September 2007 - Jahrgang 1 - 9. Ausgabe

spacer

SAI-CHIATRISCHER SCHOCK

Dr. Sara Pavan

 

Dr. Sara Pavan ist ein Anästhesist aus Australien, der 1980 zu Baba kam und seit 1993 in Prashanti Nilayam lebt , wo er am Sri Sathya Sai Institut für spezialisierte Medizin (Institute of Higher Medical Sciences) gearbeitet hat. Er war aktives Mitglied der Sai-Organisation in Australien und - seit der Gründung im Jahre 1983 - Herausgeber und Verleger des vierteljährlich erscheinenden Sai-Journals.

Im März 1995 endete das zweite Jahr meiner Arbeit am Krankenhaus für Spezialmedizin (Super Speciality Hospital) in Puttaparthi. Vor unserem Urlaub in Australien war Swami so gütig, uns zweimal zum Interview zu rufen. Beim ersten Mal hatte ich Swami gefragt, ob er uns wohl eine seiner Roben schenken würde für unser Sai-Zentrum in Homebush (Stadtteil von Sydney) in Australien. Swami brachte ein Gewand aus dem inneren Raum und überreichte es mir mit den Worten: „Das ist für dich.“ Ich war mir unkardarüber, ob die Robe für mich persönlich sein sollte.

Vier Tage später, während unseres zweiten Interviews, fragte Swami meine Frau: „Habe ich euch die Robe gegeben?“ Noch bevor sie etwas sagen konnte, ging Er in den hinteren Raum, kam mit einer Robe zurück und gab sie ihr. In der Annahme, dieses Gewand sei von Swami für das Sai-Zentrum vorgesehen, übergaben wir es dem Zentrum, wo es während des Bhajan-Singens über Swamis Stuhl ausgebreitet wurde.

Ein junger Freund in Not
 

Gleich in der ersten Woche nach unserer Ankunft in Australien rief mich ein alter Freund an. Er klang verzweifelt und fragte mich, ob ich ihm helfen könne. „Natürlich will ich das, wenn ich kann“, sagte ich. Er antwortete mir: „Ich weiß, dass du uns helfen kannst, und wir sind froh, dass du aus Indien zurück bist. Wir sind wirklich verzweifelt.“ Ich versicherte ihm, dass mit Babas Hilfe alles möglich sei und dass wir zu Ihm beten sollten. Er erzählte mir, dass sein Sohn, David, die letzten Wochen in der psychiatrischen Abteilung der Kinderklinik eines großen Ausbildungskrankenhauses in Sydney zugebracht hatte. In dieser Zeit hatte er zweimal versucht, sich das Leben zu nehmen. Deshalb hatten die Verantwortlichen beschlossen, ihn in eine hoch gesicherte psychiatrische Abteilung für Jugendliche zu überstellen, die in einem anderen Krankenhaus speziell für Fälle dieser Art eingerichtet worden war.

 

David war sechzehn und kam aus einer liebevollen und gut situierten Familie der höheren Mittelschicht. Zu der Zeit war er Internatsschüler einer privaten katholischen Schule und besuchte die elfte Klasse. Sowohl in seinen Studien als auch in außerschulischen Aktivitäten zeichnete er sich aus. Seine Eltern gehörten unterschiedlichen christlichen Glaubensgemeinschaften an und waren ein liebevolles Ehepaar.

Aus irgendeinem Grunde entwickelte David Vorbehalte gegen seine Eltern. Ohne dass sie davon wussten, wurde er schwer depressiv. Er sagte dem Vertrauenslehrer der Schule, dass er nicht mehr am Unterricht teilnehmen und auch nicht zu seiner Familie zurückkehren wolle. Der Beratungslehrer versäumte es, die Eltern zu informieren. Auf eigene Faust brachte er David sofort in das nächste Lehrkrankenhaus. Er setzte die Eltern erst in Kenntnis, nachdem David dort in die psychiatrische Abteilung eingewiesen worden war.

