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| Oktober 2007 - Jahrgang 1 -10. Ausgabe |
Spannende Begegnungen mit dem Ewigen GESPRÄCHE MIT HERRN RAJA REDDY, TEIL 1
F: Sairam, Herr Raja Reddy. Bitte, erzählen Sie uns zu Beginn, wie es kam, dass Sie von Swami hörten, und wie die Beziehung zu Ihm sich entwickelte. Wie war Swami damal?
F: Sairam, Herr Raja Reddy. Bitte, erzählen Sie uns zu Beginn, wie es kam, dass Sie von Swami hörten, und wie die Beziehung zu Ihm sich entwickelte. Wie war Swami damals? RR: Sairam. Ursprünglich war ich ein Anhänger von Ramakrishna Paramahamsa. In jungen Jahren verehrte ich Swami Vivekananda beinahe wie einen Helden, und ich liebte Sri Ramakrishna, der Swami Vivekananda ähnlich war. Sri Ramakrishna, das wissen Sie vielleicht, hatte wenig Respekt vor Wundern. Er sprach sogar die Warnung aus: „Geht nicht zu den Wunder-Männern.“ Aus dieser Vorgeschichte kam ich. Meine Mutter dagegen besuchte Bhagavan viel früher, bereits Anfang der fünfziger Jahre. Zu der Zeit war ich Student am Loyola College in Madras. Meine Mutter trug mir auf, zu Swamis Darshan zu gehen, als Er in Madras Gast im Hause von Hanumantha Rao war, dem damaligen Bevollmächtigten für das Transportwesen in Madras. Das war meine erste Gelegenheit, Bhagavan persönlich zu begegnen. F: Gingen Sie hin? RB: Ja. Ich sah Bhagavan und war sehr angetan von Seiner sanften, liebevollen Stimme und von Seiner Rede. Und dann fing Er an, Seine Hand in der Luft zu bewegen – auf Seine unnachahmliche Art. Daraufhin fragte ich Ihn, warum Er diese Bewegungen mit der Hand mache. Da ich nun einmal eine gute Erziehung genossen hatte, wollte ich auch alles genau wissen. Swami gab mir keine eindeutige Antwort. Er sagte: „Hm -, warum steckst du dein Hemd in die Hose?“ Ich antwortete: „Das ist so üblich bei uns im College.” F: Er stellte Ihnen also eine Gegenfrage. RR: Ja, und indirekt beantwortete Er damit meine Frage! Es war ein kurzes, aber wirklich liebevolles Gespräch, und ich war davon sehr beeindruckt. Damit endete das Kapitel unserer ersten Begegnung. Ich wandte mich wieder im College meinen Studien zu. F: Wo haben Sie studiert? RR: Am Loyola-College in Madras. F: Was war Ihr Studiengebiet? RR: Ich studierte dort fünf Jahre Volkswirtschaft und schloss mit einer Dissertation ab. Es war eine besonders disziplinierte und gute Universität. F: Und wann fand Ihre nächste Begegnung mit Swami statt? RR: Das war am 4. Oktober 1956, als das erste Krankenhaus, das „General Hospital“, in Puttaparthi eingeweiht wurde. Der damalige Regierungschef von Andhra Pradesh, Herr Bezawada Gopala Reddy, nahm die Eröffnung vor. Und ich war bei der Gelegenheit dabei.
