderes als eine Reflektion meiner spirituellen Werte sind. Zum Beispiel: Im Business musst du dich selbst, deine Gefühle, deine Kunden, deine Angestellten respektieren. Aber wenn du dann tiefer in die Spiritualität einsteigst, beginnt dein Selbstrespekt die Achtung deines Inneren Selbst zu beinhalten. Dann versuchst du zu verstehen: „Was ist gemeint mit dem Selbst? Selbst bedeutet „Ich“, es bedeutet „Bewusstheit“.

Dr. Raman ist jetzt halb pensioniert und verbringt die meiste Zeit in seiner Heimat Indien, wo er kürzlich in Bangalore ein Haus gebaut hat. Außerdem ist er Ehren-Professor an der Sri Sathya Sai Universität.

Mit Spiritualität können Geschäfte gedeihen!

Jede der spirituell orientierten Führungskräfte, die ihr hier kennen gelernt habt, ist ein Produkt seiner eigenen einzigartigen Erfahrungen, und jeder einzelne hat eine unterschiedliche spirituelle Perspektive im Leben und vor allem in der Ausübung seiner Führungsposition. Jeder hat seine eigene einzigartige Art, diese Spiritualität in Worten und Handlungen auszudrücken. Und jeder hat in der Ausübung seiner Führungsposition, auf spiritueller Basis gegründet, seine eigene Art entwickelt.

Als wir unsere Forschungsergebnisse der Zuhörerschaft von MBA-Studenten und Führungskräften vortrugen, stießen wir jedoch hin und wieder auf Skepsis. Die Meinungen über die Anschauungen spirituell gegründeter Führung teilten sich. Insbesondere haben wir zwei Arten von Ängsten und Zweifeln angetroffen:

 

 

„Politiker ohne Prinzipien, Erziehung ohne Charakter, Wissenschaft ohne Menschlichkeit Und Kommerz ohne Moralität Sind nicht nur nutzlos, sondern regelrecht gefährlich.“

(Sathya Sai Baba)

Die erste Furcht besteht darin, nicht beides sein zu können, spirituell und eine erfolgreiche Führungskraft. Eine Antwort auf diese Frage, ist, dass alle Vorstände, die für dieses Forschungsprojekt interviewt wurden, ihre Führungsposition erreichten und spirituell sind. Das ist in sich selbst ein starker Beweis: Spiritualität und in einer Führungsposition zu sein müssen sich nicht gegenseitig ausschließen. Beachtet, dass wir mit dem Gesagten nicht behaupten wollen, dass Spiritualität die königliche Strasse zu der Spitze der Konzern-Pyramide sei – dass der Weg weich und der persönliche Erfolg gesichert seien, wenn ihr spirituell seid. Einige der Vorstände, die wir und unsere beiden Forscher Kollegen interviewt haben, sind harten Herausforderungen begegnet. Zum Beispiel, musste einer sein Vermögen riskieren, um großen Schaden zu verhindern, ein anderer musste sich mit einer schmerzlichen Verkleinerung auseinandersetzen und der dritte musste sich der Herausforderung stellen, dass das Geschäft zu Bruch ging. Genau wie Jogging und biologische Ernährung keine Garantie für ein langes und physisch gesundes Leben geben, ist eine spirituelle Perspektive in einer Führungsposition keine Garantie für eine langlebige und gesunde Organisation oder eine lange erfolgreichen Karriere. Doch die hier erwähnten Geschichten zeigen klar, dass es möglich ist, beides, Rationalität und Spiritualität, einzusetzen, um erfolgreich ein Unternehmen und sich selbst zu führen.

Die zweite Quelle der Skepsis trafen wir in dem Glauben an: Um spirituell zu sein, muss man auf die Welt und ihren materiellen Reichtum verzichten. Wenn das so wäre, würde es eindeutig unmöglich sein, eine spirituell gegründete Führungskraft zu sein. Diese Furcht kann durch die Tatsache aufgelöst werden, dass einige der Vorstände, die wir interviewt haben, ein ziemlich wohlhabendes Leben führen, um es milde auszudrücken. Andere leben in bescheidenen Wohnungen und führen einen einfachen Lebensstil, gemessen an ihren verinnerlichten Werten und ihren Aspirationen. Jedoch keiner von ihnen deutete an, dass Reichtum ein Hindernis sei, ein spirituelles Leben zu leben oder von einer spirituell gegründeten Basis eine Führungsposition zu übernehmen. In der Tat erzählten viele der von uns interviewten Führungskräfte, wie sie ihren Reichtum einsetzten, um Humanitäre Dienst- Projekte zu initiieren – einige sogar in großem Ausmaß.

Das Grundfundament ist also: an die starke Überzeugung glauben, dass Business von einer spirituell gegründeten Basis entwickelt, erfolgreich sein kann und dass du eine erfolgreiche Führungskraft sein kannst, wenn du vom Herzen, vom Geist und der Seele handelst, und die Liebe und Dienen einschließt; in dem Moment übersteigt der Erfolg die traditionelle Wirtschaftsvernunft. Das ist es, womit all die interviewten Persönlichkeiten überzeugten. Und alle von ihnen wurden durch die Lehren von Baba inspiriert.


Dr. Peter Pruzan ist Professor Emeritus in der Abteilung Management, Politik und Philosophie in der Business Schule in Kopenhagen, Dänemark, und Gast-Professor an der Sri Sathya Sai Universität. Kirsten Pruzan Mikkelsen ist eine angesehene Journalistin und ehemalige Zeitungsverlegerin bei Berlingske Tidende, einer großen Tageszeitung in Dänemark.