Australien hatte zu der Zeit die höchste Selbstmordrate unter Jugendlichen. Da David ein Jugendlicher war, wäre er normalerweise sofort in den Trakt mit besonderen Sicherheitsvorkehrungen gebracht worden. Zufällig war der Leiter der psychiatrischen Abteilung ein Freund der Familie, den ich auch kannte. Er entschied, David selbst zu betreuen und ihn nicht in die „Geschlossene Abteilung“ zu bringen, wo Sicherheit und Überwachung hervorragend waren, dafür aber die Lebensumstände für die Patienten härter. Die Fürsorge des Psychiaters, Gespräche und Medikamente hatten bewirkt, dass sich Davids Zustand innerhalb einiger Wochen leicht gebessert hatte. Deshalb wurde ihm gestattet - in der Hoffnung, dass es seine Heilung beschleunigen würde - über die Wochenenden die Klinik zu verlassen um sich bei der Familie und mit Freunden zu erholen. Eines dieser Wochenenden erwies sich als verhängnisvoll. David versuchte sich umzubringen, indem er sich aus einem Fenster im zweiten Stock seines Elternhauses auf die Beton-Fahrbahn stürzte. Glücklicherweise fiel er auf das Auto-Schiebedach seines Vaters, das schwer beschädigt wurde. David selbst bekam - kaum zu glauben - keinen Kratzer ab und rannte von zu Hause fort. In einem nahe gelegenen öffentlichen Park lieh er sich von jemandem ein Handy, rief im Krankenhaus an und sagte, sie möchten ihn zurückholen, da er kein Geld habe und nicht wisse wohin.

Die freien Wochenenden wurden abgesetzt, und als seine Eltern ihn besuchten, war er voller Groll gegen sie. Zu diesem Zeitpunkt war ich noch in Prasanthi Nilayam.

Einige Mitarbeiter im Spital drängten bereits, David in die hoch gesicherte Abteilung zu verlegen. Aber der zuständige Psychiater in seiner Güte sträubte sich dagegen. Eines Tages versuchte der Junge, sich in einem unbeaufsichtigten Moment durch Stromschlag zu töten, indem er in der Netzsteckdose der Station herumstocherte. Der Versuch misslang, weil der Sicherungsschalter heraussprang. Der Kurzschluss setzte einige Einrichtungen auf der angrenzenden Intensivstation außer Betrieb. Das brachte das Fass zum Überlaufen, und die zuständigen Ärzte beschlossen, David sofort in die Sicherheitsabteilung zu überstellen, wo es möglich war, mit einem derart gefährdeten Jugendlichen fertig zu werden.

 

Sein Vater überredete die Verantwortlichen im Spital, mit der Überführung zu warten, bis ich David gesprochen hatte. Ich brauchte gut fünfundvierzig Minuten durch den Stadtverkehr bis zum Krankenhaus. Als ich ankam, hatte David seine Sachen fertig gepackt und war im Begriff zu gehen, bewacht von einem Beamten des Sozialdienstes. Der war über die Verzögerung nicht glücklich, musste sich aber an die Absprache halten und mir etwas Zeit mit David lassen. Ich sagte dem Beamten, dass ich vertraulich mit David sprechen müsse und bat ihn, uns für eine halbe Stunde im Zimmer allein zu lassen.

Mir fiel ein, dass ich Swamis Robe bei mir hatte. Zuerst musste ich das Vertrauen des Jungen gewinnen. Ich erzählte David, dass ich gerade aus Indien zurückgekehrt war und von seinem Vater erfahren hatte, in welcher misslichen Situation er war. Ich versicherte ihm, dass ich aus eigenem Wunsch gekommen war, aus Zuneigung zu ihm, da ich ihn doch seit seiner Kindheit kannte, aus Liebe zu Swami - und ganz sicher nicht auf Betreiben seiner Eltern. Ich hob alle seine guten Eigenschaften hervor und sagte ihm, dass ich mir überhaupt nicht erklären könne, wie ein so ausgezeichneter Junge in diese Lage geraten sei.