Vorher hatte ich mein Studium beendet und war ganz und gar vertieft in mein Sadhana (spirituelle Praxis). Ich bin, was Spiritualität anlangt, unverbesserlich introvertiert – so möchte ich es nennen. Ich machte alles für mich allein, Meditation, Bhajans, Yoga-Übungen und dergleichen. In dieser Verfassung kam ich zu Baba. Und die erste Frage, die ich Ihm stellte, lautete: „Sind Sie eine selbst-verwirklichte Seele?“ F: Hatte Er Sie zum Interview gerufen? RR: Ja. F: Und was hat Er auf Ihre Frage geantwortet? RR: Sie wissen ja, Er gibt niemals eindeutige Antworten! Er wies nur mit Seiner Hand auf eine Lampe im Zimmer und sagte:„Dies hier ist die Hand; das dort ist der Schatten der Hand an der Wand. Da ist nichts zu verwirklichen.“ Was Er damit sagen wollte, ist dies: „Ich bin das Original! Du bist der Schatten. Für mich gibt es keine Transformation! Wohl aber für dich!“ So war es. Ich musste zwischen den Zeilen lesen. Danach war ich völlig in Seinem Bann – dagegen konnte ich nichts tun! Seine Kraft war unbeschreiblich! Und ich wurde ganz regulär Sein Schüler. F: Rief Er Sie noch einmal zu einem Interview? Kamen Sie noch einmal nach Parthi? RR: Ja! Zuerst fuhr ich nach Hause. Aber dann kehrte ich zurück und ließ mich bei Bhagavan nieder, weil ich auf der Suche nach einem „Sadguru”, einem spirituellen Meister, war. In dieser Zeit fühlte ich mich auch von Swami Shivanandaji in Rishikesh angezogen. Er lebt nicht mehr. Er starb schon vor vielen Jahren. F: Ist es der aus dem berühmten Shivananda-Ashram? RR: Ja. Er lebte damals noch, und ich war halb entschlossen, nach Rishikesh zu gehen und Mönch zu werden, oder etwas in der Art. Von diesen Ideen befreite Bhagavan mich. Mehr und mehr zog Er mich zu den Bhajans heran, Er setzte mich als Chauffeur ein und als Helfer bei seinen vielfältigen Aufgaben. Ich bereitete das Bad für ihn vor, machte sein Bett und ging ihm zur Hand bei vielen anderen Gelegenheiten. Es war ungemein gütig von Ihm, dass ich alle diese Möglichkeiten erhielt, Seva zu tun. So ging es immer weiter. Aber natürlich war ich auf meine Art ein Skeptiker und konnte mich nicht leicht auf all das einlassen. Ich stand damals noch unter Sri Ramakrishnas Einfluss und hatte immer dessen Warnung vor Heiligen, die Wunder vollbringen, im Hinterkopf. Das ging so weit, dass Swami, der meinen zweifelnden Geist kannte, sich einmal mir zu erkennen gab. Es war in Ooty. Baba ruhte auf einem Feldbett. Wir waren beide allein im Raum. Baba sagte: „Wenn du ein Verehrer Vishnus bist, wirst du sehen, wie das strahlende Licht aus Meinem Herzen kommt; bist du ein Verehrer Shivas, wirst du sehen, wie es von Meiner Stirn ausgeht – dort, wo das dritte Auge ist, das Auge der Weisheit.“ Ich sah natürlich das Göttliche Licht in der Herzgegend; denn ich bin immer, von Anfang an, ein Verehrer Lord Krishnas gewesen. F: Veränderte das Erlebnis etwas an Ihrer Einstellung? RR: Nicht wirklich. Ich sagte Ihnen ja, dass ich der geborene Skeptiker bin! So leicht konnte ich mich nicht ergeben. Außerdem habe ich auch noch ein Ego! Wie gesagt, wir waren damals in Ooty, und nachdem Baba das Zimmer verlassen hatte, nahm ich seine Taschenlampe, die Er unter das Bett gelegt hatte. Ich dachte: Kann ich damit vielleicht denselben Effekt erzielen? Das will ich doch mal ausprobieren! Baba ertappte mich sofort! Er kam herein und sagte: „Was soll ich nur tun, damit du mir vertraust?“ Offenbar wusste Er auch nicht weiter! F: Er ertappte Sie also in flagranti bei Ihrem Versuch mit der Taschenlampe! RR: Wir sind nun einmal törichte Geschöpfe! Man kennt das, wenn das Ego ins Spiel kommt und alle möglichen Zweifel aufsteigen! Aber, um es gleich zu sagen, es ist besser, davon loszukommen. F: Sie konnten das Göttliche Licht in Seinem Herzen sehen; das ist ganz ungewöhnlich. RR: Ich habe wirklich das Licht des Höchsten gesehen; aber ich muss Ihnen gestehen, dass ich auch daran zweifelte. F: Lösten diese Zweifel sich später auf? RR: Ja! Er war sehr gütig zu mir. Ich schlief auf dem Boden und Er lag auf dem Feldbett. In den frühen Morgenstunden meditierte ich immer, und ich hatte faszinierende Erfahrungen! Zum Beispiel erlebte ich, wie die Kundalini in immer neuen Wellen von Freude aufstieg. Außerdem sah ich während der Meditation Fluten von Licht. Sie hatten, ich weiß nicht warum, eine wundervolle und angenehme Wirkung auf mich.
