August 2007 - Jahrgang 1 - 8. Ausgabe

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Die beste Religion

Es gab einmal einen König, der ein guter und gerechter Herrscher war. Alle waren glücklich und sein Königreich gedieh im Wohlstand. Eines Tages rief der König alle religiösen Führer des Landes zusammen. Einige waren sehr renommiert und gut bewandert in den Veden und Puranas und manche auch in der Bibel, andere wiederum im Koran oder anderen heiligen Schriften.

Als alle versammelt waren, sagte der König: „Oh ihr Heiligen! Auf Drängen meiner Untertanen hin, will ich heute eine Religion zur Landesreligion erklären. Ich überlasse es euch, oh Gelehrte, das unter euch auszumachen und zu einer einstimmigen Entscheidung zu kommen, welche Religion wohl die königliche Unterstützung verdient. Ich denke aber, das nur diejenige Religion auserwählt werden sollte, deren Lehren von niemandem abgelehnt werden.“ So sprach der König.

Jahre vergingen, aber keine Entscheidung fiel. Jeder fühlte, dass seine Religion die beste sei, aber keiner der anderen stimmte zu.
 

 

Eines Tages kam ein reisender Heiliger in das Königreich. Nachdem er vom unerfüllten Wunsch des Königs erfahren hatte, machte er sich sofort auf den Weg zum ihm und sagte: „Oh Mächtiger! Ich bin bereit, Euch die Religion zu zeigen, deren Lehren niemand abzulehnen vermag.“

Der König war hocherfreut. Nach langer Zeit des Wartens gab es zu guter letzt Hoffnung auf eine Antwort. „Bitte sagt es mir bald, lieber Heiliger. Ich bin ungeduldig. Ich habe viele Jahre lang gewartet.” Der Heilige antwortete: „Seid geduldig, mein König. Ich werde Euch den Namen dieser Religion nur an einem ruhigen, abgelegenen Ort enthüllen. Morgen um zwölf Uhr mittags werde ich Euch am Ufer des heiligen Ganges erwarten. Wir werden uns an das andere Ufer begeben und dann werde ich Euch die beste Religion enthüllen.“

Wie beschlossen trafen sich der Heilige und der König am nächsten Tag um 12 Uhr mittags am Ganges-Ufer. Der König ließ ein Boot kommen, um sie über den Fluss zu bringen. Bevor er aber einen Schritt hineinsetzten konnte, bat der Heilige darum, das Boot inspizieren zu dürfen. „Nein dieses Boot wird uns nicht weiter helfen, da eine Bodendiele locker ist“, beschwerte er sich.

Ein weiteres Boot wurde gebracht. Nach näherer Untersuchung stellte der Heilige fest, dass einige Nägel an der Bootsseite fehlten. Der König ließ sich ein weiteres Boot bringen. Nach genauester Untersuchung wies der Heilige das Boot abermals zurück, indem er sagte, dass die Lackierung bereits abgeblättert sei. Dies wiederholte sich etliche Male. Der König verlor langsam die Geduld und hielt es nicht länger aus.

„Ehrwürdiger Herr!“ sagte er, „Während der letzten Stunden haben Sie ein Boot nach dem anderen untersucht. Sie haben eins nach dem anderen zurückgewiesen. Im Grunde genommen ist es doch egal, ob Lackierung abgeblättert ist, ein paar Nägel fehlen oder eine Bodendiele lose ist? Solange das Boot uns befähigt den Fluss zu überqueren, denke ich, dass diese geringen Mängel übersehen werden sollten.“

Der Heilige wandte sich dem König zu und lächelte. Sanft erklärte er: „Ihr habt schließlich herausgefunden, dass kein Boot unfähig ist, uns auf die andere Seite zu bringen. Die Religionen in unserem Land sind wie die Boote. Jede von ihnen ist in der Lage uns zum Herrn zu bringen. Fehler am Glauben der anderen zu finden ist bloße Dummheit. Kehrt in Euer Königreich zurück und herrscht weiterhin mit Weisheit, indem Ihr jeder Religion genau so viel Respekt erweist wie Eurer eigenen. Lebt in Harmonie und Einheit.“

Der König warf sich dem Heiligen zu Füßen. Als er wieder aufstand, fühlte er sich bereichert – reicher an Wissen und Weisheit und fähiger, Gottes Plan zu verstehen.

 

 

Illustrations: Sai Krishna, SSSU

- Heart2Heart Team


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