Aufgrund unserer Freundschaft wussten alle Familienmitglieder, obwohl sie Christen sind, von unserer tiefen Hingabe an Swami. Ich ließ David Seine Robe halten und erzählte ihm, dass Swami sie mir vor wenigen Tagen erst überreicht hatte. David konnte es nicht fassen, dass er ein so kostbares Geschenk in seinen Händen hatte, und hielt es sprachlos einen Augenblick lang fest.

Seine Eltern kommen aus verschiedenen Glaubensgemeinschaften, und David gestand mir, wie desillusioniert er war von all den interkonfessionellen Konflikten, denen er ausgesetzt war. Er war bereit, mir zuzuhören, während er Swamis Robe in seinen Händen hielt. Ein wenig zögernd, erklärte er sich damit einverstanden, dass ich ihn in der hoch gesicherten Abteilung besuchen könne. Aber er bestand unnachgiebig darauf, dass seine Eltern sich von ihm fernhalten sollten. Auf Antrag seiner Eltern, erlaubten mir die Verantwortlichen für die Abteilung, David zu sehen.

Bei meinem ersten Besuch in diesem „Hochsicherheitstrakt“ begleitete mich die Schwester im Dienst zu David. Er befand sich in einem abgeschlossenen Zimmer, das rund um die Uhr von einer kreisenden Kamera überwacht wurde. Es gab nichts im Raum, womit David sich hätte verletzen können, nicht einmal ein Schuhband. Der ganze Komplex glich einem modernen Gefängnis, und David rangierte auf der höchsten Sicherheitsstufe, wo Betreuung und Bewachung im Verhältnis eins zu eins stehen. Die Schwester erklärte mir, wie das restriktive System funktionierte. Demzufolge konnte ich auch nicht offen mit David sprechen. Ich hatte einmal an diesem Krankenhaus für auszubildende Mediziner als beratender Narkosefacharzt gearbeitet, bevor der Hochsicherheitstrakt eingerichtet wurde. Dieser neue Gebäudeteil für Jugendliche - der einzige seiner Art in Australien, um dem beispiellosen Anstieg der Selbstmordfälle unter jungen Menschen entgegenzuwirken - war erst nach meiner Abreise nach Indien entstanden. Die hoch gesicherte Abteilung, in der Psychiater, Psychoanalytiker, Psychotherapeuten, Berater und Sozialarbeiter im Team zusammenarbeiteten, galt als eine der modernsten ihrer Art in der ganzen Welt.

Falsche Auslegung des Familienrechts hatte es einigen der Verantwortlichen möglich gemacht, sich über die Wünsche der Eltern hinwegzusetzen, ja, sogar die Zuständigkeit für ihre Kinder in Zweifel zu ziehen! Diese Spielart liberaler Gesinnung, entstanden durch zerrüttete Familien und ein großzügiges soziales Wohlfahrtssystem, trug dazu bei, dass Jugendliche unter den Einfluss negativen Gruppenzwanges und anti-sozialer Verhaltensweisen gerieten.

Nach zwei Tagen besuchte ich David wieder und war glücklich, als ich entdeckte, dass ich den Beamten im Dienst gut kannte. Im Gegensatz zu meinem vorherigen Besuch, durfte ich mit David allein sein, solange ich wollte. Deshalb kam ich fortan immer nur, wenn dieser Beamte Dienst tat. Er ließ uns allein und ging für eine Weile fort, weil er sehr genau wusste, dass David bei mir gut aufgehoben war. David war ziemlich einsam, während die Tage so dahingingen; aber er freute sich auf mein Kommen, besonders, seit ich ihm jedes Mal einige Leckerbissen aus unserer Küche mitbrachte.

Meine regelmäßigen Besuche bewirkten bei David eine deutliche Besserung, und die Belegschaft befürwortete sie nun. Vor einer dieser Begegnungen hbekam ich die Eingebung, Swamis Gewand mitzunehmen. David und ich führten ein entspanntes Gespräch, in dem wir uns an viele Ereignisse aus seiner Kindheit erinnerten. Zum Beispiel fragte ich ihn, ob er sich daran erinnern könne, dass ich ihm einmal eine Narkose gegeben hatte, als nach einer Mittelohrentzündung Flüssigkeit aus seinem Gehörgang entfernt werden musste. Damals war er vier Jahre alt.

