Die Geschichte des Prinzen Bodhirajakumara
Als der Buddha im Bhesakala Wald verweilte, sprach er jene Verse, die
die Geschichte des Prinzen Bodhi wiedergaben.
Der Prinz Bodhi hatte einen prachtvollen Palast für sich selbst erbaut. Als der Palast fertig gestellt war, lud er den Buddha zur Almosenspeisung ein. Für diese besondere Speisung ließ er den Palast dekorieren und mit Wohlgeruch aus vier unterschiedlichen Düften und Weihrauch erfüllen. Auch ein langer Teppich war am Boden ausgelegt, der von der Türschwelle bis zum Innersten des Empfangs-Raumes reichte. Da er keine Kinder hatte, gab sich Prinz Bodhi eine feierliche Beteuerung: „Wenn der Buddha auf dem Teppich entlang schreitet, werde ich das als ein Zeichen für Kindersegen ansehen.“
Als der Buddha ankam, bat Prinz Bodhi den Buddha dreimal mit tiefen Respekt, den Raum zu betreten. Doch der Buddha verharrte nur und sah Ananda an, anstatt über die Schwelle zu schreiten. Ananda verstand ihn innerlich, und bat Prinz Bodhi, den Teppich von der Türschwelle fort zunehmen. Dann erst betrat der Buddha den Palast.
Der Prinz bot dem Buddha köstliche Speisen an. Nach der Mahlzeit fragte der Prinz den Buddha, warum er nicht über den Teppich geschritten sei? Der Buddha fragte den Prinzen zurück, ob der Prinz eine Beteuerung gemacht habe, dass er mit Kindern gesegnet würde, wenn er – der Buddha – auf dem Teppich entlang schreite? Der Prinz bejahte die Frage des Buddha. Da sprach der Buddha zu ihm, dass er und seine Ehefrau wegen ehemaliger schlechter Taten keine Kinder bekommen könnten.
Der Buddha erzählte dann den Anwesenden ihre Geschichte.
In einem ihrer vormaligen Leben waren der Prinz und seine Ehefrau die einzigen Überlebenden eines Schiffbruchs. Sie strandeten auf einer verlassenen Insel, und dort lebten sie von Vogeleiern, ohne auch nur eine Spur von Reue zu zeigen. Für diese böse Tat würden sie in dieser Inkarnation nicht mit Kindern gesegnet werden.
Hätten sie nur ein wenig Reue für ihre Tat gezeigt, wäre ihnen die Empfängnis von ein oder zwei Kindern in diesem Leben vergönnt.
Dann wendete sich der Buddha an den Prinzen Bodhi und sprach: „Einer, der sein Leben liebt, soll sich selbst in allen Entwicklungen seines Lebens beschützen, oder zumindest auf einer Stufe seines Lebens.“
Kommentar zu der Geschichte von Prinz Bodhi
Diese Erzählung erinnert an die Darshan Erfahrungen vieler Baba Devotees.Wenn sich Baba zwischen den sitzenden Devotees bewegt, und die Ausstrahlung seiner Allwissenheit entfaltet, lässt er keinen Zweifel über seine Göttlichkeit. Doch seine Antworten auf unsere stillen, gesprochenen oder geschriebenen Gebete und Bitten verwirren uns häufig, und wir sind vielleicht sogar zuerst davon enttäuscht.
Ein Devotee saß einst in der ersten Reihe, vorne am Gang, wo Baba entlang ging. Er hielt eine Halskette hoch und wünschte sich, dass Baba sie segnen sollte. Zu dieser Zeit saßen eine ganze Reihe von Devotees so auf dem Darshan-Platz, dass sie verschiedenste Dinge, Bilder oder Briefe hochhielten, und sich dazu Baba Segen wünschten. Jedes dieser Dinge, Bilder oder Briefe, trugen kleine oder große Bedeutungen für den jeweiligen Devotee, wie es auch in der Geschichte des Prinzen Bodhi beschrieben wird.
Die Geschichte des Devotees ist ganz ähnlich.
Baba kam näher und stand endlich direkt vor dem Devotee. Er nahm viele Briefe von Menschen an, die diesen Devotees umgaben. Der Devotee hielt seine Kette immer noch hoch und von Zeit zu Zeit schaute Baba ihn an. Eine gesegnete Kette würde eine Bedeutung für ihn haben, in einem bestimmten Aspekt seines Lebens und für seine Zukunft. Dies erklärte er jedoch Baba weder mündlich noch schriftlich.
