September 2007 - Jahrgang 1 - 9. Ausgabe

 

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WIRKLICH REICH SEIN

 

Einst kam es dazu, dass sich ein Sanyasin (Asket) in der Nähe eines Dorfes unter einem Baum ausruhte. Er begann gerade über die Herrlichkeit Gottes in der Natur um ihn herum und über Gottes Frieden in ihm selbst nachzusinnen, als plötzlich ein Dörfler auf ihn zu rannte und ihn auf ganz aufgebrachte Weise anflehte: „Gib mir den Stein, gib mir den Stein!“ Der Mann war sehr erregt und seine Stimme zitterte, als er sprach. Doch der Sanyasin ließ sich nicht aus seiner Ruhe bringen und fragte ihn etwas verwundert: „Was für einen Stein?“

„Swami, ich habe Gott Shiva mein ganzes Leben über verehrt. Ich sehe in Ihm all meine Lebensfreude und ich opfere regelmäßig einige meiner Verdienste, um die Armen in Seinem Namen zu nähren. Letzte Nacht erschien mir Shiva in meinem Traum und sagte, dass Er mich für meine Hingabe belohnen wolle. Er sagte, dass ein Sanyasin in die Nähe des Dorfes kommen werde, der einen Stein besitze, der mich für mein ganzes Leben unermesslich reich machen würde. Verehrter Herr, ich bin ein Mann mit gemäßigtem Einkommen und einer großen Familie. Aus diesem Grund bitte ich euch um diesen Stein, der alle meine materiellen Sorgen auflösen wird.“

Der Sanyasin durchsuchte seine Tasche, und mit einem breiten Lächeln im Gesicht holte er einen großen Diamant heraus. „Oh, du musst wohl diesen Stein meinen. Es scheint, als ob Gott Shiva dir Reichtümer jenseits aller weltlichen Vorstellungen schenken möchte. Ich fand ihn gestern im Wald und fühlte bereits, dass Gott einen geheimen Zweck damit verfolgen will, dass gerade ein Sanyasin diesen Diamanten findet – denn narürlich bin ich selbst ganz jenseits jeglicher materiellen Neigung. Ich habe mich daraufhin bemüht Seinen Willen zu ergründen. Nun bist du vorbei gekommen! Mein Junge, ich bin überglücklich, dass du gekommen bist. Denn nun kann ich ihn an dich abgeben. Ziehe los und fülle dein Leben mit Wohlstand und spende allen jenen Freude, denen du mit deinem Wohlstand helfen kannst!“
 

Nachdem er so gesprochen hatte, segnete der Sanyasin ihn und bedeutete ihm, ohne weitere Umstände loszuziehen. Der Mann war unsagbar bewegt, verbeugte sich innig vor dem Heiligen und kehrt mit aufgewühltem Verstand heim. ‚Was werde ich mit diesem Diamanten tun?’ ‚Wie kann ich ihn verkaufen?’ ‚Wird irgendjemand versuchen mich zu berauben?’ ‚Wie kann ich Gott Shiva mit dem daraus gewonnenem Geld erfreuen?’ ‚Wie konnte der Mönch den Diamant so leicht von sich geben?’ All diese Gedanken bedrückten ihn für den Rest des Tages.

 

Er versteckte den Diamanten in seinem Gürtel ohne seiner Ehefrau oder Familie etwas zu erzählen und machte in dieser Nacht kein einziges Auge zu. Die ruhige Erscheinung des heiteren Sanyasins kam ihm immer wieder in Erinnerung, und er entschied sich ihn am nächsten Morgen als Balsam für seinen fiebrigen Verstand wieder zu besuchen.

Am frühen Morgen war er dann hocherfreut, aber auch verwirrt über das Geschenk, das er erhalten hatte. Er näherte sich dem Sanyasi und sagte, nachdem er seine Füße berührt hatte:

„Oh ehrenwerter Meister, ich habe die ganze Nacht nicht geschlafen. Denn ich habe mir Sorgen über den Wohlstand gemacht, den der Herr mir hat zu Gute kommen lassen. Nachdem mir dieser riesige Diamant anvertraut wurde, bin ich sehr ängstlich geworden.”

Nach einer Pause, um einmal tief durchzuatmen, fuhr er in einer von Emotionen erfüllten Stimme fort: „ Bitte ehrenwerter Herr, was ich wirklich will, ist, die Liebe und Losgelöstheit zu haben, die es dir ermöglicht, mir diesen Stein zu schenken. Nur dann werde ich wirklich reich sein!“

Der lächelnde Sanyasin schien in Ekstase aufzugehen. Er war höchst erfreut darüber, dass der Mann den Test Gottes bestanden hatte.

„Mein Sohn, du hast die Gnade Gott Shivas erlangt. Deshalb wird Gott Selbst dich führen und Seine Gnade über dich ergießen. Du wirst immer Seine Göttliche Gegenwart spüren und dich Seiner Liebe und Seines Schutzes erfreuen.“

Daraufhin verschwand der Sanyasin und an seiner Stelle erschien die strahlende Form von Gott Shiva, der Seine Hand segensreich ausbreitete.

Der Mann war fassungslos. In den letzten wenigen Stunden war er durch einen gewaltigen göttlichen Test gegangen und nun wurde er mit dem Darschan des lebenden Gottes gesegnet. Was könnte wertvoller als dies sein? Er staunte über die Fügungen Gottes und wie Er die Devotees segnet, mit denen er zufrieden ist. „Sind Seine Gnade und Sein Mitgefühl ohne Ende?“, fragte er sich.
 

Nach seiner Heimkehr kümmerte er sich darum, den Diamanten zu verkaufen und verfügte das ganze Geld einer Stiftung für wohltätige Zwecke, die von einem vertrauenswürdigen Personal geführt wurde. Der Mann verbrachte den ganzen Tag in Hingabe zu Gott Shiva und hatte große Freude daran Ihm in den Armen zu dienen. Diese strömten herbei, um die verschiedensten Dienste der Stiftung entgegenzunehmen. Er wusste, dass es alles Gottes mysteriöser Plan war – er war bloß ein demütiges Instrument Gottes.

Basierend auf den Ost und West Serien, Mai 2007, Illustrationen: Sai Krishna, SSSU - Heart2Heart Team


 

 
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