August 2007 - Jahrgang 1 - 8. Ausgabe

spacer

 

Was nützt uns die Bhagavad Gita?

 

Ein alter Bauer lebte einst mit seinem jungen Enkelsohn auf einem Bauernhof in den Bergen. Jeden frühen Morgen saß der Opa am Küchentisch und las seine Bhagavath Gita. Sein Enkel wollte genauso sein wie er und versuchte, ihn in allem so gut es ging nachzuahmen.

Eines Tages fragte der Enkel: „Großvater! Ich versuche die Bhagavad Gita zu lesen, genauso wie du, aber ich verstehe sie nicht, und was ich verstehe, vergesse ich wieder, sobald ich das Buch zugeschlagen habe. Was nützt es uns, die Bhagavad Gita zu lesen?“

Der Großvater hörte auf Kohle in den Ofen zu legen, wandte sich ruhig seinem Enkel zu und sprach: „Bringe diesen Kohlekorb zum Fluss hinunter und bringe mir einen Korb voll Wasser zurück.“

Der Junge tat wie ihm geheißen wurde, aber bevor er nach Hause gelangen konnte, war das Wasser ausgelaufen.

 


Der Großvater lachte und sprach: „Du musst nächstes Mal eben etwas schneller sein.“ Er schickte ihn erneut mit dem Korb zum Fluss. Dieses Mal rannte der Junge schneller, aber wieder war der Korb leer, bevor er zu Hause ankam.

Ganz außer Atem sprach er zum Großvater, dass es unmöglich sei, das Wasser im Korb zu tragen. Er eilte los, um stattdessen einen Eimer zu holen.

Der alte Mann sagte: Ich will keinen Eimer Wasser, sondern einen Korb Wasser. Du gibst dir einfach nicht genügend Mühe.“ Und er trat vor die Tür, um zu sehen, wie der Junge es abermals versuchte.

An diesem Punkt wusste der Junge, dass es unmöglich war. Dennoch wollte er seinem Großvater beweisen, dass das Wasser in jedem Falle auslaufen würde, bevor er zu Hause wäre, selbst wenn er so schnell rennen würde, wie er nur könnte. Der Junge tauchte den Korb wieder in den Fluss und rannte so schnell er konnte, aber als er beim Großvater ankam war der Korb bereits wieder leer.

Ganz außer Atem sprach er: „Siehst du Großvater, es ist nutzlos!“ „Du denkst also, dass es nutzlos ist? Schau auf den Korb“, sagte der Alte.

 

 

Der Junge schaute auf den Korb und bemerkte zum ersten Mal, dass der Korb sich verändert hatte. Er hatte sich von einem dreckigen Kohlekorb in einen von innen und außen sauberen Korb verwandelt.

„Sohn, das passiert, wenn du die Bhagavad Gita liest. Du wirst nicht alles verstehen oder dich daran erinnern, aber wenn du sie liest, wirst du von innen und außen verändert. Das ist Krishnas Werk in unseren Leben!“

 

SPIRITUELLE ERLÄUTERUNG

Warum sollten wir die Bhagavad Gita lesen, sogar wenn wir nicht einmal ein Wort Sanskrit verstehen? Wie kommt es, dass solch ein altes Buch, wie die Bhagavad Gita, heute so beliebt geworden ist?

Es beweist nur die Kraft der edlen Lehren, die darin verborgen sind und dass diese universellen Prinzipien überdauern, obwohl sie auf verschiedenste Arten in den verschiedensten philosophischen Schriften der Welt ausgedrückt wurden. Es ist ein äußerst praktisches Buch und in vielerlei Hinsicht eines der schönsten. Es hilft uns zu verstehen, wie wir in der Gesellschaft leben sollen und dennoch die spirituellen Werte zu unserem wahren Lebensziel machen können. Denn was die Gita vorschreibt betrifft vor allem die Bedeutung des inneren Lebens; genau das ist es nämlich, was uns motiviert und was alles Leben im Universum motiviert.

Jeder von uns muss seinen Weg finden, jeder seinen eigenen Lebensweg. Also fragen viele: „Worum geht es im Leben eigentlich? Wie können wir mit uns zur Recht kommen und unserem täglichen Leben Reichtum und Bedeutung schenken?

Eine erfreuliche Analogie hierzu, die eigentlich aus der Mahabharata stammt, aus der die Gita entnommen wurde, weist auf die Dummheit jener hin, die die Lehren mit blindem Glauben annehmen. Denn wir können nicht die wahre Natur der Dinge erkennen, wenn wir nur zuhören ohne wirklich darüber nachzudenken und Dinge in Frage zu stellen, so wie auch der Löffel, der keinen blassen Schimmer hat, wie die Suppe schmeckt. An dieser Stelle muss die Vernunft einsetzen, aber noch mehr als das die Intuition und Unterscheidungskraft. Als Arjuna so mutlos war, drängte Krishna ihn dazu „diese Weisheit durch Dienst, intensives Suchen, Untersuchen und Demut herauszufinden.“

Möge die Bhagavad Gita ein integrierter Teil in unserem Leben werden und das Feuer unseres inneren göttlichen Geistes reinigen und möge Krishna unser Herz und unseren Verstand so rein machen, dass sie wie perfekte Diamanten leuchten!

Illustrationen: Sai Aditya, SSSU

- Heart2Heart Team


spacer