Wie ich Ihnen schon sagte, war ich ein unverbesserlicher Einzelgänger – das bin ich heute noch! Kennen Sie den alten Mandir? Babas Bett stand in dem einen Raum, und in einem anderen daneben gab es ein Regal, in dem Er seine Sachen aufbewahrte, und dann war da noch das Bad. Ich schlief also neben dem Regal auf dem Fußboden, und Baba lag im anderen Zimmer auf dem Bett. Plötzlich geschah etwas. Es war, als fiele der Sonnenball auf mich herab. Ein unglaublich riesiges Licht kam auf mich zu! Schockierend! Das war eine gewaltige Erfahrung. Sie dauerte nicht lang genug, um mich zu zerschmettern. Aber der Schock saß tief! Natürlich steckte Baba hinter all diesen Phänomenen; aber Er tat immer so, als wüsste Er von nichts. Einmal hatte ich eine Meinungsverschiedenheit mit Baba – Sie wissen schon, das Ego meldete sich! Wir waren in Bangalore, im Hause eines Verehrers. Und ich nahm mir die Geschichte so zu Herzen, dass ich dachte, ich müsste Ihn verlassen. Ich ging auch tatsächlich fort. Ich stieg in einen Bus, der mich in drei Stunden nach Hause bringen sollte. Auf der Hälfte der Strecke aber, während ich an einer Tee-Station einen Imbiss nahm, geschah etwas Unerklärliches. Es war, als würde mein Herz ausgewrungen wie ein nasses Handtuch. Es war nicht auszuhalten. Die Tränen liefen mir aus den Augen. Das hörte überhaupt nicht wieder auf. Es war so schlimm, dass die anderen Gäste dachten: Der arme Kerl muss schlimme Schmerzen haben! Ich konnte nichts dagegen tun, die Tränen versiegten einfach nicht. Unaufhaltsam flossen sie aus mir heraus. Das war zuviel. Ich war am Ende! Ich nahm den nächsten Bus nach Bangalore und sagte zu mir: „Komme, was wolle, ich muss zu Baba zurück!” Als ich ankam, saß Baba ruhig auf dem Bett und war dabei, mir einen Brief zu schreiben! F: Er schrieb Ihnen einen Brief? RR: Ja! Er schrieb gerade. „Wo ist der Ort, an dem du mich verlassen und von mir fortgehen könntest?“ Von dem Moment an wusste ich: Er ist sakhshaat hridyanivasi, der höchste Bewohner des menschlichen Herzens! Und nichts kann geschehen ohne Seine Erlaubnis. Wenn Er unser Herz erobert hat, sind wir machtlos. Wir haben ausgespielt. Der Verstand gibt klein bei. Das habe ich erfahren. Das war der Punkt, an dem ich mir sagen musste: „Ohne Deinen Willen, Baba, kann ich nirgendwo hingehen – es ist einfach unmöglich!“ F: War das die Erfahrung, in der das Ego nachgab? RR: Ja. Und es war die Erkenntnis, dass Er, der Bewohner unseres Herzens (hridayavasin), absolut alles weiß. Diese Erkenntnis war überwältigend. Und Sie wissen ja, was das praktisch bedeutet -: Welcher Gedanke auch immer gerade entsteht im Geist derer, die bei Ihm sitzen, der Gedanke taucht in Babas allumfassendem Bewusstsein auf. Und manchmal reagiert Er sofort darauf! F: Haben Sie diese Erfahrung selbst gemacht? RR: Ungezählte Male! So oft, dass es selbstverständlich für mich geworden ist. Auch meine Frau und mein Sohn hatten solche Erlebnisse. Einmal lud Swami meine Frau ein, an einem Interview teilzunehmen. Es waren da einige reiche Leute um Ihn versammelt. Da kam bei ihr ganz leise der Gedanke auf: „Er wendet sich besonders reichen Menschen zu!“ Swami sprach gerade über etwas anderes. Plötzlich wandte Er sich ihr zu, als hätte Er sich mit ihr unterhalten, und sagte: „Warum wohl? Weil so viele arbeitende Menschen ihnen unterstellt sind, die davon begünstigt werden.“ F: Jeder, der für einen Reichen arbeitet, kann so profitieren? RR: Ja. Wenn der Mensch an der Spitze eines Unternehmens im Herzen berührt ist, haben viele Menschen etwas davon. Er wird sein Herz auch für andere öffnen. So erreicht Swamis Gnade auch sie. Es gibt den Ausspruch: Anstatt jede kleine Ameise zu fangen, greif dir die Königin heraus! Das ist es, was Swami tut. So hat es auch Swami Vivekananda gemacht. Ich habe öfter an Babas Mitteln und Wegen so meine Zweifel gehabt, behielt meine Gedanken aber für mich. Das passiert in Seiner physischen Gegenwart nun einmal. Ganz schnell tauchen Einwände auf. Und Er reagiert darauf. Wenn das geschieht, versteht man als Dritter in einer solchen Situation überhaupt nicht, was gerade vor sich geht. Das ist der Grund, warum es in Babas Reden – in vielen, die ich früher gehört habe – diese merkwürdigen Gedankensprünge gab. Zwischen einer Aussage und der nächsten war die Verbindung unterbrochen. Wenn nämlich Zweifel auftauchten bei den Zuhörern, antwortete Er spontan auf die unausgesprochenen Einwände. Durch diese Unterbrechungen fehlte dann ein Stück im Zusammenhang. F: Man könnte dann den Eindruck haben, die Rede sei nicht folgerichtig, obwohl sie es im Grunde sehr wohl ist. RR: Genau! Tatsächlich ist Er doch um jedes Einzelnen willen zu uns gekommen und nicht, um Massen zu begeistern oder für Sich einzunehmen! Er arbeitet subversiv mit jedem von uns – das ist das Wundervolle!