Als ich ihn fragte, ob er mit mir meditieren möchte, stimmte er zögernd zu. Das einzige Möbelstück in seinem kleinen Raum war ein Bett von etwa 1,80 m Länge. Darauf saßen wir nebeneinander. Vor uns hatten wir ein Waschbecken und einen Wandspiegel. Ich saß genau dem Spiegel gegenüber. Als ich mein Gesicht im Spiegel sah, hatte ich plötzlich die Eingebung, dass wir die Plätze tauschen sollten. Nachdem wir das gemacht hatten, fragte ich David, ob er sein Gesicht im Spiegel gut sehen könne. Er nickte.

Spiegelbild des wahren Selbst

Ich habe kein Fachwissen in Hypnose, Psychotherapie oder Beratung. Ich bin auch nicht sonderlich begabt und erfahren in der Anleitung zur Meditation. Ich gab David Swamis Robe, damit er sie nahe am Herzen halten konnte. Da ich keine Ahnung hatte, wie ich anfangen sollte, vertraute ich fest auf Swamis Führung. Ich sagte David, er solle sich aufmerksam im Spiegel betrachten und wiederholte immer wieder: „Sieh in deine Augen, nicht auf dein Gesicht …. in deine Augen …. in deine Augen.“

Ich rief Swami an und fühlte, dass ich nur ein Werkzeug in Seinen Händen war.

Als David die Konzentration fest auf seine Augen gerichtet hielt, änderte ich den Kurs, indem ich nun sagte: „Atme ein …. atme aus ….atme ein ….atme aus … ein…aus….ein … aus.“ So gab ich ihm länger als fünf Minuten den Atemrhythmus vor, im Wechsel von einer Anweisung zur anderen. „Ein …aus …ein… aus … in deine Augen … in deine Augen … Als er in diesem Rhythmus ruhig und gefestigt schien, begann ich leise einige unterstützende Affirmationen aus dem Glauben an Christus und Sai zu sprechen, Erinnerung an die Schönheit und Güte des Lebens, an die Liebe, die in jedem Menschen ist, an die Kostbarkeit dieser Gottesgeschenke und die Einzigartigkeit und Bedeutung jedes Menschen. Auf diese Weise versuchte ich, sein Selbstwertgefühl anzukurbeln, während er sich weiter auf seinen Atem konzentrierte und dabei tief in sein Bild im Spiegel sah.

Die Stille um uns war zum Greifen, und ich sagte sanft: „Ich werde nun ruhig neben dir sitzen und mit dir gemeinsam diesen kostbaren Moment der Stille (engl. Wortspiel: silence: Sai-lens = Sai-Brille oder -Lupe) erleben. Zwei Minuten vergingen. Plötzlich stieß David einen Schrei aus und packte mich heftig. Ich hielt ihn fest, weil ich fürchtete, er könnte gewalttätig werden.

Er entspannte sich in meinem Griff, immer noch schwer atmend. Er schien über irgendetwas in Panik zu sein und zitterte am ganzen Leib. Meine feste Umarmung löste seine Furcht ein wenig und gab ihm ein Gefühl von Sicherheit. Zum Glück war kein Mensch in der Nähe, als das passierte. Die Ereignisse hätten sonst vermutlich einen anderen Verlauf genommen.

„Was ist passiert ….was ist passiert?“ fragte ich, und er antwortete, schwer atmend: „Diese Augen …. diese Augen…“
„Welche Augen…?“ forschte ich, und er sagte: „Das Gesicht….!“
„Welches Gesicht“, fragte ich weiter. „Wovon sprichst du? Sag es mir!“ Und er antwortete: „Diese Haare…!“ Spontan konnte ich mir zusammenreimen, dass etwas Erstaunliches im Gange war, und ich fragte mich, ob er vielleicht Sai Baba im Spiegel gesehen hatte.
Also zog ich Sai Babas Foto aus meiner Brieftasche und sagte: „Ist Er es, den du gesehen hast?“ und David sagte: „Ja.“ Er war immer noch in großer Aufregung und atmete schwer. Ich ließ nicht locker.
„Wo warst du in dem Moment?“
Er antwortete: „Ich verschwand, und da war nur noch Sai Baba.“