Für ein Kind trägt ein Spielzeug eine bestimmte Bedeutung. Für einen Erwachsenen ist ein Spielzeug einfach nur ein Spielzeug. Für den Devotee war die Kette etwas Besonderes, für jeden anderen Menschen war sie einfach eine Kette. Für den Devotee hatte sie eine symbolische Bedeutung.
Baba begann, die Köpfe der umgebenden Menschen mit seiner Hand zu berühren, und fuhr fort, ihn anzuschauen. Baba vermied es voller Vorsicht die Kette zu berühren. Er zeigte ihm so, dass er nicht gewillt war, die Kette zu segnen. Weder berührte er die Kette, noch segnete er sie die ganze Zeit über.
Ein paar Wochen später nahmen die Ereignisse ihren Lauf, und enthüllten dem Devotee, warum Baba die Halskette nicht gesegnet hatte. Babas Ablehnung erwies sich im Nachhinein als Segen für den Devotee. Er verstand, dass er blind gegenüber einem unglücklich Ausgang war, welcher von seinem Verlangen her wuchs. Demgegenüber hat Baba mit Fürsorge und Wohlwollen reagiert, wissend um seine Zukunft.Diese Erfahrung von Baba’s Allwissenheit hat den Glauben des Devotees an Baba sehr vertieft.
Baba weiß um unsere innersten Geheimnisse, er kennt jeden Gedanken und jeden Wunsch. Er kennt unsere Vergangenheit, unsere Gegenwart und unsere Zukunft. Wir müssen ihm nicht von der Halskette, unserem Verlangen, oder unseren Sorgen erzählen. Er berührt uns in unserem Innersten, zu jeder Zeit.
Wie kommt es nun, dass Baba all unsere Herzen und unsere Seelen kennt, ja sogar unsere Zukunft?
„Gott ist omnipräsent. Die Bhagavad Gita sagt, dass Seine Hände und Füße überall hinreichen. Ebenso Seine Augen, Sein Kopf und Sein Gesicht. […] Ihr müsst den Glauben an Gott pflegen und wissen, dass Er in allem existiert.“ erklärt Baba in seiner Ansprache in Muddenahalli im Jahre 1987.
Er weiß um uns, weil Er in unser aller Herzen residiert.
Selbst die einfachsten Fragen, und unbedeutende Gedanken sind wichtig, und werden von Baba mit Respekt und Achtsamkeit beantwortet. Mit Hilfe der „signifikanten Dinge“, welche die Devotees Ihm hinhalten, werden diese zu einem Göttlichen Werkzeug, um unseren Glauben an Gott zu festigen. Ein Glaube von höchster Wichtigkeit bei unserer Reise zu unserem Herzen.
Es erscheint so belanglos, dass eine Halskette eine Hilfe für einen Devotee sein sollte, um die Göttliche Natur tiefer zu verstehen. Der Grund für das Verlangen nach einer gesegneten Halskette war nicht mehr so wichtig. Es war viel wichtiger, dass der Glaube des Devotee in die Führung Babas gestärkt wurde.
Zum Schluss:
Baba und Buddha nahmen beide in Ihrer Allwissenheit wahr, dass die Wünsche ihrer jeweiligen Gläubigen sich nicht erfüllen sollten. So war beiden Devotees ihr Wunsch aus dem Göttlichen Mitgefühl heraus verneint.
Unsere Wünsche bereichern uns oder andere nicht immer. Einige von ihnen verletzen uns selbst oder andere, und andere können uns in der Zukunft Schaden zufügen. Auf der anderen Seite können einige Wünsche ein hilfreiches Instrument bei unserem Streben nach dem Erkennen und Verstehen der Göttlichen Natur sein.
Weder Baba noch Buddha verlangen blinden Glauben von Ihren Gläubigen. Sie ermuntern ihre Devotees, durch direkt gewonnene Erfahrungen ihren Glauben in die Göttliche Führung zu stärken. Dieser Glaube führt nun dazu, die Herzensbeziehung zwischen Gott und dem Devotee zu vertiefen. Letztlich führt dieses Vertiefen der Beziehung zu dem „Eins werden im Herzen“ von Gott und seinem Devotee.
Von Jens Eymann und Vilochana Patel, gesendet auf Radio Sai, Beginn 2007.