F: Sie hatten das Privileg, bei Baba zu leben. Davon können andere nur träumen. Erzählen Sie uns doch bitte mehr davon. Wie war Sein Tagesablauf damals, und wie war Er im persönlichen Umgang? RR: Auch in zwanglosen Gesprächen gestattete Bhagavan damals Seinen Verehrern und anderen Besuchern, ihre Zweifel vorzubringen und antwortete klärend auf ihre Einwände. Gleichzeitig vermittelte Er ihnen auch direkte Erfahrungen, wie einige von uns es selbst erlebt haben. Vor allem habe ich immer wieder festgestellt, dass Bhagavan, wenn Er sich einem Einzelnen zuwendet, wirklich den Einzelnen meint. Die Menge kümmert Ihn nicht. Er will jedem Einzelnen Hinweise geben, Er zeigt Fehlhaltungen auf und beschleunigt das spirituelle Wachstum des Einzelnen. Sein Interesse an der Entwicklung jedes Individuums ist immens. Das ist besonders bemerkenswert an Bhagavan! F: Er möchte jeden Einzelnen in seiner Entwicklung fördern. RR. Ja. Und Er weist auch den Weg. Zum Beispiel erinnere ich mich an Herrn Jawa von „Joy Icecream”. Er war der Firmenchef dieses Unternehmens. Bevor er zu Bhagavan kam, war er ziemlich wohlhabend. „Joy Icecream“ war damals auch in Bombay ein Begriff – vergleichbar der „Kwality Ice-cream“ von heute. Bevor Herr Jawa zu Bhagavan kam, war er dem Alkohol so zugetan, dass in seiner Familie sogar die Kinder schon alkoholische Getränke konsumierten, einfach so, zum Vergnügen. Es war ein tiefsitzendes Verhaltensmuster in seiner Familie. Als Bhagavan einmal in Mumbai im Gwalior Palace Station machte - das Hotel wurde inzwischen abgerissen -, kam Herr Jawa zu Ihm. Es war das erste Mal, dass sie sich begegneten, und Baba begrüßte ihn mit „Hallo, Jawa!“ Das war`s schon. Eine innere Wandlung fand statt. Er hörte spontan mit dem Trinken auf. Bhagavan hat immer dieses ganz spezifische Interesse an der Entwicklung des Einzelnen, ohne dabei zu verletzen. Von Geburt an war und ist Er der Freund an jedes Menschen Seite. F: Wie ging es mit Herrn Jawas Familienangehörigen weiter? RR: Auch sie veränderten sich auf glückliche Weise. Baba schenkt innere Kraft. Es ist ja nicht einfach für einen Abhängigen, quasi über Nacht vom Alkohol zu lassen! Ich habe da die Geschichte meines eigenen Cousins, Shiva Reddy. Er ist Zahnarzt, und seine Frau, eine meiner Nichten, ist ebenfalls Ärztin. Sie sind inzwischen beide im Ruhestand und leben im Ashram Prashanti Nilayam. Er war ein starker Raucher. Damals praktizierte er in Nigeria. Er erzählt: „Eines schönen Morgens kommt Baba im Traum zu mir, gewährt mir padanamaskar (Erlaubnis, Seine Füße zu berühren), und ich sagte: „Ich höre auf zu rauchen.“ Genauso geschah es. Die Berührung im Traum bewirkte die Veränderung. Er gab das Rauchen ganz und gar auf! Das ist die Art und Weise, wie Baba Zugang hat zu jedem Einzelnen von uns. Er berührt uns im Innersten; denn Er ist antharayamin, der allwissende weise innere Lenker in unserem Herzen! Er gibt sich nicht zufrieden mit irgendeiner äußeren Selbstdarstellung. Er dringt ganz direkt vor zum Kern eines Problems. Das ist einfach wundervoll. Deshalb kann Bhagavan zu jedem von uns sprechen. Er braucht keinen Vermittler und keine Empfehlung. (Fortsetzung folgt…)
H2H Team
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