 

Ich war überglücklich, umarmte ihn herzlich und sagte: „Wie gesegnet du bist! Seit mehr als fünfzehn Jahren habe ich Baba jedes Jahr besucht und niemals eine Vision von Ihm gehabt. Du hast gerade auf unglaubliche Weise das Bild deines wahren Selbst gesehen, eine Erfahrung, um die sich sogar hochentwickelte Seelen lange bemühen. Begreifst du die Wahrheit über dich selbst? Verstehst du, dass du göttlich bist? Du hast Sai Baba mit eigenen Augen gesehen und musstest dafür nicht einmal nach Indien reisen.“


 

Fortschreitende Genesung

Manchmal bekommen schwierige psychiatrische Patienten unter Narkose Elektroschocks am Gehirn, eine grauenvolle Prozedur, die Krämpfe, Zuckungen und eine Menge Schaum im Mund erzeugt. Ich habe diese Elektro-Schock-Therapie mit Hunderten von Narkosen vorbereitet. Was David gerade erlebt hatte, erschien mir als eine andere Art von Schock. Ich stellte mir vor, dass Swami gerade den alternativen SAI –CHIATRISCHEN Schock bei David angewandt hatte.

David war noch verwirrt, aber überwältigt von der Erfahrung. Ich versicherte ihm, dass er diesen Anblick von Sai Baba niemals hätte haben können, wäre er nicht reinen Herzens. „Ich weiß um deine Liebe zu Gott und Jesus Christus“, sagte ich zu ihm. „Sai Baba offenbart dir, dass Er Christus ist und dass Gott in dir ist und dich heilen wird.“

David sah aus wie ein hilfloses Kind und schien mir weiter zu vertrauen. Er wurde sehr empfänglich für das, was ich zu sagen hatte. Ich hatte den Eindruck, es sei besser für uns, ein anderes Mal weiter über seine Erfahrung zu sprechen. In einer Ecke auf seinem Bett sah ich ein Taschenbuch liegen. „Das Leben von Adolf Hitler“, mit einem Hitler-Foto auf dem Umschlag, abgegriffen und voller gekritzelter Notizen. Auf meine Frage, wer ihm das gegeben habe, sagte David: „Ein Sozialarbeiter.“ Ich war zutiefst schockiert. „Glaubst du wirklich, dass dieses Buch lesenswert ist?“ sagte ich. Mit einem Lächeln antwortete er mir: „Nein. Ich mag es auch nicht.“

Als ich ihm anbot, ihm bei meinem nächsten Besuch ein Buch über Baba mitzubringen, freute er sich sehr.

Zeitgleiche Träume  

Am nächsten Tag wartete David sehnlich auf meinen Besuch, und ich gab ihm das Buch von Samuel Sandweiss „Der Heilige und der Psychotherapeut.“ David sah strahlend, froh und erwartungsvoll aus und wollte mir seinen Traum der letzten Nacht erzählen. In diesem Traum war er allein. Plötzlich erschien Baba an der Tür. Er trug einen Regenschirm für Herren bei sich, dessen metallener Schaft eine scharfe Spitze hatte. David sah seine Körperteile über den Boden verstreut liegen. Baba betrat den Raum, sah David scharf an und stieß die Spitze des Schirms in ein kleines Stück seines Körpers, das in einer Ecke lag. Indem er es vom Boden aufhob und David vor Augen hielt, sagte Swami: „Ich nehme dieses Teil hier weg, du brauchst es nicht mehr!“ Damit verschwand Er.

In derselben Nacht träumte auch Davids Mutter zum ersten Mal von Baba. Sie und David waren allein mit Baba in einem Zimmer. Sie zeigte ihre Verehrung, indem sie sich niederbeugte und Swamis Füße berührte. (Anm. d. Ü: Segensreiche Geste der Ehrerbietung vor dem Heiligen, genannt Padanamaskar). David tat es ihr nach, und der Traum endete. Die beiden unterschiedlichen Träume von Mutter und Sohn, vielleicht im selben Augenblick geträumt, waren ein Zeichen für Swamis Gnade und sein göttliches Eingreifen.

Während meines nächsten Besuches bei David sprachen wir über seinen erstaunlichen Traum und darüber, was er im Spiegel gesehen hatte. Bedeutete es, dass er Sai Baba als Bild von sich selbst gesehen hatte, als Swamis Gesicht anstelle seines eigenen im Spiegel erschien? Über seinen Traum erzählte David folgendes. „Mein Körper lag zerstückelt über den Boden verstreut. Baba kam ins Zimmer, spießte ein Teil auf und sagte, er nähme es weg und das wäre so in Ordnung.“

Ich hatte das Bedürfnis, an dieser Stelle weiter nachzuforschen, und fragte: „Wie kommst du darauf, dass die Stückchen auf dem Boden deine Körperteile waren und nicht die einer anderen Person?

 

Wenn dein Körper in einzelne Teile zerrissen war, musst du tot gewesen sein. Wie also konntest du etwas sehen?“ Er antwortete: „Ich hatte keinen Zweifel daran, dass es die Teile meines Körpers waren.“

Ich forderte ihn noch einen Schritt weiter heraus: „Wer ist das „Ich“, das deinen Körper zerstückelt sah?“ Als ich merkte, dass diese Frage das Verständnis des Jungen überstieg, erschien mir das weitere Gespräch auf einer höheren Ebene der Wahrnehmung nicht angebracht.Trotzdem hatte die ungewöhnliche Erfahrung eine enorme Wirkung auf David.

Wegen beruflicher Verpflichtungen konnte ich David in den folgenden Tagen nicht besuchen, hielt aber telefonischen Kontakt mit ihm. Eines Tages sagte mir die diensthabende Schwester der Abteilung, dass David in den vergangenen Tagen gewaltige Fortschritte gemacht habe. Allerdings fänden sie es bedenklich, dass er ein Buch läse, das von ihnen nicht empfohlen worden sei. Als ich sie fragte, worum es sich handele, sagte sie: „Ach, Schund, ein Buch über einen Therapeuten und irgendeinen heiligen Mann.“

In dem Glauben, ich sei in der Klinik gut angesehen, sagte ich ihr, dass ich ihm das Buch gegeben hatte. Im Nachhinein erscheint mir dieses Eingeständnis dumm. Ich nehme an, dass die Geschichte nach oben weitergegeben wurde. Als ich das nächste Mal ins Krankenhaus kam, sagte mir ein junger Psychiater, begleitet von einem Sozialarbeiter, dass meine Besuche nicht länger in ihrem Sinne seien, weil der Junge eine enge Bindung an mich entwickele und sich von seinen Eltern distanziere. Sie sagten, dass es im allgemeinen Interesse sei, wenn ich meine Besuche bei ihm einstellte. Davids Eltern waren ausgesprochen unglücklich über diese Entscheidung, da sich ihr Sohn so sehr erholt hatte, seit ich ihn besuchte.

 

Verschlechterung

Innerhalb einer Woche nach dem Ende meiner Besuche verfiel David in Depression, und die Ärzte erhöhten die Dosis der Medikamente. Sie bestellten seine Eltern, um mit ihnen weitere Maßnahmen zu besprechen und eröffneten ihnen die Absicht, ihn mit Elektroschocks (E.C.T.) zu behandeln, da die Medikamente allein nicht ausreichten. Die Eltern waren entsetzt und verweigerten voller Angst ihre Einwilligung in eine solche Prozedur. Sie fragten mich, wie sicher ECT sei. Von anderen hatten sie gehört, dass Risiken damit verbunden waren.

Ohne elterliche Zustimmung kann eine Klinik ECT nicht einsetzen. Es gibt aber einige gesetzliche Regelungen, nach denen die Ärzte mit behördlicher Zustimmung die Behandlung durchführen dürfen. Ein Richter kann in solchen Fällen nach Anhörung aller Betroffenen den Einspruch der Eltern außer Kraft setzen. Davids Eltern wurden aufgefordert, zu einer Befragung vor dem Amtsgericht zu erscheinen.

Von Davids Vater erfuhr ich den Namen und die Telefonnummer des Anwalts, der die Rechte der Familie vertrat.

Als ich ihn anrief und mich vorstellte, begrüßte er mich freudig und fragte, seit wann ich denn aus Indien zurück sei. Er erinnerte mich daran, dass er Joe hieß und der Vorsitzende eines Sai-Zentrums in den westlichen Vororten von Sydney war, wo ich vor Jahren einen spirituellen Vortrag gehalten hatte. Wie unergründlich sind doch Swamis Wege, dachte ich bei mir. Ich war aber nicht überrascht!

Ich sagte Joe, dass David sich durch Swamis Gnade gut erholte, besonders nach dem „Sai-chiatrischen Schock“, und dass für mein Empfinden ECT nicht nötig sei. Ich war zuversichtlich, dass David mit liebevoller Zuwendung und Gebet vollständig genesen könne, und fragte den Anwalt, wie die Gerichtsverhandlung ablaufen würde und ob wir eine Chance hätten, die Elektroschocks zu verhindern. Joe stimmte mit mir überein, wies mich aber darauf hin, dass meine Meinung kein Gewicht habe, weil ich auf dem Gebiet der Psychiatrie kein ausgewiesener Experte war. Er sagte, dass der Richter nur in seltenen Fällen dem Urteil der Fachärzte widerspricht und es in der Regel nur absegnet. Ich fragte ihn, ob die Meinung eines unabhängigen Psychiaters bei der Untersuchung gehört werden könne, und er sagte, dem würde nach rechtzeitigem schriftlichem Antrag zugestimmt werden. Es gelang ihm, den Gerichtstermin zu verschieben, und wir fanden einen renommierten Psychiater, der David untersuchte und ein neues medizinisches Gutachten einreichte. Es bewahrte David vor der Therapie durch Elektroschocks und beendete auch die strenge Form der Sicherheitsverwahrung. Darüber waren alle verärgert, die den Fall anders beurteilten.

Davids Zukunft gestaltet sich glücklich

Unerwartet – die Gründe kennen wir nicht – wurde David aus der geschlossenen Abteilung entlassen, unter der Bedingung, dass er alle vierzehn Tage zusammen mit seinen Eltern zur Besprechung in die Klinik käme. Ihm wurde gesagt, dass er die Dosis der Medikamente herabsetzen und zu seinen Eltern zurückkehren sollte. Seine Genesung ging so gut voran, dass innerhalb weniger Monate auch die Kontroll-Besuche nicht mehr nötig waren und er angewiesen wurde, keine Medikamente mehr zu nehmen. Dies ist ein wundervolles Beispiel für das Wirken von Swamis Gnade. Sie setzte den Entschluss der institutionalisierten Psychiatrie außer Kraft, wo man glaubte, David ohne Elektroschocks nicht heilen zu können.

Seine Eltern stimmten gerne Davids Wunsch zu, die Schule zu wechseln. Er machte eine gute Aufnahmeprüfung für die Universität, schloss einen Vier-Jahres-Kurs an der Universität von Sydney mit Auszeichnung ab und promovierte anschließend. Er fühlt sich wohl in seinem Beruf, und die Familie ist glücklich.

Zwölf Jahre sind seit damals vergangen.

Diese ungewöhnliche Geschichte zeigt uns, dass wir Widerspiegelungen des Göttlichen sind und dass sich Gott der Menschheit in Bhagavan Sri Sathya Sai Baba offenbart hat. Davids Traum enthüllt die Existenz eines bewussten subtilen inneren Wesens in jedem von uns, das sehen, hören, fühlen und werten kann, auch dann noch, wenn der physische Körper zerrissen oder tot ist. Der Traum bestätigt, dass unser physischer Körper nur ein Instrument ist, ein psychosomatischer Apparat!


 

spacer